Zwei Monate vor der Bundestagswahl

Dortmund: Nazi-Affäre um AfD-Mann - belastende Chat-Verläufe überschatten Wahlkampf

AfD-Fraktion
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Zwei Monate vor der Bundestagswahl bahnt sich bei der AfD ein Eklat an. Einem Bundestagskandidaten aus Dortmund werden Chats mit Nazi-Inhalten vorgeworfen.

Dortmund – Die AfD in Nordrhein-Westfalen* hat einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Der Grund: Bei einer Telefonschalte des AfD-Landesvorstands wurde bekannt, dass der Vize-Chef der AfD, Matthias Helferich, in einem privaten Chat Nazi-Aussagen gemacht haben soll. Der WDR berichtete zuerst. Jetzt wird der Fall untersucht, wie RUHR24* berichtet.

ParteiAfD
LandesverbandNRW
LandesvorsitzenderRüdiger Lucassen

Nazi-Eklat um AfD-Mann aus Dortmund: Chat-Verläufe mit umstrittenen Aussagen aufgetaucht

Laut WDR-Bericht erklärte der NRW-Landeschef Rüdiger Lucassen (AfD) seinen Kollegen, dass ihm Chat-Verläufe zwischen Matthias Helferich und einem Parteifreund vorliegen würden. “Anonym habe ich ein Schriftstück bekommen, in dem, sag ich mal, fünf, sechs, sieben Sachverhalte sind, Themen, die indirekt oder direkt den Nationalsozialismus beinhalten, beschrieben sind.“

Mehr wollte Lucassen den Landeskollegen über seinen Vertrauten offenbar nicht verraten. Der WDR veröffentlichte jedoch einige Aussagen des AfD-Landesvizen im Wortlaut.

So soll Helferich in den Jahren 2016 und 2017 in Facebook-Chats unter anderem unter einem Bild von sich mit einem AfD-Flyer vor einer Kirche geschrieben haben: „das freundliche gesicht des ns“. (NS steht für Nationalsozialismus). Den Beitrag soll der AfD-Politiker im Mai dieses Jahres wieder gelöscht haben (weitere News aus Dortmund* auf RUHR24 lesen).

Matthias Helferich (AfD): NRW-Vizechef aus Dortmund wollte wie Nazi-Richter agieren

Weiter soll Helferich seinem Chatpartner ein Video geschickt haben, das den Richter Roland Freisler zeigt. Freisler verantwortete zwischen 1933 und 1945 als Nazi-Richter tausende Todesurteile. Unter ihnen waren auch Widerstandskämpfer wie Hans und Sophie Scholl. Der AfD-Mann aus NRW soll zu dem Video folgendes geschrieben haben: „ich wollte den ‚demokratischen Freisler‘ beim landeskongress geben“.

Ein anderes Bild aus dem Chat-Verlauf soll außerdem eine Vase mit einer Kornblume zeigen, die das „geheime Symbol der Nationalsozialisten während des Verbots in Österreich“ gewesen sein soll, wie Helferich selbst schreibt.

Nazi-Vorwürfe gegen AfD-Bundestagskandidat Helferich aus Dortmund: Partei äußert sich

Matthias Helferich ist AfD-Landesvize in NRW. Im Mai war der gebürtige Dortmunder auf den aussichtsreichen siebten Platz der Kandidatenliste für die Bundestagswahl am 26. September 2021 gewählt worden. Dem Weg nach Berlin standen alle Türen offen. Nun belasten Helferich die umstrittenen Aussagen und setzen auch seine Partei zwei Monate vor der Bundestagswahl 2021* unter Druck.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte ein Sprecher der AfD am Donnerstag (8. Juli), dass der Partei-Bundesvorstand sich nun mit den Nazi-Vorwürfen gegen ihren Bundestagskandidaten aus NRW befassen wolle.

Video: AfD zieht mit Spitzenduo Weidel-Chrupalla in den Wahlkampf

Trotz einer einberufenen Telefonkonferenz am Montag (12. Juli) lassen die Ergebnisse allerdings auf sich warten. Laut dpa-Informationen habe der AfD-Bundesvorstand seine Entscheidung zum Umgang den Aussagen von Matthias Helferich vertagt. Zwar seien die Nazi-Chats Thema in der Schalte gewesen – wie es aus Parteikreisen hieß – es sei aber vereinbart worden, Helferich und den NRW-Landesvorstand Rüdiger Lucassen in der nächsten Präsenzsitzung des Bundesvorstandes am Freitag (16. Juli) in Berlin erst noch persönlich zu befragen.

AfD-Mann Helferich aus Dormtund betont ablehnende Haltung zu „Neonazi-Parteien“

Fragen des WDR zu der Nazi-Affäre um seinen Vertrauten wollte Lucassen nicht beantworten. Helferich selbst bestritt gegenüber dem Sender zwar nicht, dass die Aussagen in dem Chat von ihm stammen, bestätigen wollte der AfD-Mann aus Dortmund* das aber auch nicht. Stattdessen betonte er eine ablehnende Haltung zu „Neonazi-Parteien“. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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