Vier Frauen kollabieren / Kein flüchtiger Täter

Fehl-Alarm am Berufskolleg in Menden nicht absichtlich ausgelöst

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Symbolbild

[Update 18.30 Uhr] Menden - Der Amok-Alarm am Hönne-Berufskolleg in Menden ist aufgehoben worden. Wie die Bezirksregierung Arnsberg twitterte und dann die Polizei Dortmund bestätigte, handelte es sich um einen Fehlalarm. Ermittlungen ergaben, dass der "Amok-Alarm" durch eine fehlerhafte, nicht absichtliche Bedienung des Alarmsystems ausgelöst wurde.

Die Polizei Dortmund schrieb in einer Pressemitteilung am Mittwochmittag: "Gegen 11.09 Uhr erreichte die Polizei die Alarmauslösung aus der Berufsschule in Menden. Zunächst muss immer von der Ernsthaftigkeit dieses Alarms ausgegangen werden. Daher übernahm bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Polizei Dortmund die Einsatzführung.

Mit starken Einsatzkräften der Polizei des Märkischen Kreises und der Dortmunder Polizei werden Räumlichkeiten des Berufskollegs durchsucht und mögliche Zeugen befragt. Die Maßnahmen dauern derzeit noch an. Nach jetzt vorliegenden Erkenntnissen handelt es sich voraussichtlich um einen Fehlalarm."

Spezialeinsatzkräfte waren schnell in Menden vor Ort und durchsuchten das Gebäude des Berufskollegs.

Um 13.42 Uhr kam dann von der Polizei Dortmund diese Ergänzung via Twitter:

Zuvor hatte ausschließlich die Bezirksregierung Arnsberg - offenbar auch zur Überraschung der weit mehr als 100 Polizeibeamten vor Ort - auf ihrem Twitter-Kanal Meldungen zum Geschehen in Menden gepostet:

Besonders perfide und geschmacklos: Unserer Online-Redaktion wurden von vermeintlich gut informierten Personen etwa 30 bis 45 Minuten nach Beginn des Einsatzes Gerüchte über Schüsse, einen angeblich flüchtigen Täter und dann sogar über mehrere Todesopfer zugetragen. 

Während des laufenden Einsatzes wurden diese Spekulationen bewusst nicht veröffentlicht. Am Ende erwiesen sie sich allesamt als falsch - zum Glück! Auch die Polizei vor Ort kritisierte die voreilige Panikmache über das Internet.

"Die ersten Kräfte sind bei ihrem Eintreffen vor Ort informiert worden, dass ein junger Mann in eiligem Tempo das Gelände verlassen hat", sagt Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis. 

Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen hat es sich um einen Schüler gehandelt, der aufgrund der Alarmauslösung geflüchtet ist.

Sicherheitskonzept der Schule hat gegriffen

Schnell stand fest, dass der Amok-Alarm aus der Schule heraus ausgelöst worden war. Das bestätigte Boronowski. 

Andere Quellen sprachen von einem Anruf bei der Polizei: Den hat es laut Polizeihauptkommissar Boronowski aber definitiv nicht gegeben.

Nach der Alarmierung griff direkt das Sicherheitskonzept der Schule, das vorsieht, dass alle Schülerinnen und Schüler im Gebäude bleiben und möglichst Ruhe bewahren sollen. Alle Beteiligten hätten sich vorbildlich verhalten.

Im Mendener Rathaus war rasch ein Krisenstab unter der Leitung von Bürgermeister Martin Wächter zusammengekommen.

Klassenweise wurden die Schülerinnen und Schüler in die Kreissporthalle des Märkischen Kreises geführt, die auf dem Gelände des Berufskollegs liegt. Hier sollten die Klassen auf ihre Vollständigkeit hin überprüft und dann in die Klassenräume zurückkehren können. 

Aufgrund der schweren Belastung durch den Alarm, kollabierten zwei Schülerinnen (16 und 18 Jahre alt), eine schwangere Frau (20 Jahre alt) und eine 50-jährige Frau aus dem näheren Umfeld. Alle Personen wurden dem Rettungsdienst übergeben.

Zuletzt wurden auch die Kinder eines benachbarten Kindergartens in die Obhut ihrer Eltern entlassen.

Emotionale Nachrichten in sozialen Netzwerken

Erste Schülerinnen und Schüler waren gegen 12 Uhr durch SEK-Beamte in Richtung "Burger King"-Filiale evakuiert worden. An anderen Schulen in der Nachbarschaft durften Schüler die Gebäude nicht verlassen.

Betroffene Schülerinnen und Schüler standen über Telefon und soziale Netzwerke aus den Klassenräumen heraus mit Familie und Freunden in Kontakt, posteten emotional auf Facebook-Seiten ("Es ist gruselig hier... Überall Polizisten, Hubschrauber. Seit Knapp einer Stunde schon.") oder und verschickten Nachrichten per WhatsApp. Zwei junge Frau sollen Kreislauf-Zusammenbrüche erlitten haben.

Die konkrete Lage war lange Zeit unklar. Es gab - wie gesagt - rasch im Internet Gerüchte über einen bewaffneten Täter, aber keinerlei bestätigte Meldungen über Verletzte. Die Bezirksregierung Arnsberg sprach auf Twitter zunächst offiziell von einem Amok-Verdacht:

Viele Menschen sprachen den eingeschlossenen Schülerinnen und Schülern ihr Mitgefühl aus: "Wir beten für Euch alle!" - "Hoffentlich geht alles gut!"

Eine Betroffene berichtete unserer Redaktion über Facebook, dass Einsatzkräfte der Polizei im Gebäude seien, an Klassenräume geklopft und davor gewarnt hätten, die Räume zu verlassen. Andere Schüler berichteten von eingetretenen Türen.

Auch an anderen Schulen unweit des Hönne-Berufskollegs durften Schülerinnen und Schüler die Gebäude nicht verlassen. An einem benachbarten Kindergarten blieben ebenfalls alle Personen im Gebäude.

Die Pressestelle der Polizei wollte oder konnte auf einer erste Rückfrage hin gegen 11.25 Uhr keinerlei Einzelheiten nennen - auch nicht dazu, wie die Alarmierung der Einsatzkräfte überhaupt konkret zustande gekommen war. Im Mendener Stadtgebiet war Sirenenalarm ausgelöst worden.

Der Bereich rund um die Schule war zügig weiträumig abgesperrt worden. Spezialeinsatzkräfte waren binnen kürzester Zeit vor Ort. Rettungskräfte aus dem gesamten Kreisgebiet waren ebenfalls nach Menden alarmiert worden. Insgesamt waren wohl weit mehr als 100 Polizeibeamte vor Ort, die das Gebäude durchsuchten und Absperrungen errichteten. Hier versammelten sich zahlreiche Schaulustige.

Am Berufskolleg in Menden unterrichten mehr als 100 Lehrkräfte insgesamt rund 2200 Schülerinnen und Schüler (Berufliches Gymnasium, Höheren Berufsfachschule, Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule).

Quelle: wa.de

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