Jugendlicher richtet Internetseite zur Hilfe ein

Erst 13 und schon engagiert gegen Cybermobbing

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Lukas hat eine Website veröffentlicht, auf der Mobbing-Opfer erfahren, wie sie Hilfe erhalten können.

Schwerte - Es fängt ganz harmlos an: Lukas Pohland will einem Mädchen aus seiner Klasse helfen, das von den Klassenkameraden gemobbt wird. Das Mädchen bekommt Nachrichten, wie: Mit welchem Messer sollen wir sie abstechen? Durch seine Hilfe gerät der Schüler selbst in den Mittelpunkt und wird gemobbt.

„Ich habe anonyme Nachrichten bekommen“, erzählt Lukas. Bei seiner Schulleiterin und dem Schulsozialarbeiter stößt er auf wenig Hilfe. Der 13-Jährige fasst einen Entschluss: Er gründet eine Cybermobbing-Hilfe und setzt sich für die Aufklärung an Schulen ein. „Meine Schulleiterin hat keine Zeit für ein Gespräch gehabt“, erzählt der Schüler von seinen Erfahrungen. 

Die Beleidigungen und Beschimpfungen gehen so weit, dass Lukas zur Polizei geht, um Anzeige zu erstatten. Doch auch dort kann man dem Jungen nicht helfen. Die Täter agieren anonym und sind vermutlich erst 14 – und damit nicht strafmündig. Bis heute ist das Verfahren nicht eingestellt worden – gebracht hat es nichts. Der Schulsozialarbeiter versucht ein Gespräch zwischen Lukas und den möglichen Tätern zu vermitteln, doch auch dieses kommt nicht zustande. 

Das Mobbing gegen Lukas endet, als das Mädchen die Schule verlässt. Lukas lässt sich nicht unterkriegen und bleibt. Seit diesem Vorfall setzt sich der 13-Jährige gegen Cybermobbing ein. Zusammen mit der Cyber-Expertin Catarina Katzer verfasst er einen Brief an den Landtag, den die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, beantwortet. Im Oktober sprach er bereits mit der Politikerin. 

„Dabei sollte man sich doch auf die Seite der Opfer stellen.“

Im April darf Lukas zusammen mit Catarina Katzer im Schulausschuss über das Thema Cybermobbing und Vorbeugung an Schulen referieren. „Es muss mehr in der Präventionsarbeit getan werden, mit festen Lerneinheiten und nicht nur einem Projekttag“, meint er. Das Mädchen aus seiner Klasse sei von fast allen Klassenkameraden gemobbt worden. Die, die nicht mitgemobbt haben, haben weggeschaut. „Dabei sollte man sich doch auf die Seite der Opfer stellen.“ 

Genau das tut Lukas: Neben dem Brief hat der Schüler eine Telefon-Hotline eingerichtet – „eine telefonische Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche“. „Leider melden sich viele“, erzählt er. Die Fälle seien unterschiedlich, doch häufig würden die Opfer im Klassenverband gemobbt. Der 13-Jährige rät den Opfern – die anonym bleiben – sich Hilfe zu suchen, mit Eltern, Freunden oder Lehrern zu sprechen. „Vielen hilft es schon, einfach am Telefon darüber zu reden“, berichtet er von seinen Erfahrungen. 

Lukas erhofft sich durch den Besuch im Schulausschuss, dass das Thema Cybermobbing besser an den Schulen thematisiert wird, die Lehrer für dieses Thema sensibilisiert werden, beispielsweise durch Schulungen. Auch der Medienumgang sollte seiner Ansicht nach Thema im Unterricht werden. „Ich hatte das Thema einmal im Sozialwissenschaftskurs. Das war ein Wahlkurs, da waren vielleicht fünf Leute drin“, berichtet der Schüler. Doch Cybermobbing sei nicht nur ein Thema an weiterführenden Schulen. Schon in der Grundschule werde gemobbt, meint er. Die vermeintlichen Täter haben sich bis heute nicht bei Lukas entschuldigt, sonst ist aber alles wieder „ganz normal“ in seiner Klasse und mit seinen Mitschülern. Unter der Hotline 0 23 04/ 3 38 99 15 hilft Lukas dennoch jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr anderen Betroffenen mit seinen Erfahrungen.

Was ist Cybermobbing?

Der Unterschied zwischen Mobbing und Cybermobbing besteht darin, dass Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen von Personen nicht mehr nur mündlich ausgesprochen werden, sondern auch über Kommunikationsmedien, wie Handy, Internetseiten oder E-Mails ausgesprochen werden. Cybermobbing ist nicht zeitlich beschränkt und einer großen Öffentlichkeit zugänglich – also auch für völlig Fremde einsehbar. Endet das „klassische“ Mobbing nach der Schule mit dem Verlassen des Geländes, so ist das Opfer auch Zuhause nicht sicher davor. Was kann man unternehmen?
1. Wer im Internet gemobbt wird, sollte dies schriftlich dokumentieren.
2. An den Netzbetreiber wenden und auf Beleidigungen aufmerksam machen und löschen lassen.
3. Sofern der oder die Täter bekannt, sollte ein persönliches Gespräch gesucht werden.
4. Wenn auch Gespräche nicht helfen, an die Polizei wenden und Anzeige erstatten. 

Für Informationen und Hilfe steht zudem die Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verfügung. 

 

Quelle: wa.de

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