Wie funktioniert eigentlich die Börse?

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Die feinen Kurslinien des Börsenhandels sind Indikator für die Wirtschaft. Doch warum eigentlich?

Sie sind der wichtigste Dreh- und Angelpunkt des Welthandels und ihr Wohlergehen beeinflusst uns alle. Doch die wenigsten wissen, was genau es mit den Börsen auf sich hat.

Wenn der Dow Jones abschmiert, das wissen auch Laien, liegt mit der Weltwirtschaft etwas im Argen. Wenn der Dax schwächelt, weil sich Anleger vor Trump fürchten, hat US-Politik direkte Auswirkungen auf Deutschland. Zugegeben, ein bisschen etwas wissen wir alle über die Börse. Aber so wirklich den Durchblick hat man als Laie, Hand aufs Herz, doch eigentlich nicht, oder? Das will der folgende Artikel ändern und den Welthandel einfach verständlich machen.

Ein einfaches Prinzip, das nur komplex klingt

Nun gibt es auf der Welt eine Menge Börsen. Praktisch jedes Land hat eine, allerdings haben nur einige wenige wirklichen Einfluss auf den ganzen Planeten. Das wäre beispielsweise der NYSE, der New York Stock Exchange oder die Tokioter Börse.

Doch ganz gleich, welche Börse man auch heranzieht, sie alle funktionieren nach einem eigentlich simplen Prinzip, dem des Dorfmarktes, auf dem noch gefeilscht wird. Wenn also nun beispielsweise in Olpe samstags der Wochenmarkt stattfindet, finden sich dort alle Elemente wieder, die auch im börslichen Handel eine Rolle spielen:

  • Der Marktplatz selbst, das ist die Börse
  • Die Betreiber von Ständen sind die börsennotierten Unternehmen bzw. Staaten, die Anleihen verkaufen.
  • Tomaten und Co. sind Aktien bzw. andere Waren, etwa Eisenerz
  • Die Kunden sind die Trader

Das Prinzip ist also ganz einfach: Jemand hat etwas zu verkaufen, ein Kunde sagt ihm persönlich oder über einen Mittelsmann (das wäre der Broker) was er bereit wäre, dafür zu bezahlen. Man feilscht ein wenig, einigt sich und die Ware wechselt den Besitzer – allerdings heute ausschließlich virtuell. Der gesamte Börsenhandel findet heute nur noch digital statt.

Allerdings unterscheidet sich die Börse in einem Punkt signifikant vom Olper Wochenmarkt: An der Börse sind die Rollen nicht so festgelegt. Wer gerade noch Kunde war und Aktien gekauft hat, kann in der nächsten Sekunde schon selbst zum Händler werden und diese weiterverkaufen.

Wetten und spekulieren

Bei Aktien ist die Sachlage noch vergleichsweise einfach, da gibt es eine festgelegte Menge. Nehmen wir den Computerkonzern Microsoft, er hat präzise 7,677 Milliarden einzelne Aktien im Umlauf. Bei solchen Handelsobjekten beschränkt sich das Feilschen auf den Preis.

Weitaus weniger vorhersagbarer wird es jedoch bei Waren statt Aktien. Die kann man zwar auch klassisch handeln, das wären Spotgeschäfte. Bei wichtigen Waren jedoch wird zusätzlich auch regelrecht gezockt. Und zwar in Form von Futures. Nehmen wir dazu Erdöl, das ist ein Paradebeispiel für diese Handelsformen, denn es wird sowohl in Spotgeschäften wie Futures gehandelt.

Da weiß man nie so genau, ob Ölfeld X an Datum Y Menge Z bereitstellen kann und welchen Preis der Barrel dann im Spothandel aufrufen wird. Hier kommen die Futures ins Spiel. Dabei verpflichtet sich der Verkäufer, eine Ware in der Zukunft (daher Future) zu einem festgelegten Termin und Preis an seinen Käufer zu übergeben.

  • Der Verkäufer hofft, dass dann der heute vereinbarte Preis erheblich unter dem zukünftigen Spot-Preis (nicht zu verwechseln mit Spottpreis) liegt.
  • Umgekehrt hofft der Verkäufer, dass der heute vereinbarte Preis erheblich über dem Zukünftigen liegt, damit er mehr bekommt.

Das große Risiko bei dieser Form des Handels besteht natürlich darin, dass dadurch die zukünftige, frei handelbare Menge einer Ware begrenzt ist – ein Teil davon ist ja schon dem Kunden zum Festpreis versprochen. Das kann zu Verknappung und damit Spot-Preisanstiegen führen.

Warum gehen Unternehmen an die Börse?

Nehmen wir an, Hans Müller eröffnet in Drolshagen ein Startup-Unternehmen und entwickelt eine revolutionäre App, die jeder haben möchte. Ganz klassisch ist seine Firma eine GmbH, er und sein bester Freund sind die Besitzer.

Nun muss ein Unternehmen, wenn es an die Börse geht, tiefe Umstrukturierungen in Kauf nehmen. Die wichtigste: Die Aktieninhaber sind künftig die „Besitzer“. Die Hauptversammlung, die sich aus diesen Inhabern zusammensetzt, wählt als Leitung des Unternehmens einen Vorstand – da könnten Hans Müller und sein Freund drinsitzen. Ebenso gut könnte die Hauptversammlung aber auch erfahrenere Köpfe ins Spiel bringen.

Stellt sich die Frage, warum macht ein Unternehmen das? Ganz einfach: Dadurch, dass das Unternehmensvermögen in Form von Aktien verkauft wird, fließt deren Erlös direkt in die Firma, wo es für das Wachstum ausgegeben werden kann. Gleichzeitig kann das Unternehmen später immer wieder neue Aktien streuen, um den Effekt zu wiederholen.

Kurs in Richtung Erfolg

An diesem Punkt kommen wir zurück aufs Börsenparkett, zu Dow Jones und Dax. Diese beiden Indexe listen immer nur eine begrenzte Zahl an besonders großen börsennotierten Unternehmen. Letzten Endes spiegeln sie zusammengerechnet wider, wie viel Anleger bereit waren, für die Aktie der gelisteten Unternehmen zu zahlen.

Nehmen wir an, Hans Müllers Firma hat gerade eine neue Version ihrer App vorgestellt. Dann gehen die Börsianer davon aus, dass das Unternehmen dadurch bald Gewinne machen wird. Die Aktie steigt im Wert, viele wollen sie kaufen, denn wenn sie noch weiter im Wert steigt, kann man sie zukünftig mit Gewinn wieder verkaufen.

Wenn das Prinzip gut funktioniert, ist es einfach nur ein Spiegel dafür, dass es den großen Unternehmen gut geht – und daraus lässt sich viel über den Zustand der Gesamtwirtschaft ableiten, weshalb Dow Jones und Dax auch als Indikatoren so wichtig sind. Die Negativseite ist jedoch ebenfalls vorhanden:

Wenn Blasen entstehen

Hans Müllers Firma ist beliebt bei den Anlegern und die Aktie schießt hoch. Immer mehr Händler wollen ein Stück von dem Kuchen abhaben. Und zwar so sehr, dass sie dafür Schulden anhäufen im festen Glauben, diese später, weil die Aktie ja noch weiter steigt, locker mit Gewinn zurückzahlen zu können.

Irgendwann sind die Aktien unglaublich viel wert. Bis sich herausstellt, dass die App von Hans Müller einen gewaltigen Fehler hat, der dazu führt, dass die Handys, auf denen sie installiert ist, kaputtgehen. Die, die Müller-Aktien besitzen und als erstes von dem Problem hören, wissen, dass das den Aktienwert vergiftet. Sie verkaufen sie also zum jetzigen Preis und haben wahrscheinlich Gewinn gemacht.

Mehr Leute bekommen mit, dass da welche ihre Müller-Aktien abstoßen. Unruhe entsteht, immer mehr Menschen verkaufen. Und als die Nachricht der Handy-kaputtmachenden App in die Presse gelangt, versucht jeder, sein Geld, dass er einst für die Müller-Aktie bezahlt hat, zu retten, indem er verkauft. Diejenigen, die kaufen, sind verständlicherweise nicht mehr bereit, dafür noch gute Preise zu zahlen. Der Aktienwert verfällt zusehends, die Müller-AG verliert rasant an Wert.

Und wenn das nicht nur bei einem Unternehmen passiert, sondern in einer ganzen Branche, dann sorgt dieser Schneeball-Effekt dafür, dass binnen Stunden:

  • Unzählige Unternehmen an Wert verlieren
  • Viele Kredite, mit denen Aktien gekauft wurden, nicht mehr zurückgezahlt werden können
  • Die Banken, die diese Kredite ausgaben, dadurch selbst in Zahlungsnot geraten

Der klassische Blaseneffekt, der zwischen

der niederländischen Tulpenblase

und der Finanzkrise 2008 für sämtliche Crashs und Krisen verantwortlich war. 

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