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Ist in meinem Herzen Platz für einen neuen Hund?

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Bereit für neuen Hund?
Wer sich für einen neuen Hund entscheidet, sollte sich vor Augen führen: „Er wird anders sein als der alte.“ © Markus Hibbeler/dpa-tmn

Die Mensch-Hund-Bindung ist hoch emotional. Trauer um Haustiere wiegt genauso schwer wie die um Menschen. Gibt es überhaupt einen geeigneten Zeitpunkt für einen neuen Hund? Ein Leitfaden.

Berlin - Leeres Körbchen und keine kalte Schnauze, die einen zum Wachmachen anstupst: Wenn Hunde sterben, ist das nicht nur traurig, es stellt das ganze Leben auf den Kopf.

Fehlt ein vierbeiniger Partner zu sehr, liegt die Lösung denkbar nah: ein neuer Hund. Aber für viele Hundebesitzer fühlt sich das einfach falsch an.

„Hunde haben einen immensen Stellenwert bei uns Menschen, meistens als Sozialpartner“, sagt die Psychologin Silke Wechsung. „Sie binden sich eng an ihre Person, sogar extremer als Kinder, die irgendwann unabhängig werden.“ So ein Wesen scheint kaum ersetzbar.

Gerade deshalb ist Trauerarbeit sehr wichtig. Psychologin Andrea Beetz, die an der IU Internationalen Hochschule Professorin für Heilpädagogik ist, sagt: „Nach einem halben bis einem Jahr ist beim Verlust eines Familienmitglieds das Schlimmste meistens überstanden.“

Ob Hund oder Opa gestorben sind, macht manchmal wenig Unterschied. So weh die Trauerarbeit tut, sie ist wichtig, um einem Leben ohne den Verlust entgegenzusehen.

Mensch und Hund gehören seit jeher zusammen

Nun könnte man sagen: Ein Hund ist kein Mensch und überhaupt, die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts vereinsamt und vermenschlicht deshalb Tiere.

Doch so ist es nicht, weiß Historikerin Mieke Roscher. „Die Mensch-Hund-Bindung besteht schon sehr lange, ohne den Hund wäre der Mensch niemals sesshaft geworden. Zum Jagen oder Vieh hüten hat er ihn gebraucht.“

„Mit dem Einzug von Hund und Katze in die bürgerlichen Stuben im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine Partnerschaft jenseits des Nutzens.“ Die Nutz-Beziehung war zwar auch emotional behaftet, doch etwa seit dieser Zeit erlauben sich Menschen gegenüber ihren Hunden reine Emotionalität.

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den neuen Hund hängt eng mit diesen Emotionen zusammen: Einen Hund „ersetzen“, das ist in keinem Fall eine gute Idee, weiß Andrea Beetz. Es ist meistens hilfreich, wenn die größte Trauer bewältigt ist. Und man sollte sich vor Augen führen: „Der neue Hund wird anders sein als der alte.“

Hunde als Individuen sehen

Dabei kann es auch helfen einen auszuwählen, der sich vom alten deutlich unterscheidet. Eine andere Rasse oder zumindest ein anderes Geschlecht oder eine andere Farbe. „Es gibt die Menschen, die ihre Hunde der immer gleichen Rasse immer gleich benennen, aber es ist fraglich, ob das den Hunden zugutekommt. Denn man sollte sie schon als Individuen betrachten.“

Ersatz für einen verstorbenen Hund
Bevor ein neuer Hund ins Haus einzieht, sollte die größte Trauer um seinen ehemaligen Liebling bewältigt sein. Hilfreich ist es, sich für eine andere Rasse, eine andere Farbe oder zumindest ein anderes Geschlecht zu entscheiden. © Christin Klose/dpa-tmn

Der einzige Rat, den man uneingeschränkt geben kann, ist laut Beetz: „Hören Sie auf sich selbst.“.

Menschen, die sich sofort nach einem neuen umsehen, können mit dieser Entscheidung aber auch gut fahren. „Es gibt kein falsch und kein richtig. Jeder Mensch ist anders und für manche ist dieser Weg der richtige“, sagt Wechsung.

Ylvi macht Platz für einen weiteren Hund in Not

Kerstin Siebert aus Berlin zeigt, dass es dafür sogar gute Gründe geben kann. Ihre geliebte Ylvi starb im vergangenen Oktober nach acht gemeinsamen Jahren. Der zarte Griffon-Mischling fehlte und doch zog schon drei Wochen später Nachfolger Lucumon ein. So wie Ylvi kam auch er von einer Tierschutzorganisation.

Kerstin Siebert
Kerstin Siebert nahm nach dem Verlust ihres Hundes Ylvi einen neuen Hund auf. Lucumon (Foto) kam von einer Tierschutzorganisation und lenkt sie ein bisschen von der Lücke ab, die Ylvi hinterlassen hat. © Dirk Jäger/dpa-tmn

Ihre Motivation: „Ylvi fehlt, keine Frage. Aber sie fehlt sowieso. Jeder Hund ist anders liebenswert und so konnten wir einem weiteren Hund in Not ein Zuhause bieten.“

Siebert hat viel Erfahrung mit Abschieden. Sie und ihr Partner nehmen immer ältere Hunde auf, meistens sind sie zwischen sieben und zwölf Jahre alt. „Dadurch haben wir das Ende natürlich immer mehr vor Augen.“ Das helfe.

Und wie sieht es mit der Bindung aus, kann sie wirklich so schnell wachsen? Mal schneller, mal weniger schnell, sagt Siebert. Aber: „Man liebt sie irgendwann alle gleich, das habe ich ganz schnell gelernt. Und dabei ist es egal, wie alt der Hund ist.“ dpa

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