Nachts arbeiten - eine körperliche Herausforderung

Mit diesen Tipps händeln Sie bequem Ihre Nachtschichten

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Arbeiten, wenn andere schlafen - in der Nachtschicht.

Manche Branchen kommen ohne Nachtschichten nicht aus. Dies birgt einige Nachteile und gesundheitliche Risiken - aber auch Vorteile. Hier finden Sie einige Tipps.

Nine-to-five-Arbeitstage kennen sie nicht - sie arbeiten, wenn andere schlafen: Menschen in der Nachtschicht. Sie müssen besonders auf ihre Gesundheit achten, denn Nachtschichten fordern den Körper. Hier erfahren Sie, was Sie über die Arbeit nachts wissen sollten, welche Risiken für Ihre Gesundheit sie birgt - aber auch, welche Vorteile sie haben kann und wie sie mit ihr umgehen können.

Berufe mit Nachtschichten

Laut Statistischem Bundesamt arbeiten seit 2005 immer mehr Männer und Frauen"zu unüblichen Zeiten". Das bedeutet, mindestens zwei Stunden zwischen 23 und 6 Uhr morgens (für Bäckereien und Konditoreien gilt zwischen 22 und 5 Uhr). Nachtarbeitnehmer sind alle Arbeitnehmer, die "Nachtarbeit in Wechselschicht zu leisten haben oder Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leisten", schreibt das Arbeitszeitgesetz (siehe § 2 Absatz 5 ArbZG).

Laut dem Online-Portal Business Insider sind dies die Branchen, die rund um die Uhr für die Gesellschaft verfügbar sein müssen und deshalb nachts arbeiten:

  • Angestellte bei Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Zoll, Justizvollzug und Rettungsdienst
  • Personal in Krankenhäusern, Apotheken und wichtigen Pflegediensten
  • Angestellte von Energieversorgern und wichtigen Entsorgungs-Betrieben
  • Personal im Verkehrswesen, beispielsweise in Bussen, Bahnen oder Flugzeugen
  • Angestellte von Industriebetrieben  (vor allem aus dem Bereich Stahl, Papier, Chemie)
  • Angestellte in Funk- und Zeitdiensten, meteorologischen Wetterdiensten 
  • Angestellte im Securitybereich, Hotellerie, Gastronomie (ebenso Nachtclubs, Diskotheken)

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Rechtliche Vorgabe bei Nachtschichten

Die Nachtschichten dürfen nicht länger als acht Stunden sein und nur unter bestimmten Bedingungen verlängert werden (siehe § 3 ArbZG). Spätestens nach sechs Stunden steht eine Pause von mindestens einer halben Stunde an. Zwischen den Schichten ist eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden Pflicht. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, wonach zum Beispiel Krankenhäuser und andere Pflegeeinrichtungen ihre Arbeiter auch nach zehn Stunden wieder einteilen dürfen, wenn die Zeit anderweitig ausgeglichen wird (siehe § 5 Absatz 2 ArbZG).

Prinzipiell kann auch jeder Arbeitgeber Nachtschichten einführen. Dies kann, wie der Business Insider schreibt, nur durch das Arbeitszeitgesetz, Betriebsvereinbarungen, das Jugendarbeitsschutzgesetz, das Mutterschutzgesetz oder den Tarifvertrag eingeschränkt werden.

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Gesundheitliche Probleme der Nachtschicht

Das größte Problem bei Nachtschichten und - im öffentlichen Dienst - ist der Kampf gegen den Biorhythmus. Der Mensch ist genetisch darauf ausgerichtet, bei Licht wach zu sein und bei Dunkelheit zu schlafen. Licht verursacht die Ausschüttung von Serotonin, Dunkelheit den von Melatonin, auch Schlafhormon genannt. Diesen Hormonen ist es egal, ob Sie heute bei Dunkelheit wach sein müssen - sie machen Sie trotzdem träge und bereiten Ihren Körper auf den Schlaf vor. Dieser konstante Kampf über Jahre hinweg verursacht Schlafmangel und Schlafstörungen. Langfristig kann das zu Kopfschmerzen, Depressionen, Magen-Darm-Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs und Übergewicht führen. Mediziner empfehlen nicht mehr als drei Nachtschichten in Folge.

Schon mehrere Studien haben gezeigt, dass nächtliches Arbeiten die kognitiven Fähigkeiten negativ beeinflusst und die Denk- und Gedächtnisleistung vermindert. Und es gibt noch einen Nachteil: Die sozialen Kontakte können unter dem Arbeitsrhythmus leiden, da man eben nicht zur selben Zeit frei hat, wie die meisten anderen und so Treffen und Einladungen verpasst.

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Was können Sie also tun?

1. Sorgen Sie für ausreichend Licht an Ihrem nächtlichen Arbeitsplatz.

2. Trinken Sie gegen Ende Ihrer Nachtschicht keinen Kaffee mehr. Er entfaltet seine Wirkung erst nach einiger Zeit - und zwar dann, wenn Sie in den Morgenstunden schlafen wollen.

3. Stattdessen sollten Sie sich bewegen, um wach zu bleiben. Strecken Sie sich, gehen Sie ein wenig auf und ab, schnappen Sie frische Luft - besonders wenn Sie merken, dass sie gerade müde werden.

4. Sicher kennen Sie das Tief nach einer deftigen Mahlzeit, in dem Sie am liebsten ein Nickerchen machen würden. Essen Sie deshalb vor und während Ihrer Nachtschicht nur leichte Nahrungsmittel wie Salat, Joghurt oder Quark.

5. Sorgen Sie dafür, dass Sie immer etwas zu tun haben. Leerlauf und Wartezeiten machen müde.

6. Bereiten Sie Ihren Körper schon am Tag vor der Nachtschicht auf den Rhythmus vor: Gehen Sie spät ins Bett und schlafen Sie länger. So ist der Wechsel weniger abrupt. Hinterher sollten Sie sich möglichst schnell wieder an den normalen Rhythmus anpassen.

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7. Wenn Sie dann früh morgens schlafen gehen, meiden Sie das Licht - wie ein Vampir. Tragen Sie draußen eine Sonnenbrille und verdunkeln Sie das Schlafzimmer, wenn nötig auch mit Schlafmaske.

8. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Schlaf nicht gestört wird: Schalten Sie sämtliche Telefone aus, vielleicht sogar die Türklingel. Schließen Sie das Fenster und verwenden Sie Ohrstöpsel, um Geräusche auszuschalten. Wichtige Termine sollten Sie sowieso auf den Nachmittag legen. Informieren Sie den rasenmähenden Nachbarn und Ihre spielenden Kinder.

9. Sie müssen sich aber auch nicht zum Schlafen zwingen - das funktioniert sowieso nie. Um müde zu werden, können Sie leise Musik hören, lesen oder es mit autogenem Training oder Meditation versuchen. Warten Sie, bis die Müdigkeit von selbst kommt.

10. Ein regelmäßiges Ritual kann grundsätzlich beim Einschlafen helfen. Zum Beispiel können Sie jedes Mal warm Duschen oder ein bestimmtes Hörbuch anhören. Ihr Körper versteht diese Rituale dann als Signal, müde zu werden.

11. Schlafen Sie mindestens sieben bis acht Stunden.

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Vorteile der Nachtschicht

Allerdings hat die Nachtschicht auch einige Vorteile, zum Beispiel lässt sich die Nachtschicht gut mit der Familie vereinbaren, da man tagsüber zu Hause ist und die Kinder betreuen kann. Der nächtliche Arbeitsalltag ist oft viel ruhiger als tagsüber: Es gibt weniger Verkehr, das Telefon schweigt die meiste Zeit, sogar im Krankenhaus - außer in Notfällen. Denn alle anderen schlafen ja. Als Ausgleich für die Nachtschicht bekommen Sie oft gleich im Anschluss mehrere freie Tage.

Und auch die finanziellen Zuschläge sind nicht von schlechten Eltern. So können Sie zum Beispiel Ihre Arbeitszeit verkürzen und verdienen dennoch ebenso viel, wie ein Arbeitnehmer im Tagesdienst. Im öffentlichen Dienst ist dieser Zuschuss oft tariflich geregelt. Doch im Allgemeinen schreibt das Arbeitszeitgesetz keine festen Regelungen vor.

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vro 

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