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3G in der Bahn: Ungeimpfte bald unter Druck? - Experte aus NRW fassungslos

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Von: Erik Hlacer

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Die 3G-Regel für Bahnfahrten wird aktuell heiß diskutiert. Sie hat viele Befürworter, wodurch der Druck auf Ungeimpfte steigt. Ein Experte aus NRW ist fassungslos.

Hamm - In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt in Nordrhein-Westfalen aktuell bereits die sogenannte 3G-Regel. Das bedeutet, dass Geimpften, Genesenen und Getesteten in bestimmten Bereichen Vorzüge gewährt werden - etwa beim Restaurant-Besuch, der anderenfalls nicht möglich ist. Kommt nun auch die 3G-Regel in der Bahn? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bereits für die strenge Corona-Maßnahme stark gemacht. Ein NRW-Bahnexperte ist jedoch strikt dagegen. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Minister-PräsidentArmin Laschet (CDU)

3G in der Bahn: Corona-Regel naht und erhöht Druck auf Ungeimpfte - NRW-Experte fassungslos

Erst vor wenigen Tagen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal ihr Interesse untermauert, die 3G-Regel ausweiten und auch in den Bahnbetrieb integrieren zu wollen. Es sei eine „mögliche und sinnvolle Maßnahme“, weshalb die Bundesregierung die Option einer 3G-Regel in Zügen in den kommenden Wochen genau beobachten will. Unter Umständen könnten dann in NRW und ganz Deutschland Ungeimpfte nicht mehr ohne negativen Corona-Test Bahn fahren.

Für Detlef Neuß, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, ist die 3G-Regel in der Bahn weder zu befürworten noch zu verantworten. „Das ist eine weltfremde Idee, weil eine wirkliche Kontrolle der Einhaltung dieser Maßnahme überhaupt nicht möglich wäre“, sagte der NRW-Experte verärgert gegenüber dem WDR.

Er ist jedoch nicht der einzige aus der Bahn-Branche, dem diese Idee widerstrebt. Steffen Högemann von der Nordwestbahn (unter anderem mit Verkehrsverbunden in NRW) kann sich zum Beispiel nicht vorstellen, dass die 3G-Regel in Zügen funktionieren würde. Denn einerseits fehle das Personal und andererseits sei diese Maßnahme technisch nicht umsetzbar. Eine offizielle Stellungnahme der Deutschen Bahn zur sich anbahnenden 3G-Regel in Zügen gibt es nicht.

3G in der Bahn: Corona-Regel laut Regierung möglich - EVG glaubt nicht an einfache Kontrolle

Das Argument der 3G-Kritiker, eine Umsetzung sei nicht möglich, wirkt auf den ersten Blick sehr stark. Aber es gibt auch andere Meinungen. So betont Regierungssprecher Steffen Seibert, dass es in Frankreich seit Anfang August die 3G-Regel im Fern-Bahnverkehr gebe und Italien die Maßnahme ab September einsetze. Dort sei die Corona-Regel ja schließlich auch nicht „unmöglich oder unkontrollierbar“.

Doch es sind andere, die einen Entschluss hin zu 3G in der Bahn schließlich ausbaden müssten - nämlich die Bahn-Mitarbeiter und Kontrolleure. Und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist ebenfalls dagegen. Eine 3G-Kontrolle würde die wegen der Maskenpflicht ohnehin schon angespannte Situation weiter verschärfen und sei deshalb nicht tragbar. Die Einhaltung bestimmter Corona-Regeln sei demnach schwer bis kaum zu kontrollieren.

Die andere große Gewerkschaft GDL hat sich zur 3G-Regel in den Zügen bislang nicht geäußert. Gut möglich aber, dass sich Deutsche Bahn und GDL, deren Tarifstreit aktuell erneut einen Bahnstreik hervorgebracht hat, in diesem Punkt ausnahmsweise einig sind.

3G in der Bahn: Angela Merkel und Mehrheit der Bevölkerung für Corona-Regel bei Fernzügen

Uneinig dagegen ist man sich in der Politik. Während Kanzlerin Merkel für die Einführung der 3G-Regel in der Bahn plädiert, verweisen die Ministerien darauf, dass die längst bestehende Maskenpflicht ausreichend sei. Weder Personal noch Passagiere seien in den Zügen einem besonderen Corona-Infektionsrisiko ausgesetzt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich bei Bild TV mit prägnanten Worten skeptisch gegenüber der Maßnahme gezeigt: „Ich sehe es nicht kommen.“

Während die Meinungen unter den Politikern auseinandergehen, gibt es in der Bevölkerung ein klares Stimmungsbild. Wie das Handelsblatt berichtet, fänden es fast zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) richtig, wenn nur noch Corona-Geimpfte, -Genesene oder -Getestete (3G) Fernzüge nutzen dürfen. Solche Umfragen gepaart mit der Intention von Bundeskanzlerin Merkel, in Zügen auf die 3G-Regel setzen zu wollen, könnten Ungeimpfte in diesen Tagen ins Schwitzen bringen. Zwar könnten Ungeimpfte nach Umsetzung der Maßnahme noch mithilfe eines Corona-Tests in die Bahn steigen, allerdings sind Corona-Schnelltests ab Oktober nicht mehr kostenlos, in NRW werden sie bereits fleißig abgebaut.

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