Sicherheit in Eigenregie:

Ein sicheres Heim auch ohne Alarmanlage

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Wer einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt, sollte nie den Helden spielen, dies kann den Einbrecher in Zugzwang bringen und zu unkontrollierbaren Situationen führen.

Angesichts dramatisch gestiegener Einbruchszahlen ist es verständlich, dass Eigenheimbesitzer und Mieter ihre vier Wände sichern möchten.

Ein Haus, das Kriminelle durchwühlten, ist nicht nur wegen der gestohlenen Gegenstände ein Ärgernis, sondern kann es Betroffenen verunmöglichen, sich zuhause wieder sicher zu fühlen. Ein Weg wäre es, das Haus mit einer Alarmanlage zu sichern – jedoch ist dies teuer und zudem für Mieter schlecht realisierbar. Die gute Nachricht: Neben dieser elektronischen Aufrüstung existiert eine Vielzahl von Möglichkeiten, mittels derer das Zuhause sicher gemacht werden kann, ohne dass die Kosten ausufern. Wie so oft ist auch hier nur ein Mindestmaß an handwerklichen Fähigkeiten vonnöten.

Allerdings: Nüchtern betrachtet bietet keine Maßnahme absoluten Schutz. Selbst vergitterte Fenster und gepanzerte Türen lassen sich – genügend Zeit vorausgesetzt – überwinden. Auch teuerste Alarmanlagen können Eindringen nur erschweren und die Zeit verlängern, um Hilfe zu holen oder durch die Dauer den Täter zur Aufgabe bringen. Jedoch: Dies können auch teilweise einfache Dinge wie ein Tisch oder ein Stuhl vor einer Treppe bewirken. Natürlich klingt dies wenig logisch, der Sinn hinter einfachen Hindernissen ist aber, dass ihre Summe das Risiko, entdeckt zu werden, höher steigen lässt, als den Beutewert, den der Einbrecher erhofft. Anders ausgedrückt: Würde man zwischen Hofeinfahrt und Haustür vier Dutzend Drähte in unterschiedlichen Höhen spannen, würde deren eigentlich einfache Überwindung für den Einbrecher so lange dauern, dass sich das Risiko für ihn nicht mehr lohnt. Die Faustregel der Experten lautet: Wenn Einbrecher nicht binnen fünf Minuten in der Wohnung sind, ziehen sie weiter.

Einige Grundlagen:

  • Bei jedem Verlassen des Hauses alle Türen und Fenster verschließen, nicht nur zuziehen.
  • Dauert die Abwesenheit bis in die Dunkelheit, Rollläden unten lassen und TV/Radio einschalten und laut drehen.
  • Auch kleine Hindernisse können abschrecken: Ein Stuhl am Aufgang des Balkons oder eine Flasche hinter der Haustür, die umkippt, sobald die Tür geöffnet wird.
  • Auch wenn Sie zuhause sind, mindestens Türketten vorhängen. Nachts alles abschließen.
  • Hof- und Gartentore immer mit Riegeln sichern.
  • Im Zweifelsfall nachts die Schlafzimmertür abschließen, das verhindert, dass sich jemand unbemerkt hineinschleicht.
  • Bei Kontakt mit Einbrechern nicht den Helden spielen, sondern sofort in ein Zimmer zurückziehen, dies verbarrikadieren und durch Handy und Rufen auf sich aufmerksam machen.
  • Bei längerer Abwesenheit (Urlaub) alle Wertgegenstände in Obhut geben (Nachbarn, Freunde, Familie etc.)
  • In Mehrfamilienhäusern dafür sorgen, dass die Bewohner nicht einfach nur per Summer die Tür öffnen, zumindest in den Abendstunden.

Problem 1: Dunkelheit

Lampen mit Bewegungssensor erleuchten im Idealfall das gesamte Umfeld des Hauses.

Einbrecher schlagen vor allem in der dunklen Jahreszeit zu. Und zwar dann, wenn sie sicher sind, dass niemand zuhause ist –zur abendlichen Rush hour. Die meisten dringen über von der Straße nicht einsehbare Türen und Fenster ins Haus ein, greifen sich Wertegenstände und verschwinden wieder. Das bedeutet, ihnen muss die Deckung genommen werden.

Lösung 1: Licht

Erster Schritt sollte es daher sein, das Umfeld des eigenen Zuhauses auszuleuchten. Das bedeutet nicht nur, dass die Haustür durch einen Bewegungsmelder erhellt wird, sondern im Idealfall das ganze Grundstück, insbesondere Hinter- und Kellertüren und nicht einsehbare Fenster. Leuchten mit Bewegungsmeldern kosten in den meisten Baumärkten nur einen geringen zweistelligen Betrag. Wer etwas mehr ausgibt, bekommt auch schön designte Elemente statt „Baustrahler-Optik“. Mittlerweile existieren auch Exemplare, die bei Auslösung im Haus das Bellen eines Hundes simulieren. Die Installation ist im Grunde genommen nicht schwerer als der Anschluss anderer Leuchten. Wer dies sicher beherrscht, kann Lampen und Kabel in Eigenregie installieren – wer es nicht tut, kann zumindest die Leuchten bereits an der Wand anbringen und den Anschluss den Profis überlassen.

Problem 2: Einsamkeit

dieb fesselt das opfer an den stuhl

Wie bereits erwähnt wollen Einbrecher die Begegnung mit Hausbewohnern vermeiden. Der Trick dabei ist es, sie glauben zu machen, dass sich immer jemand im Haus befindet – auch wenn die Besitzer noch im Stau stecken. Einige Einbrecherbanden observieren ihre Objekte auch einige Tage vor der eigentlichen Tat. Wem beim Nachhause-kommen mehrfach unbekannte Leute oder geparkte Autos vor dem Haus auffallen, sollte nicht zögern, sie freundlich aber direkt anzusprechen.

Lösung 2: Vorspiegelung falscher Tatsachen

Hier sind vor allem Bewohner von Smart-Homes im Vorteil, wie das Portal das-intelligente-zuhause vermeldet: Sie können nicht nur per Fernsteuerung zu unterschiedlichen Zeiten die Steuerung der Innenbeleuchtung, sondern auch der Rollläden übernehmen. Dadurch schalten diese zu unterschiedlichen Zeiten, sodass keine Routine entsteht – allerdings entstehen beim Smart Home auch weitere Sicherheitslücken, etwa durch Hacker. Doch auch wer kein smartes Zuhause hat, kann sich helfen: So existieren Zeitschaltuhren mit Urlaubsmodus, die ebenfalls unregelmäßige Schaltzeiten simulieren. Dazu reicht es schon, in einigen Räumen Lampen zu platzieren. Dazu sollten allerdings auch die Rollläden, zumindest im Parterre, durch Elektromotoren herabgelassen werden – sonst ist der Bluff opffensichtlich. Rollladenmotoren zum Nachrüsten werden einfach auf das Gurtband gesteckt und funktionieren batteriebetrieben und mittels Zeitschaltuhr. Zusätzlich existieren „Fensehsimulatoren“. Diese Lampen bestehen aus mehreren LEDs, die unterschiedliche Farben in wahlloser Reihenfolge aufflackern lassen – von außen wirkt das wie ein laufender Fernseher mit wechselnden Szenen. Zusätzlichen Schutz kann das Anbringen von günstigen Fake-Überwachungskameras bieten, die mit einer batteriebetriebenen LED eine umfassende Überwachung des Außenbereichs vorgaukeln.

Problem 3: Türen und Fenster

Türketten sind eine der günstigsten Schutzmaßnahmen, halten oft aber auch dann noch stand, wenn alle anderen Maßnahmen überwunden wurden.

Waren die bislang genannten Probleme und Lösungen eher allgemeiner Natur, so geht es nun um das Sichern der Einfallspforten: Alle Türen im Außenbereich sowie zugängliche Fenster. Selbst teure Türen und Fenster sind oft binnen weniger Sekunden mit dem Schraubenzieher aufgehebelt und sollten daher generell gesichert werden.

Lösung 3: Handfestes

Die Lösung liegt in der Sicherheitsabteilung vieler Baumärkte: Die Haustür sowie alle anderen nach außen führenden Türen sollten grundsätzlich mit einem hochwertigen Sicherheitszylinder gesichert werden. Die Preise beginnen hierfür im hohen zweistelligen Bereich. Weiteren Schutz bringt ein Panzerriegel: Ein waagerecht hinter der Tür verlaufender Balken, der sich durch ein zusätzliches Schloss ausfahren lässt und so in seitlich des Rahmens verankerte Widerlager eingreift – mehr zur Installation lesen Sie hier. Das macht auch billige Haustüren zur „harten Nuss“. Des Weiteren sollten an allen Fenstern Sicherheitsgriffe installiert werden, die verschließ- oder in anderer Form verriegelbar sind. Sofern sich tagsüber niemand zuhause befindet, können auch Rollläden von straßenabgewandten Türen und Fenstern unten gelassen werden. Zusätzlichen Schutz bieten Gitter, die Baumärkte als Massenware und Schlossereien als Einzelanfertigung anbieten – sehr erfahrene Heimwerk-Profis können sich hier mit stählerner Meterware und einem Schweißgerät auch selbst helfen. Ebenfalls unabdingbar: Türketten. Diese lassen zwar eine direkte Kommunikation zu, verhindern aber auch dann noch ein Öffnen der Tür, wenn alle anderen Verriegelungen bereits überwunden wurden. Sie können auch an gläsernen (Terrassen-) Türen angebracht werden denn sie würden einen Einbrecher zwingen, das Glas zu zerstören und somit Lärm zu erzeugen. Als letztes Mittel können Rollläden auch von Innen durch spezielle Riegel vor Aufschieben gesichert werden.

Tipps für Mieter: 

Grundsätzlich gilt: Alles, was der Mietvertrag nicht ausdrücklich erlaubt, ist zunächst verboten. Ein Gespräch mit dem Hausbesitzer kann jedoch eine Erlaubnis für eine Vielzahl der hier genannten Dinge bringen – und zudem vielleicht sogar Hilfe bei deren Finanzierung.

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