Neue Tabakrichtlinie TPD2: Was Konsumenten von E-Zigaretten jetzt wissen müssen

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Der Konsum von E-Zigaretten hat in den vergangenen zehn Jahren rapide zugenommen. Nun hat der Gesetzgeber gehandelt und ein Tabakerzeugnisgesetz sowie eine Tabakerzeugnisverordnung erlassen.

Lange Zeit war unklar, unter welche Regelung E-Zigaretten fallen. Nun setzt Deutschland ein von der Europäischen Union vorgeschriebenes Tabakerzeugnisgesetz und die Tabakerzeugnisverordnung um. Ab dem 20. Mai 2017 dürfen viele bisherige E-Zigaretten und Liquids nicht mehr verkauft werden.

Die Neuregelungen dürften außerdem den Konsum von elektronischen Zigaretten verteuern. Wir informieren Sie über die Folgen und ob Hamsterkäufe nun sinnvoll sind.

Seit rund zehn Jahren werden elektronische Zigaretten, wie wir sie heute kennen, weltweit produziert. In den vergangenen Jahren ist ihr Absatz rapide gestiegen, egal wo auf der Welt. Das hängt vor allem mit zwei Faktoren zusammen: Herkömmliche Zigaretten werden immer teurer und E-Zigaretten sollen der Gesundheit deutlich weniger schaden, also die bekannten Glimmstängel. So schätzt das britische Gesundheitsministerium beispielsweise, dass elektronische Zigaretten bis zu 95 Prozent weniger gesundheitsschädlich sind und spricht sich als bisher einziger Staat der Europäischen Union für den Konsum von E-Zigaretten aus, wenn sie dafür die normalen Tabakwaren ersetzen.

Als relativ neue Erfindung galt für E-Zigaretten zu Beginn Rechtsfreiheit. Niemand wusste so recht, worunter die elektronischen Geräte, die ein Liquid verdampfen, nun fallen. Galt das Rauchverbot auch für die elektronischen Zigaretten? Schnell wurden die Rufe nach Verboten laut, weil auch E-Zigaretten alles andere als gesundheitsförderlich sind und Menschen an das Rauchen heranführen könnten. Es gab erste flickenteppichartige Gesetze und Richtlinien.

Umsatz mit E-Zigaretten in Deutschland

in den Jahren 2010 bis 2016

Jahr

Umsatz

2010

5 Millionen Euro

2011

100 Millionen Euro

2012

70 Millionen Euro

2013

100 Millionen Euro

2014

200 Millionen Euro

2015

275 Millionen Euro

2016

375 Millionen Euro

Quelle: Statista

Im Mai dieses Jahres schließlich sind das Tabakerzeugnisgesetz und die Tabakerzeugnisverordnung in Deutschland verabschiedet worden, die Folge einer EU-Vorgabe sind. Ziel des Gesetzes ist es, den Markt für E-Zigaretten und E-Liquids zu regulieren. Aus diesem Grund wurden eine ganze Reihe Einschränkungen erlassen:

  • max. 20 mg/ml Nikotin in Liquids und Basen
  • max. 10 ml Flaschen für Liquids und Basen
  • nachgewiesen hoher Reinheitsgrad der Liquids mit dessen Inhaltsstoffen
  • mehrere Aromen wie zum Beispiel Menthol stehen auf dem Prüfstand und sollen evtl. verboten werden
  • E-Zigaretten und Nachfüllfläschchen müssen einen Mechanismus besitzen, der ein Auslaufen beim Nachfüllen verhindert
  • E-Zigaretten und Liquid-Flaschen müssen kindersicher sein
  • Werbeverbot für E-Zigaretten und Liquids
  • große Warnhinweise auf Umverpackungen von E-Zigaretten und Liquids, wenn diese Nikotin enthalten
  • neue E-Zigaretten und Liquids müssen sechs Monate vor Markteinführung mit umfangreichen Nachweisen angemeldet werden
  • umfangreiche Angaben und Nachweise zu den Inhaltsstoffen, toxikologische Untersuchungen sowie Nachweise zu suchterzeugenden Wirkungen (Beipackzettel)

       

E-Zigaretten werden stärker reguliert

Die obige Aufzählung ist nur eine Auswahl der wichtigsten Bestimmungen, macht aber deutlich, dass E-Zigaretten seitens der Europäischen Union stärker wie normale Rauchwaren betrachtet werden, für die beispielsweise das Werbeverbot und die Gesundheitswarnungen schon lange gelten.

Der deutsche Markt hat zur Umsetzung von TPD2 eine Übergangsfrist von einem Jahr gewährt bekommen. Bis zum 20. Mai 2017 müssen also alle EU-Anforderungen erfüllt werden. Die Produktionsduldung von nicht-gesetzeskonformen Geräten und Liquids ist bereits am 20. November 2016 abgelaufen. Der Abverkauf ist nun in den letzten Zügen.

Doch was bedeutet das Gesetz nun für diejenigen, die Geräte und Liquids verwenden, die bald verboten sind? Wer diese vor Inkrafttreten von TPD2 gekauft hat, der kann aufatmen. Die Verwendung alter E-Zigaretten und Liquids ist weiterhin möglich. Es wird lediglich der Verkauf, nicht aber der Besitz oder die Benutzung reguliert.

Viele Genießer von E-Zigaretten verfallen nun in Panik, weil sie befürchten, künftig auf eine andere E-Zigarette wechseln zu müssen oder ihr Lieblingsliquid nicht mehr zu bekommen. Doch in der Regel sind diese Sorgen unbegründet. "Lediglich wer seine liebgewonnene E-Zigarette möglichst lange nutzen möchte, der sollte sich gegebenenfalls mit Ersatzteilen eindecken, die für verbotene Geräte demnächst natürlich ebenfalls nicht verkauft werden dürfen.", rät ein Experte von www.rauchershop.eu. Sinnvoll kann zum Beispiel ein Ersatzverdampfer sein.

E-Zigaretten und Liquids werden teurer

Wessen Gerät demnächst kaputt geht und nicht mehr gesetzeskonform ist, der wird wahrscheinlich schon vor dem Stichtag Pech haben und kein Ersatzmodell mehr bekommen. Die Hersteller haben ihre Produktionen bereits umgestellt. Händler bestellen seit Bekanntwerden der neuen Regelung meist nicht mehr nach, um nach dem Verkaufsverbot nicht auf alten Produkten sitzen zu bleiben.

Der Vorratskauf von Liguids kann sinnvoll sein, wenn man Wert auf eine größere Flasche legt. Ab dem 20. Mai 2017 werden maximal zehn Milliliter enthalten sein. Das könnte gegebenenfalls den Preis verteuern. Großflaschen sind logistisch bedingt günstiger. Da bis zum Inkrafttreten des Gesetzes aber noch einige Monate Zeit ist, wird es wohl kein Preisdumping der Hersteller geben. Kurz vor Schluss lohnt sich aber nochmal ein Blick in die Shops.

Einige Fachhändler von E-Zigaretten und Zubehör haben bereits angekündigt, die Neuregelung zum Anlass zu nehmen, ihr Sortiment ausdünnen. Das liegt beispielsweise auch an den Beipackzetteln, die jedem Liquid bald beiliegen müssen. Das verursacht nicht nur Aufwand und Kosten, sondern bindet auch Lagerkapazität. Liquids mit weniger Umsatz dürften deshalb aus dem Sortiment verschwinden. Wer also auf Nummer sicher gehen will, der legt sich einen kleinen Vorrat zu.

Die Mehrkosten, die TPD2 bei Herstellern und Händlern verursacht, werden den Konsum von E-Zigaretten ab dem kommenden Jahr teurer machen. Viele Fachhändler haben bereits Preiserhöhungen angekündigt. Unterm Strich bleibt die elektronische Zigarette aber günstiger und vor allem etwas gesünder als der altbekannte Glimmstängel. Die spannendere Frage wird vielmehr sein, ob die Gesetze für E-Zigaretten in Zukunft, ähnlich den normalen Zigaretten, regelmäßig verschärft werden.

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