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„Aktenzeichen XY “: Vater der vermissten Scarlett bewegt Millionen TV-Zuschauer

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Von: Simon Stock

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Hoffnung im zwei Jahre alten Vermisstenfall Scarlett S. aus NRW: Nach Ausstrahlung der ZDF-Sondersendung „Aktenzeichen XY ... vermisst“ gingen 141 Hinweise ein.

[Update] Bad Lippspringe - Nach fast zwei Jahren gibt es neue Hoffnung im Fall Scarlett S. aus Bad Lippspringe (NRW). Nach Ausstrahlung der Sondersendung „Aktenzeichen XY ... vermisst“ am Mittwochabend (29. Juni) im ZDF gingen mittlerweile (Stand: 8. Juli) mehr als 140 Hinweise zu der Vermissten ein, die vor fast zwei Jahren im Wanderurlaub im südlichen Schwarzwald spurlos verschwand.

SendungAktenzeichen XY
Erstausstrahlung20. Oktober 1967 auf ZDF
ModeratorRudi Cerne

„Aktenzeichen XY ... vermisst“ (ZDF): 140 neue Hinweise im Fall Scarlett S. aus NRW

„Die überwiegende Anzahl der Hinweise bezieht sich auf eine Sichtung der Vermissten in der Umgebung von Wehr/Todtmoos“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ob sich aus den Meldungen neue Erkenntnisse ergeben, könne nach wie vor noch nicht gesagt werden. Die Auswertung werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Vermisste aus Bad Lippspringe
Scarlett S. aus Bad Lippspringe wird seit September 2020 vermisst. Dieses Bild entstand einen Tag vor ihrem Verschwinden im Schwarzwald. © Polizei Baden-Württemberg

Der Familie der damals 26-Jährigen geben die vielen neuen Hinweise Hoffnung. Wie einschneidend und schrecklich der 10. September 2020, der Tag von Scarletts Verschwinden, und die darauffolgenden Tage, Wochen und Monate waren, lässt sich nur erahnen.

Der Beitrag in „Aktenzeichen XY“ (ZDF) endet mit einer Szene, wie Vater Ralf das Auto seiner Tochter putzt. „Hier sind noch ihre Utensilien drin. Ich pflege es für sie. Wenn sie wiederkommt, wird sie ein Auto brauchen. Wir vermissen sie und wir hoffen, dass sie wiederkommt“, sagt er. Bei den letzten Silben wird seine Stimme brüchig. Ihm kommen Tränen. Im TV-Studio nutzt er danach die Gegenwartsform, wenn er Moderator Rudi Cerne von Scarlett erzählt. Zum Schluss sagt er: „Die Nächte sind kurz. Man denkt jedesmal: Sieht dein Kind die Sterne, die du jetzt siehst?“ (Die Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar).

„Aktenzeichen XY ... vermisst“ (ZDF): Scarletts Vater bei Rudi Cerne im Studio

Am Abend des 9. September 2020, einem Mittwoch, schrieb Scarlett ihrer Mutter eine Handy-Nachricht: „Laufe morgen die letzte Etappe. Wetter ist top. Überlege schon noch eine Wanderung zu machen.“ Dazu zwei Smileys. Auf die Frage der Mutter, wann sie nach Hause kommt, antwortet sie: Sonntag.

Am Vormittag des 10. September kauft sie um 10.14 Uhr in einem Edeka-Markt in Todtmoos ein. Hier macht eine Überwachungskamera die bislang letzten Bilder von Scarlett. (Diese und weitere Bilder von Scarlett S. sind auf dem Fahndungsportal von Baden-Württemberg zu finden). Danach spricht sie noch mit einem Freund. Es war das letzte Lebenszeichen. Am Abend war ihr Handy zuletzt bei Todtmoos eingeloggt. Als Scarlett nicht - wie verabredet - bei ihrer Freundin Vanessa auftauchte, wurde sie als vermisst gemeldet.

Scarlett schlug an diesem Tag laut Polizei den Weg in Richtung Einstieg zum Schluchtensteig ein. Die Spur endet an einem Wanderparkplatz. Es folgt eine großangelegte Suche entlang des zerklüfteten und steilen Wegs von Todtmoos nach Wehra. Polizei, Bergwacht und Feuerwehr mit Hundestaffeln, Hubschrauber und Drohnen werden eingesetzt. Vergeblich. Daniel Friedrich von der Feuerwehr Todtmoos (Kreis Waldshut) beschreibt es so: „Wenn an solchen Stellen eine Person stützt und abrutscht, hinter Felsen oder Bäumen liegt, dann ist das für uns vom Weg aus schwer zu sehen.“

„Aktenzeichen XY ... vermisst“ (ZDF): Unfall oder Verbrechen?

Wo ist Scarlett S.? War es ein Wanderunfall? Ein Verbrechen? Bis heute bewegt der Fall die Menschen. 300 Zeugenhinweise haben die Ermittler bislang ausgewertet. Nach dem Beitrag in der Sondersendung „Aktenzeichen XY“ ... vermisst“ kommen 70 hinzu. Die Familie und private Helfer suchen bis heute nach Scarlett - im Südschwarzwald oder über soziale Medien.

Die Staatsanwaltschaft führt ein Todesermittlungsverfahren. Doch eine Sprecherin betonte: „Im Fall Scarlett ist nach wie vor völlig unklar, was mit ihr geschehen ist.“ Die Familie hat eine Belohnung in Höhe von 12.000 Euro für Hinweise zum Aufenthalt ausgesetzt. Sie braucht Gewissheit.

2016 und 2019 wurden in Hagen die Knochen eines Vermissten aus Menden (NRW) gefunden. „Aktenzeichen XY“ nahm sich des Falls an. Die Polizei sucht aktuell nach einer 13-Jährigen aus Lüdenscheid. Sie wird bereits seit mehr als zwei Wochen vermisst.

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