Nach dem Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer

Kanzlerkandidat Armin Laschet? Was für und was gegen ihn spricht

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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstag vor der Sitzung der CDU-Fraktion im Landtag.

Bislang konnte Armin Laschet die Frage nach seinen Ambitionen auf die Kanzlerschaft weglächeln. "Die Frage stellt sich nicht", lautete die Standardantwort des NRW-Ministerpräsidenten. Doch nach dem überraschenden Aus für AKK muss Laschet sich nun entscheiden.

  • Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und gibt den CDU-Vorsitz ab.
  • Seit dieser Ankündigung ist die Frage entbrannt, wer der beste Bewerber der Christdemokraten ist.
  • Immer wieder wird auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als möglicher Kandidat genannt.

Düsseldorf – Das kann Laschet: Werbung in eigener Sache machen. 

Wenn der stellvertretende Bundesvorsitzende mahnt, dass der Kurs der Union der Kurs der Mitte bleiben muss. Wenn er fordert, dass die gesamte programmatische Breite der Partei zusammengehalten werden muss. Und wenn er die CDU als Anker für eine weltoffene Haltung und die europäische Orientierung Deutschlands preist. 

Dann ist die Botschaft an die Parteifreunde am Tag des angekündigten Rückzugs von Annegret Kramp-Karrenbauer eindeutig: Ich bin euer Mann.

Kanzlerkandidat Armin Laschet: Auf Merkel-Kurs

In der Tat verkörpert Laschet die Mitte der CDU, der Merkel-CDU. Der Aachener würde den Kurs der Kanzlerin nahtlos fortsetzen. Laschet polarisiert nicht, Kompromiss und Konsens sind ihm wichtiger als Überzeugungen. 

Auf der Rückseite dieser Medaille steht das böse Wort der Beliebigkeit, doch seine Meinung zu ändern, ist für Laschet nichts Verwerfliches. So ließ er den Hambacher Forst erst räumen, um ihn dann aber nicht zu roden, sondern zu retten. 

Symbolpolitik ist eben auch Politik. 

Kanzlerkandidat Armin Laschet: Er gilt als Diplomat

Wie Merkel könnte der 58-Jährige mit jeder anderen Partei koalieren und eine Regierung zusammenstellen. Ausnahmen sind hier getreu der Parteilinie AfD und Linke. 

Am Dienstag ließ Laschet offen, ob er als Kanzlerkandidat und möglicher neuer CDU-Bundesparteichef zur Verfügung steht. Vorpreschen ist nicht seine Taktik. Er ist Diplomat. 

Als Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Beziehungen zu Frankreich hat er seine staatsmännischen Qualitäten längst unter Beweis gestellt. Er schlendert gerne über rote Teppiche. Rote Linien zieht er selten. Sein Anliegen ist es, das Trennende zu überwinden. Er kann aber auch klare Kante. Nämlich dann, wenn es um die AfD geht.

Kanzlerkandidat Armin Laschet: AfD würde sich freuen

In einer Debatte des nordrhein-westfälischen Landtags bediente sich Laschet des berühmten Zitats von Reichskanzler Joseph Wirth aus dem Jahr 1922: "Der Feind steht rechts." 

Die AfD würde sich dennoch freuen, wenn Laschet Kanzler wird. Denn mit dem Mann der Mitte hätten es die Konservativen in und außerhalb der CDU weiter schwer. 

So mancher in der CDU, der 2018 AKK gewählt hat und eigentlich sozial und liberal tickt, sieht diese Gefahr und würde deshalb jetzt Friedrich Merz wählen. Ratschläge von politischen Mitbewerbern sind mit Vorsicht zu genießen. Denn sie sind meist mehr Schläge als Rat.

Kanzlerkandidat Armin Laschet: SPD und Grüne in Berlin dafür

Nicht nur die AfD wäre für einen Kanzlerkandidaten Laschet. Auch Vertreter von SPD und Grüne im fernen Berlin wünschen sich ihn

Fragt man aber Genossen und Grüne an Rhein und Ruhr, was sie von "ihrem" Ministerpräsidenten halten, dann hört man wenig Gutes: Leere Versprechungen, Phrasen in Hülle und Fülle, Büffet statt Büro. 

Für die Grünen in NRW wäre Laschet kein Signal für Schwarz-Grün. Zwar steht der Christdemokrat zu Klimaschutz und Kohleausstieg, doch ebenso wichtig sind ihm Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit. 

Kanzlerkandidat Armin Laschet - oder lieber Merz oder Spahn?

Als Mann des Ausgleichs gewinnt der Aachener bei den Aktivisten von "Ende Gelände" oder "Fridays for Future" keinen Blumentopf. Andererseits: Jens Spahn oder Merz wären für diese schlimmer. 

Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz (von links) gelten alleamt als aussichtsreiche Männer in der CDU auf eine Kanzlerkandidatur.

Käme also der fröhliche Rheinländer als Kanzler nicht genau zur rechten Zeit? Jetzt, wo in asozialen Hetzwerken über "die" Politik geschimpft wird. Oder bräuchte Deutschland gerade jetzt einen "starken" Mann mit Ecken und Kanten?

Kanzlerkandidat Armin Laschet: Er beherrscht die große Bühne

Manche sehen in Laschet nur einen Schauspieler, und das nicht erst seit seinem Auftritt im "Tatort". Aber er beherrscht die große Bühne. Er ist schließlich Ministerpräsident von NRW. 

Wäre es ein eigener Staat, wäre Nordrhein-Westfalen unter den zehn größten Staaten der Europäischen Union. Das Bruttoinlandsprodukt ist hier größer als beispielsweise in Schweden, Polen oder Belgien. 

"Wir liegen auf Platz 16 in der Welt", sagte Laschet in der vergangenen Woche. Auch das war Werbung in eigener Sache.

Quelle: wa.de

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