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Barbarazweige: Blüten statt Baum für Weihnachten

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Barbarazweige fürs Fest
Ungewöhnliche Blüten hat die Zaubernuss. Barbarazweige haben eine lange Tradition und stellen eine Alternative zum Weihnachtsbaum dar. © Caroline Seidel/dpa/dpa-tmn/Archiv

Sie wollen nachhaltiger Weihnachten feiern und auf den Baum verzichten? Eine schöne Alternative dazu sind Barbarazweige von heimischen Bäumen. Diese Tradition ist sogar älter als der Weihnachtsbaum.

Bornhöved/Neustadt - Sie suchen eine Alternative zum Weihnachtsbaum? Eine alte Tradition könnte das richtige sein: Die Barbarazweige. Man muss sie aber schon am 4. Dezember schneiden. Denn 20 Tage später, also rechtzeitig zu Heiligabend, erblühen sie in der Regel - als Symbol für die Geburt Christi.

Klassischerweise nimmt man für den Barbara-Brauch Kirschzweige. Es eignen sich aber auch Zaubernuss, Winterjasmin, Kornelkirsche, Zierkirsche, Japanische Quitte, Goldregen, Ginster, Zierjohannisbeere sowie Schlehe, Zierpflaume, Mandelbaum, Forsythie, Weide und Hasel gut.

Der Tipp von Gärtnerin Svenja Schwedtke: „Kastanienzweige in der Vase sind ein echtes Highlight, aber auch Winterblüher wie Kornelkirsche oder Winterheckenkirsche hab ich sehr, sehr gerne in der Vase.“

Einmal kurz einfrieren

Damit die Zweige erblühen, brauchen sie einen Kälteschock in Form von einigen Malen Frost vor dem Schneiden - so wie sie es im Garten vor dem Frühling noch erleben würden. Das kommt in weiten Teilen Deutschlands allerdings bis Anfang Dezember nicht immer vor. Ein üblicher Rat lautet daher: Die Zweige nach dem Schnitt für eine Nacht in die Gefriertruhe geben, so die Gartenakademie Rheinland-Pfalz.

Aber was wenn man weder den richtig tiefen Frost noch die Gefriertruhe hat? Svenja Schwedtke aus Bornhöved in Schleswig-Holstein hat die Erfahrung gemacht: „Ganz häufig reichen die kühlen Temperaturen, die wir bis Anfang Dezember eigentlich überall haben, aus.“

Selbst, wenn es bis dahin gar keinen echten Frost gegeben hat, „ich würde es immer einfach machen“, so die Gärtnerin. „Auf Nummer sicher geht man mit der Gefriertruhe, aber bevor man sich die Zweige und die Freude daran verkneift, immer ausprobieren!“ Aber sie rät dann eher zu Steinobst-Zweigen wie Kirschen, Pflaumen, Nektarinen, Aprikosen, Pfirsiche statt zu Geschnittenem von Kernobst, da dieses einen stärkeren Kältereiz benötigen.

Zimmerwärme gaukelt den Frühlingsbeginn vor

Nach dem Schnitt - und eben vielleicht noch einem Aufenthalt im künstlichen Frost - kommen die Barbarazweige in der Vase für ein paar Tage in ein kühles, aber frostfreies Zimmer. Der anschließende Umzug in ein warmes Zimmer lässt die Knospen nach und nach erblühen, denn die Wärme gaukelt den Zweigen den Frühlingsbeginn vor.

Schneller erblühen die Zweige aber nicht an der Heizung. Vielmehr vertrocknen sie dort nur. Wenn die Zeit zum Fest zu knapp geworden ist, sollte man daher besser die Zweige nach dem Schnitt für mehrere Stunden in warmes Wasser stellen, so der Rat der Gartenakademie.

Älter als der Weihnachtsbaum

Barbarazweige heißen so im Gedenken an die Heilige Barbara. Hinter dem Brauch steht eine Legende: Die Kaufmannstochter musste ins Gefängnis. Auf dem Weg dorthin verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Kleid, den Barbara in ihrer Zelle ins Wasser stellte. Am Tag ihrer Hinrichtung öffneten sich die Blüten, so die Überlieferung.

Belege für den Brauch, Barbarazweige zu schneiden, gab es bereits im 13. Jahrhundert. Damit ist diese Tradition älter als der Brauch, zu Weihnachten einen Nadelbaum im Haus aufzustellen und zu schmücken. Das ist erst seit rund 400 Jahren üblich. Zunächst wurden neben den Barbarazweigen auch Tannenzweige in den Zimmern als Weihnachtsschmuck verwendet, dann folgte der Baum.

In manchen Regionen gelten die Zweige sogar als Orakel: So soll man in Niederösterreich Zettelchen mit Namen darauf an Kirschzweige hängen. Der Name an dem Zweig, der zuerst erblüht, wird im kommenden Jahr besonders mit Glück rechnen können, so der Brauch. dpa

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