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Warum Historisches Fechten immer populärer wird

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Historisches Fechten
Historisches Fechten: Überwiegend in schwarzer Montur üben die Frauen und Männer mit Schwertern eine Kampfkunst nach alter Art, die in Deutschland immer populärer wird. © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild

Wer an Fechten denkt, sieht meist weißgekleidete Kämpferinnen oder Kämpfer mit Florett vor sich. Doch inzwischen boomen auch alte Kampfkünste mit Schwert oder Dolch wieder.

Leipzig - Aus der Turnhalle eines Hockey-Clubs in Leipzigdringt das helle Geräusch aufeinander klirrenden Stahls. Hier jagenan diesem Abend keine Spieler einem Ball hinterher. In der Halletrainieren knapp 20 Mitglieder der Stahlakademie HistorischesFechten.

Überwiegend in schwarzer Montur üben sie mit Schwertern eineKampfkunst nach alter Art. Was ein bisschen nach „Herr der Ringe“ undRollenspiel klingt, ist tatsächlich ein anstrengender Sport mitfesten Regeln - der in Deutschland immer populärer wird.

Jahrhundertealte Anleitungen für Gefechte

„Es geht um das Fechten selbst und um das Eintauchen in dieGeschichte“, erläutert Stahlakademie-Chef Torsten Schneyder den Kerndes Historischen Fechtens. Der Sport wird auch HEMA (HistoricalEuropean Martial Arts) genannt. Neben der Technik und den sauberausgeführten Schlägen, die hier zum Beispiel „Oberhau“ oder„Unterhau“ heißen, ist den Historischen Fechtern das Studieren alterQuellen wichtig. Sie suchen in jahrhundertealten Texten nachAnleitungen für Gefechte und trainieren danach.

Schneyder hat die Stahlakademie 2014 in Leipzig gegründet. „Ich binein herumreisender Fechtlehrer“, sagt der 48-Jährige. Vor über 20Jahren, damals noch in Hessen zu Hause, hat er angefangen, sich demHistorischen Fechten zu widmen. In seiner Fechtschule beruft er sichauf Johannes Liechtenauer, der als „alter Meister“ gilt und lautSchneyder stilprägend für die Fechtkunst im Mittelalter war. DieMitglieder in Schneyders Fechtschule sind zwischen 16 und an die 60Jahre alt.

Der quasi akademische Anspruch ist es auch, der einen Teil derSchülerinnen und Schüler anzieht. Tobias Prüwer zählt dazu. „Ich bineigentlich Historiker und habe auch Philosophie studiert“, erzähltder 45-jährige Journalist. Die Quellenarbeit, also das Studium alterTexte, interessiere ihn. Die sportliche Betätigung bekomme ihmnatürlich auch gut. „Ich hab seit acht Jahren kein Rücken mehr“, sagter. Unter seiner schwarzen Fechtmaske kommt Prüwer ordentlich insSchwitzen, während er sein schweres Schwert schwingt.

Bis zu 5000 HEMA-Sportler bundesweit

Die Historischen Fechter haben inzwischen auch einen eigenenDachverband - den DDHF. Dort sind 84 Vereine mit ungefähr 2500Fechterinnen und Fechtern organisiert, wie Sprecher Björn Rüthersagt. Bundesweit gebe es aber bis zu 5000 HEMA-Sportler. Gebildethabe sich die Community in den 1990ern Jahren aus einigenBegeisterten. „Damals war alles noch sehr experimentell. Es gab keineProduzenten für Schutzausrüstung oder für Schwerter“, erzählt Rüther.Das habe sich geändert. „Seit zehn Jahren boomt es richtig.“

Der DDHF bemüht sich um eine weitere Professionalisierung. Ziel seiendie offizielle Anerkennung des Sports und Mitgliedschaften in denLandessportbünden oder dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).Soweit sei man aber noch nicht, sagt Rüther. Dem Dachverband ist auchdie Abgrenzung zum Sportfechten wichtig, denn das Historische Fechtenhabe damit nichts zu tun. Das liegt nicht nur an den anderen Waffen -Schwert oder Dolch statt Florett oder Degen - sondern an der ganzenTheorie im Hintergrund. Außerdem darf beim Historischen Fechtengerungen werden.

In der Stahlakademie von Torsten Schneyder in Leipzig üben sichSportler unterschiedlichster Niveaus im Historischen Fechten. Es sindAnfänger dabei, die noch mit Plastikschwertern vorsichtig dieBewegungsabläufe einstudieren. Aber auch ein Mitglied desNationalkaders Rapier, einer speziellen Waffe, trainiert dort.Fechtlehrer Schneyder ist es wichtig, dass jede und jeder willkommenist. Auf die Frage, was Historisches Fechten noch ausmacht, antworteter: „Die offene, progressive Art der Szene.“ dpa

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