In Beckum

Wie ein Kunstwerk: Deutschlands erstes Wohnhaus aus dem 3D-Drucker steht in NRW

Im westfälischen Beckum ist das erste Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet worden
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Ein Blickfang aus Beton: Das Wohnhaus aus dem 3D-Drucker in Beckum ist bezugsfertig. Dazu gehören draußen zwei Sonnenliegen – natürlich auch aus Beton gedruckt. Die weißen Zelte im Hintergrund gehören nicht zum Ensemble, sie wurden nur für die Eröffnungsfeier aufgestellt.

Deutschlands erstes mit einem 3D-Betondrucker erstellte Wohnhaus ist fertig. Es steht in Beckum und hat die Stadt in der Baubranche weltweit bekannt gemacht.

Beckum – Architekt Waldemar Korte sprach bei der offiziellen Eröffnung des ersten Wohnhauses aus dem 3D-Drucker am Montag von einem „historischen Moment“. Ab August kann das Musterhaus am Sudhofer Weg nahe der B58 besichtigt werden, ehe dann Anfang 2023 Lisa-Maria Hanhues dort einziehen wird. Nicht nur bei der Frau aus Beckum ist die Freude groß.

StadtBeckum
LandkreisWarendorf
Einwohner36.637

Die Begeisterung aller am Pilotprojekt Beteiligten teilte am Montag auch Ina Scharrenbach (CDU). Keine zehn Monate nach dem offiziellen Startschuss der Bau-, oder besser Druckarbeiten kam die NRW-Bauministerin erneut nach Beckum. „Das ist von außen ja schon eine Show“, sagte die Ministerin nach ihrer Ankunft.

Ein Haus wie ein Kunstwerk: Deutschlands erstes Wohnhaus aus dem 3D-Drucker ist bezugsfertig

In der Tat: Der Betonbau wirkt mit seinen Rundungen futuristisch, allein die Optik macht das Bauwerk schon zu etwas Besonderem, einem Kunstwerk. So schwärmte Scharrenbach nicht nur vom „innovativen Bauen mit neuen Techniken“, sondern warb auch für eine „moderne Architektur mit neuen Stilformen“.

Zu den Hinguckern rund ums Haus gehören zwei Sonnenliegen auf der Terrasse. Beide sind komplett aus Beton gedruckt. Man liegt sogar recht bequem, allerdings gibt es eine Einschränkung. Jede Liege wiegt 600 Kilogramm, sie mal eben woanders hinzustellen, weil die Sonne gerade nicht da ist, geht also leider nicht. Auch die beiden großen Blumentöpfe vor der Haustür sind aus Beton gedruckt. Natürlich rund und in Kurven – das kann so ein Betondrucker besser und schneller, als wenn er um die Ecke drucken und neu ansetzen muss.

Wie ein Kunstwerk: Erstes 3D-Druckhaus wird zum Musterhaus

Drinnen geht es rund weiter. Auch im bezugsfertigen Format ist der Kamin im Wohnzimmer das geschwungene Highlight. Es gibt hier aber auch eine schnöde gerade Wand. Dort hängt der Fernseher. „Ich bin extrem positiv überrascht, dass man trotz der Rundungen so viel Platz für Möbel findet“, sagt Lisa-Maria Hanhues. Ihr Bruder Michael ist Geschäftsführender Gesellschafter der Hous3Druck GmbH – die GmbH ist Bauherr des Projekts. Geplant wurde das Gebäude vom Beckumer Architekturbüro Mense-Korte. Geboren wurde die Idee im Mai 2019. Das ist noch nicht allzu lange her. So konnte Beckums Bürgermeister Michael Gerdhenrich mit Fug und Recht behaupten: „Das Haus wurde nicht nur Zug um Zug gedruckt, sondern ist auch zügig entstanden.“

Zurück zu Lisa-Maria Hanhues. Sie präsentiert mit Stolz die moderne Küche, die sie selbst ausgesucht hat und die auch nach der Zeit des Daseins als Musterhaus, im Haus bleiben wird. Die Abzugshaube fährt auf Knopfdruck nach oben. Das 3D-Druckhaus ist ein Smarthome, das im Sommer angenehm kühl bleibt – dank Erdwärmepumpe.

Ein Haus wie ein Kunstwerk: Der Bau in Zahlen

  • Im September 2020 startete der Bau des 3D-Druckhauses. Der Drucker mit Namen „BOD2“ vom dänischen Hersteller Cobod lief zehn Stunden am Tag, der Portaldrucker kam am Ende auf rund 100 Betriebsstunden. Sein Betonspritzkopf zog Innen- als auch Außenwände Schicht für Schicht hoch – mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde.
  • Das zweigeschossige Einfamilienhaus hat eine Wohnfläche von 160 Quadratmetern. Für das Untergeschoss benötigte der Drucker 28 Tage, das Obergeschoss schaffte er in nur acht Tagen. Die Kosten des Pilotprojektes bezifferte Architekt Waldemar Korte auf Anfrage nicht. Nur so viel sagte er: „Würde man das Haus jetzt so bauen, würde es 450 000 Euro kosten.“ Im Rahmen seines Förderprogrammes „Innovatives Bauen“ unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt mit knapp 200.000 Euro.

Ein Haus wie ein Kunstwerk: 3D-Druckhaus aus Beton mit vielen kleinen Details

Hanhues zeigt das Gästezimmer im Obergeschoss, das bereits fertig möbliert ist. Kann man hier Bilder aufhängen? Klar, sagt die künftige Hausbewohnerin. Mit Bohrer und Dübel geht selbst im Betonhaus alles. Logischerweise ist Grau hier die vorherrschende Farbe, daran muss man sich gewöhnen. Ob man sich am Beton sattsehen kann? Abwarten. Überall gibt es moderne Technik, sogar die Klobrille im Badezimmer öffnet sich wie von Geisterhand. Hier fehlt allerdings noch ein Sichtschutz vor dem bodentiefen Wärmedämmfenster, denn derzeit kann man vom stillen Örtchen aus sehr gut rausgucken (auf eine Wiese, auf der weitere 3D-Druckhäuser entstehen sollen), aber eben auch hineinschauen.

Erstes Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet

Im westfälischen Beckum ist das erste Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet worden
Im westfälischen Beckum ist das erste Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet worden
Im westfälischen Beckum ist das erste Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet worden
Im westfälischen Beckum ist das erste Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet worden
Erstes Wohnhaus in Deutschland aus dem 3D-Drucker offiziell eröffnet

Ein Haus wie ein Kunstwerk: 3D-Druckhaus aus Beton mit viel Technologie

Gute Geschäfte versprechen sich die Verantwortlichen. „Gemeinsam mit unserem Technologiepartner Cobod hat das Peri-Team gezeigt, dass die 3D-Betondruck-Technologie marktreif ist. Das Projekt in Beckum ist ein Meilenstein, der in der Branche vieles in Bewegung gebracht hat“, sagte Thomas Imbacher, Vorstand Innovation & Marketing der Peri-Gruppe, die den 3D-Druck umgesetzt hat. Architekt und Miteigentümer Waldemar Korte gab sich überzeugt: „Das Bauen und Planen, wie wir es seit Jahrhunderten kennen, wird sich in vielen Bereichen grundlegend ändern. Wir sind dankbar, mit unserem gedruckten Haus einen entscheidenden Beitrag hierzu geleistet zu haben.“

Von dem Pilothaus in Beckum werden Ergebnisse und Erfahrungen erwartet, die beispielgebend für die gesamte Baubranche sein dürften. Im NRW-Landeshaushalt stehen in diesem Jahr 2,5 Millionen Euro für innovative Projekte bereit. Das Motto ist klar: „Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.“

Auch in anderen Städten von NRW wird fleißig gebaut. Ein Zimmermeister errichtete erst kürzlich ein Holzhaus in schwierigen Zeiten.

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