CDU-Chef in der Kritik

Armin Laschet besucht Katastrophengebiete - und wird heftig angefeindet

Armin Laschet stattete von der Flut-Katastrophe betroffenen Orten einen Besuch ab. Doch anstatt Sympathie schlug dem CDU-Kanzlerkandidaten Wut und Empörung entgegen. Hat das Auswirkungen auf den Wahlkampf?

Swisttal/Schleiden/Düsseldorf - Was eigentlich ein Befreiungsschlag werden sollte, endete für Armin Laschet als Fiasko: Beim Besuch des CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten im Hochwassergebiet von Swisttal am Montag wehte ihm ein scharfer Wind entgegen. Knapp drei Wochen nach der Flut-Katastrophe in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Dutzenden Todesopfern und Milliardenschäden sind viele Betroffene mit ihren Nerven und ihrer Geduld am Ende, fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen - auch von der Landesregierung - und machen ihrem Zorn unverblümt Luft.

NameArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961, Aachen
Größe1,72 Meter
EhepartnerinSusanne Laschet

Armin Laschet (CDU) besucht Flut-Gebiet - Anwohner üben harte Kritik

„Versprechen gelten hier nichts, Herr Laschet“, antwortete ein Mann auf Laschets Erklärungen und Hilfsankündigungen ab - und erntete dafür Applaus der umstehenden Bürger. In Swisttal habe es keine Alarmierungen vor dem verheerenden Unwetter gegeben. „Unsere Verwaltung ist ein riesengroßer Versager“, schimpfte Paul Greve, der noch in seiner blauen Latzhose im Einsatz ist. „Sie werden es bei der Wahl merken - und Sie leider auch“, sagte er mit Fingerzeig auf den CDU-Chef.

Keine guten Signale an den Kanzlerkandidaten der Union, der knapp acht Wochen vor der Bundestagswahl am 26. September ohnehin gerade einen schweren Stand hat: sinkende Umfragewerte, unverhohlene - wenngleich stets allgemein verpackte - Kritik von CSU-Chef Markus Söder am Wahlkampfstil und die jüngste Mini-Plagiatsaffäre um eine Textähnlichkeit in einem seiner Bücher.

Und dann gab es ja noch die Bilder vom lachenden Armin Laschet, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Mitte Juli seine Trauer um die Hochwasseropfer ausgedrückt hatte. „Lachen Sie doch noch mal“, rief eine aufgebrachte Frau dem NRW-Ministerpräsidenten in Swisttal sarkastisch zu.

Besuch im Flut-Gebiet: Armin Laschet (CDU) verspricht Hilfe beim Wiederaufbau

Dort bleibt erhoffte Befreiungsschlag aus: Das übliche Bad in der Menge wird an manchen Schauplätzen der Flut-Katastrophe eher zum Kessel. Niklas Hart, ein 20 Jahre alter Anwohner, sagte über Laschets Auftritt: „Er guckt sich die Sachen an. Aber er könnte auch in seinem Büro einfach direkt sitzen und die Container hierhin bestellen. Dafür muss er doch nicht hier sein. Das ist einfach ein Wahlkampfauftritt. Während des Hochwassers hat gar nichts geklappt.“ In der Nacht des Unwetters habe er selbst zu seiner Oma schwimmen müssen. Er wisse, dass es jetzt seine Aufgabe sei, auch Container schnell und unbürokratisch zu besorgen, versicherte Armin Laschet im Disput mit Anwohnern. „Das hat mit Wahlkampf 0,0 zu tun.“

Weniger als 20 Prozent der Deutschen trauen dem 60-jährigen CDU-Chef laut einer jüngst veröffentlichten Umfrage zu, die richtigen Lehren aus der Flut-Katastrophe zu ziehen. Jetzt ist er in schwerer Beweisnot, dass er es doch kann - immerhin ist er als Regierungschef des bevölkerungsreichsten Bundeslands in direkter Verantwortung. Immer wieder versicherte Armin Laschet, dass er gekommen sei, um sich vor Ort ein Bild zu machen und dass er sich sowohl um Soforthilfe als auch gemeinsam mit dem Bund um den Wiederaufbau der zerstörten Hochwasser-Gebiete kümmern werde.

Viele Anwohner im von dieser Zerstörung gezeichneten Swisttal schildern eindrücklich, dass es in ihrem Ort in der Nacht des Unwetters keine Vorwarnung und keine Hilfe von den Behörden gegeben habe. „Wenn wir nicht Freunde bei der Feuerwehr in Rheinbach gehabt hätten, wären meine Eltern jetzt tot. Dat sag‘ ich Ihnen!“, rief ein Mann dem Ministerpräsidenten zu. „Die haben wir nachts um zwei Uhr aus dem Bett geklingelt. Da war nichts - keine Alarmierung!“

Armin Laschet (CDU): Schlechte Umfragen vor der Bundestagswahl

Vor einem zerstörten Kindergarten, einer unbrauchbaren gewordenen Schule, unterspülten Firmengebäuden und stinkenden Müllbergen hörte Laschet den Anwohnern zu, wirkte bedrückt, kratzte sich immer wieder mal am Ohr. Er will aber auch nicht Prellbock sein für alles, was rund um die Flut-Katastrophe schiefgelaufen ist: „Ich weiß gar nicht, warum sie so polemisch sind“, antwortete er einem kritischen Anwohner. Die Warnsirenen seien in NRW nicht in seiner Amtszeit abgeschafft worden.

Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers käme der CDU-Vorsitzende aktuell nur auf 13 Prozent, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild am Sonntag“ ergab - und läge damit gleichauf mit der Kandidatin der Grünen, Annalena Baerbock. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz legte hingegen um einen Punkt auf 22 Prozent zu. Bereits in zwei anderen Umfragen zuvor hatte der Finanzminister vor Armin Laschet gelegen.

Der NRW-Ministerpräsident erhielt am Wochenende von Markus Söder erneut Ratschläge für einen zugkräftigeren Wahlkampf. Wie im Fußball empfehle es sich, „einfach auch noch mal selbst zu stürmen und ein bisschen offensiv zu werden“, hatte Söder am Sonntag im ZDF-Sommerinterview gesagt. „Das muss jetzt kommen.“ Seine eigene Rolle im Wahlkampf beschrieb der CSU-Chef als „Antreiber“. Dabei dürfte Armin Laschet noch das viel beachtete Zitat seines ehemaligen Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur der Union in den Ohren klingeln: „Es ist ganz wichtig, dass wir in den nächsten Wochen dokumentieren, dass es nicht nur darum geht, sich mit Schlafwagen ins Kanzleramt zu fahren, auf langsame Geschwindigkeit.“

Armin Laschet will Wiederaufbaufonds für Flut-Opfer - Beschluss im August?

In der Eifel-Gemeinde Schleiden kündigte Laschet am Montag einige konkrete Initiativen für die Flut-Opfer an: Für eine Sonderregelung im Insolvenzrecht wolle er sich einsetzen - ebenso für einen per Bundesgesetz verankerten Wiederaufbaufonds, „damit das Geld verlässlich ankommt“. Wenn die Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August einen entsprechenden Beschluss fasse und alle mitzögen, könne das Gesetz innerhalb von fünf Wochen beschlossen sein.

Ob das die Initiative ist, die Söder meint, wird sicher bald aus Bayern zu vernehmen sein. Die Jugend zumindest hat Armin Laschet offensichtlich noch nicht vollständig überzeugt. In Swisttal schlichen sich zwei Jungen von hinten an ihn heran und machten Selfies mit dem CDU-Kanzlerkandidaten im Hintergrund. Laden sie das bei Instagram hoch? Die prompte Antwort: „Auf keinen Fall. Das ist peinlich!“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Ralf Sondermann/dpa

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