Wenn Zähne verkalken

Über 300 Mikroorganismen im Mund nutzen Essensreste als Nahrungsquelle. Wenn sie nicht regelmäßig entfernt werden, entsteht Plaque – und danach Zahnstein.

Trotzdem nehmen es viele Deutschen mit der Zahnhygiene nicht so genau. Wenn mit der Zunge an den Zähnen ein rauer Bereich erspürt wird, ist es bereits zu spät. In diesem Fall hilft nur noch der Gang zum Zahnarzt, sonst fällt der Zahn über kurz oder lang aus. Im Gegensatz zu Zeiten des Neandertalers nutzt dieser keine groben Holz- oder Knochensplitter – sondern schmerzfreie Ultraschallwellen.

Für Anthropologen ist Zahnstein ein Glücksfall. So konnten Forscher kürzlich die DNA auf dem 50.000 Jahre alten Zahnbelag von Neandertalern untersuchen. Lebende Menschen hingegen sollten den renitenten Zahnstein umgehend entfernen. Zwar werden die darin angesiedelten Bakterien durch die Verkalkung größtenteils unschädlich gemacht. Auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins finden Bakterien allerdings ideale Wachstumsbedingungen. Die Folge: Zahnfleischentzündungen, ein erhöhtes Kariesrisiko und Mundgeruch.

Die Calziumphosphate im Speichel sorgen dafür, dass angegriffener Zahnschmelz remineralisiert wird. Doch wenn der Belag auf den Zähnen nicht regelmäßig entfernt wird, entsteht Zahnstein. Die über 300 Mikroorganismen im Mund nutzen Essensreste als Nahrungsquelle – insbesondere Zucker. Je mehr sie vorfinden, desto schneller vermehren sie sich. Bereits wenige Stunden nach dem Zähneputzen besiedeln sie wieder die Zahnoberflächen. Verbleibt Plaque länger auf den Zähnen, lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein und verhärten im Laufe der Zeit. Das Ergebnis: verkalkter Zahnbelag.

Trotzdem nehmen es viele Bürger mit der Zahnhygiene nicht so genau. Laut mehrerer Umfragen putzen 17 Prozent der Deutschen ihre Zähne nur einmal täglich. Dabei sind viele unkonzentriert: 31 Prozent der 14- bis 29-Jährigen laufen dabei durch die Wohnung. So verwundert es nicht, wenn 57 Prozent der Bundesbürger ihre Zähne falsch reinigen. Und der Zahnarzt kann sie noch nicht einmal darauf aufmerksam machen: Ein Drittel verpasst die ein bis zwei Vorsorgetermine pro Jahr.

Zahnstein bildet sich in der Regel an winzigen Unebenheiten auf der Zahnoberfläche oder unter dem Zahnfleisch. „Vor allem sind die Zahnhälse und die Zahnzwischenräume betroffen“, erklärt Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Wie schnell und stark das geschieht, hängt vom Mineralgehalt des Speichels ab. Als erstes lässt sich dies normalerweise bei den Austrittsöffnungen der Speicheldrüsen an der Innenseite der unteren Schneidezähne und an den ersten Backenzähnen im Oberkiefer feststellen. Im Laufe der Zeit verfärbt sich der zu Beginn weiß-gelbliche Zahnstein ins Bräunliche – bei Rauchern ins Schwarze. Die Färbung wird außerdem durch Tee, Kaffee, Rotwein und Zahnfleischbluten beeinflusst.

Um einen Biofilm und damit Zahnstein erst gar nicht entstehen zu lassen, sollten Zähne mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt werden. Spezielle Elektrozahnbürsten entfernen dabei laut Herstellerangaben durch die vielen Umdrehungen pro Minute mehr Plaque als eine Handzahnbürste. Außerdem ist es wichtig, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder speziellen Zwischenraumbürsten zu reinigen. Nicht zuletzt entscheidet auch die Putztechnik darüber, ob Bakterien optimal entfernt werden. Statt kreisenden Bewegungen raten Zahnärzte heute beispielsweise zur sogenannten Rütteltechnik.

Wenn mit der Zunge an den Zähnen ein rauer Bereich erspürt wird, ist es bereits zu spät. Nur durch Zähneputzen kann der Zahnstein dann nicht mehr entfernt werden. In diesem Fall hilft nur noch der Gang zum Zahnarzt – sonst fällt der Zahn über kurz oder lang aus. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen einmal im Jahr die Kosten für die Entfernung. Dabei wird der Zahnstein entweder mit feinen Haken abgekratzt oder mit harten Borsten weggeschrubbt. Weitere Hinweise für einen dringenden Zahnarztbesuch sind Zahnfleischrückgang, Zahnfleischbluten beim Zähneputzen und eine Rötung oder Schwellung des Zahnfleischs.

Zahnärzte raten zusätzlich, mindestens ein- bis zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Doch eine Zahnreinigung mittels Ultraschall muss in der Regel selbst bezahlt werden. Die Kosten dafür werden gemäß der privatzahnärztlichen Gebührenordnung ermittelt und richten sich nach Anzahl und Zustand der Zähne. Im Schnitt werden zwischen 70 und 90 Euro fällig. 44 Prozent der Deutschen ist das zu teuer. Dabei kann sich die Präventionsmaßnahme vor allem für Menschen mit einem hohen Mineralgehalt im Speichel lohnen: In 30 bis 60 Minuten werden Zahnstein und Verfärbungen entfernt, die Zähne und Zahnzwischenräume gesäubert und anschließend Zahnoberflächen sowie Wurzelansätze mit Spezialpasten poliert.

Auch Neandertaler legten Wert auf Zahnpflege, wie die Ergebnisse der Anthropologen zeigen. Furchen und Kerben an den Zähnen deuten auf die Nutzung von groben Holz- und Knochensplittern zur Gebissreinigung hin. Damit versuchten sie, die mit einer Zahnfleischentzündung verbundenen Schmerzen zu lindern. Dagegen dürfte selbst Menschen mit Zahnarztangst die sanfte Ultraschallreinigung als angenehmere Option erscheinen.

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