Folgenschwere Umweltverschmutzung

Schwere Coronavirus-Infektion durch Luftverschmutzung - Prüfen Sie die Luftqualität bei Ihnen zuhause

Eine Messstation zur lufthygienischen Überwachung (u.a. von Feinstaub und Stickstoffoxiden) steht nahe einer Hauptverkehrsstraße in Hannover. Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Coronavirus-Infektionen und schlechter Luftqualität.
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Eine Messstation zur lufthygienischen Überwachung (u.a. von Feinstaub und Stickstoffoxiden) steht nahe einer Hauptverkehrsstraße in Hannover. Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Coronavirus-Infektionen und schlechter Luftqualität.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen schlechter Luftqualität und schweren Covid-19-Verläufen: Vor allem diejenigen sind gefährdet, die mit hoher Feinstaubbelastung leben.

  • Alles, was der Lunge schadet, erhöht auch das Risiko für schwere oder sogar tödliche Coronavirus-Infektionen. 
  • Vor allem Raucher sind deshalb gefährdet* - aber auch Menschen, die in schlechter Luft aufwachsen oder in Gebieten mit hoher Feinstaubbelastung leben.
  • Erfahren Sie hier, wie gut die Luftqualität bei Ihnen zuhause ist. 

Je länger die Coronavirus-Pandemie anhält, desto mehr Daten sammeln Forscher weltweit zur Verbreitung, zu Risikogruppen und auch zu Risikofaktoren, die schwere Verläufe begünstigen. Dazu zählen nicht nur Dinge, die der Mensch selbst beeinflussen kann - etwa ob man zur Zigarette greift oder nicht -, sondern auch Umweltfaktoren wie die Luftqualität. US-amerikanische Forscher hatten sich mit der Frage befasst, wie sich Luftverschmutzung auf den Verlauf von Covid-19 auswirkt - mit ernüchterndem Ergebnis. 

Feinstaub begünstigt Atemwegserkrankungen - und schwere Covid-19-Verläufe

Francesca Dominici von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston und ihr Team hatten herausgefunden, dass US-Bürger, die jahrelang schlechte Luft eingeatmet hatten, häufiger schwer an Covid-19 erkrankten als Menschen, die in sauberer Luft lebten. Auch das Risiko an Covid-19 zu versterben, stieg mit dem Wert der Luftverschmutzung an. Die Forscher hatten für diese Beobachtung die Luftqualität der über 3.000 Landkreise in den USA mit den Covid-19-Todesraten verglichen. 

"Wir haben herausgefunden, dass schon ein Anstieg von einem Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft die Covid-19-Todesrate im Schnitt um 15 Prozent erhöht", zitiert der Spiegel die Forscher. Feinstaub-Belastung ist ein Thema, das spätestens seit dem Diesel-Skandal auch in jedem deutschen Wohnzimmer angekommen ist. Feinstaub steht dabei für kleinste Teilchen in der Luft, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind und die nicht sofort zu Boden sinken. Feinstaub gilt nicht nur als Auslöser von Asthma* und anderen Atemwegserkrankungen, sondern soll auch Herz-Kreislauf-Krankheiten begünstigen - alles Erkrankungen, die schwere Covid-19-Verläufe begünstigen. 

Zur Studie

Lesen Sie auch Gewicht und Coronavirus: Wer so viel wiegt, riskiert schweren Covid-19-Verlauf.

"In Regionen mit schlechter Luftqualität werden mehr Sars-CoV-2-Infizierte ins Krankenhaus kommen"

Auch in Italien vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und schweren Krankheitsverläufen*. Vor allem Norditalien wurde besonders von der Pandemie getroffen - eine Region, die mit hoher Luftverschmutzung zu kämpfen hat. So berichtete das Wissensmagazin Quarks, dass die Feinstaubwerte im Norden Italiens weit oberhalb der europäischen Grenzwerte liegen. Auch Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer (PM2.5) sei dort in der Luft besonders hoch konzentriert. "Wichtige vom Menschen geschaffene Feinstaubquellen sind Kraftfahrzeuge (PKW, LKW), Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag, die Tierhaltung sowie bestimmte Industrieprozesse. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren - vorrangig aus Dieselmotoren - in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche", informiert das Umweltbundesamt. Auch die Landwirtschaft sei eine große Feinstaub-Quelle. 

Gesetzlich festgeschriebene Obergrenzen sollen das gesundheitliche Risiko durch zu hohe Feinstaubbelastung senken. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass es keine Feinstaubkonzentration gibt, unterhalb derer keine schädigende Wirkung zu erwarten ist. Forscher sehen nicht nur in Hinblick auf Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein enormes Risiko durch Feinstaub: "In Regionen mit schlechter Luftqualität werden mehr Sars-CoV-2-Infizierte ins Krankenhaus kommen und mehr werden sterben", sagte Dominici der "New York Times". Dementsprechend müsste wichtiges Equipment wie Beatmungsgeräte stärker dorthin verteilt werden.

Sie möchten wissen, wie es um die Feinstaubbelastung vor Ihrer Türe bestellt ist? Der Luftqualitätsindex des Umweltbundesamts gibt Aufschluss

Mehr Quellen: www.umweltbundesamt.de

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jg

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