1. SauerlandKurier
  2. Leben
  3. Gesundheit

Was der Wunder-Süßstoff Stevia taugt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Vom Blatt ist nicht mehr viel übrig. Denn die Stevia-Pflanze ist in der EU nicht als Nahrungsmittel zugelassen. Die Wirkstoffe werden in einem aufwendigen Verfahren herausgeholt.

Stevia, ein Wirkstoff aus dem Süßkraut, hat keine Kalorien, aber eine enorme Süßkraft. Nachdem lange um die Zulassung gerungen wurde, sind jetzt mit Stevia gesüßte Produkte im Handel.

Die Blätter der Pflanze aus dem Amambai-Hochland im brasilianisch-paraguayischen Grenzgebiet werden seit Jahrhunderten von Indios als Süßungsmittel genutzt. Deshalb wird die Stevia rebaudiana auch „Süßkraut“ oder „Honigkraut“ genannt. Die Wirkstoffe, Steviolglykoside, haben viele Vorteile. Neben ihrer enormen Süßkraft sind sie kalorienfrei, leicht wasserlöslich sowie koch- und backfest. Seit Ende 2011 sind sie nun auch in der EU erlaubt, dürfen unter anderem in Milchprodukten, Schokolade und Konfitüre eingesetzt werden. Voraussetzung für die meisten dieser Produkte: Sie müssen kalorienreduziert sein.

Fast überall ist auch Zucker drin

Die Stiftung Warentest hat 16 der Neuheiten mit Stevia untersucht: Von Fritz-Kola Stevia über Haribo Stevi-Lakritz bis hin zu Süßstofftabletten. Das Fazit: Jedes Produkt enthält tatsächlich Steviolglykoside, allerdings in sehr unterschiedlichen Mengen. Die meisten Stevia-Produkte enthalten weiterhin Zucker und andere Süßstoffe. Den klassischen Kristallzucker ersetzen sie nicht komplett. Er wurde nur teilweise ersetzt und ist praktisch in allen Produkten nach wie vor enthalten. Das sollten insbesondere Diabetiker beachten. Nur die vier getesteten Tafelsüßen verzichten komplett auf Zucker.

Kalorien sparen die meisten Steviaprodukte im Test trotzdem ein, im Vergleich zum Originalprodukt tendenziell ein Viertel bis die Hälfte. Das zeigt ein Paarvergleich von fünf gesüßten Produkten.

Ein leicht bitterer Nachgeschmack

Der Paarvergleich zeigt auch: Mit Stevia gesüßte Lebensmittel sind für viele erst einmal gewöhnungsbedürftig. Meist schmecken sie nicht so intensiv süß wie das Original. Oft haben sie einen leicht bitteren Nachgeschmack, hinterlassen auf der Zunge ein stumpfes, belegendes Gefühl. Ihr Geschmack ist tendenziell weniger abgerundet. Lediglich beim Haribo Stevi-Lakritz fällt das kaum auf. Stevia schmeckt selbst eher lakritzartig.

Die Blätter der Stevia-Pflanze hat die EU nicht zum Verzehr zugelassen. Allerdings werden sie in Reformhäusern offiziell als Badezusatz dennoch verkauft.

Das Verbot der Blätter sorgt für Verwirrung, zumal viele Anbieter das auf den Etiketten nicht deutlich genug vermerken. Sie suggerieren, dass ihre Produkte Stevia enthalten. Eine gute Lösung sind Hinweise wie „mit Steviolglykosiden aus Stevia“.

Viel Chemie: Pflanze wird zum Pulver

Übrigens sind Steviolglykoside keineswegs so natürlich, wie es Werbesprüche auf den Produkten versprechen. Vom versprochenen „natürlichen Genuss“ oder einer „rein pflanzlichen Süße“ kann keine Rede sein. Sie werden durch ein komplexes chemisches Verfahren aus den Stevia-Blättern gewonnen, unter anderem mit Absorberharzen entfärbt und mit Ionenaustauschern entsalzt. Ergebnis ist ein weißes, reines Pulver. Es gilt als Zusatzstoff und hat die Nummer E 960.

Bereits 2010 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Efsa, die süßenden Stoffe aus Stevia für unbedenklich erklärt. Sie seien weder krebserregend noch würden sie der Fortpflanzung schaden. Um einer Überdosierung vorzubeugen, hat die Efsa eine Tagesdosis von vier Milligramm Steviolglykosiden pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. In normaler Menge verzehrt, schöpft kein Stevia-Produkt im Test diese Dosis auch nur annähernd aus. Auch wer mehrmals täglich Stevia-Produkte zu sich nimmt, erreicht den Grenzwert nicht.

mm

Auch interessant

Kommentare