CDU-Vorsitzender

Armin Laschet im Porträt: Ministerpräsident mit berühmten Vorfahren

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident in NRW, ist seit Januar 2021 Vorsitzender der CDU. Wird er auch Kanzlerkandidat im Herbst 2021. Der Politiker im Porträt.

  • Armin Laschet ist Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer als Vorsitzender der CDU.
  • Laschet ist seit 2017 Ministerpräsident in NRW und gilt nun auch als Favorit als Kanzlerkandidat im September 2021.
  • Während der Coronavirus-Krise wurde Laschet für seine Politik heftig kritisiert.

Ende Februar 2020 gab Armin Laschet seine Kandidatur als CDU-Vorsitzender bekannt. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte wenige Tage zuvor angekündigt, ihr Amt aufzugeben. Erst im Dezember 2018 war die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlands und CDU-Generalsekretärin zur Bundesvorsitzenden gewählt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sie als Wunschnachfolgerin im Auge. Die Regierungskrise in Thüringen Anfang 2020 und die offenbar innere Zerrissenheit in der CDU hatten die Rücktrittsentscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer beeinflusst.

NameArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 in Aachen
Größe1,70 Meter
EhepartnerinSusanne Laschet
KinderJohannes Laschet, Eva Laschet, Julius Laschet

Neben Armin Laschet kandidierten auch Friedrich Merz und Norbert Röttgen im Januar 2021 um den Vorsitz der CDU. Laschet wurde auf dem Parteitag seiner Favoritenrolle gerecht. Bei der Stichwahl bekam Laschet 521 Stimmen, Friedrich Merz unterlag mit 466 Stimmen. Im ersten Wahlgang war Norbert Röttgen mit 224 Stimmen ausgeschieden. Merz erhielt bei der ersten Abstimmung 385 Stimmen, Laschet 380 Stimmen. Laschet hatte auf dem digitalen Parteitag mit einer überraschend emotionalen Rede bei den Delegierten gepunktet, Merz blieb überraschend blass. Jens Spahn wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Armin Laschet gilt nun auch als aussichtsreichster Kandidat als Kanzlerkandidat der Union - seine Ambitionen sind kein Geheimnis. Im September 2021 wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der Politik zurückziehen. Ihr Nachfolger wird bei der Bundestagswahl bestimmt. Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur fällt zwischen Laschet und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Spätestens zu Pfingsten wolle man sich einigen, heißt es.

Armin Laschet: Familie mit Ehefrau Susanne und drei Kindern

Armin Laschet wurde am 18. Februar 1961 in Aachen geboren - sein rheinischer Akzent ist unverkennbar. Gemeinsam mit drei Brüdern und seinen Eltern lebte die Familie im Aachener Ortsteil Burtscheid. Laschet studierte Rechts- und Staatswissenschaften und legte das erste juristische Staatsexamen ab. Zwischen 1987 und 1994 arbeitete er als Journalist unter anderem für den Bayerischen Rundfunk und eine Kirchenzeitung.

Schon im jugendlichen Alter lernte Armin Laschet seine Frau Susanne kennen. Die beiden heirateten im Jahr 1985 und bekamen in den folgenden Jahren drei gemeinsame Kinder: Johannes Laschet, Eva Laschet und Julius Laschet. Die Familie lebt auch noch heute in Aachen im Ortsteil Burtscheid, verrät Laschet auf seiner Internetseite. Seine Kinder sind bereits ausgezogen, kommen laut Armin Laschet aber oft zu Besuch.

Armin Laschet: Sohn Johannes Laschet ist Blogger und Model

Der Erstgeborene von Armin Laschet steht wie sein Vater in der Öffentlichkeit. Der 31-jährige Johannes Laschet ist Model, Blogger und Influencer und hat auf Instagram über 90.000 Follower. Dort bezeichnet sich Johannes Laschet als „Enthusiast Of Classic Menswear“ und nennt sich „Joe Laschet“. Der 31-Jährige begleitet nach eigenen Aussagen seinen Vater Armin gerne beim Einkaufen von Kleidung.

Johannes Laschet hat wie sein Vater Rechtswissenschaften in Bonn studiert. Er wird aufgrund seines Aussehens oft mit Hollywood-Schauspieler Ryan Gosling verglichen. Seit 2015 ist er auch Instagram aktiv. Seine Followerschaft vergrößert sich nicht zuletzt durch seinen prominenten Namen. Dass er oft mit seinem Vater in Verbindung gebracht wird, stört ihn nach eigenen Aussagen überhaupt nicht.

Armin Laschet: War Karl der Große ein Vorfahre?

Eine Überraschung verrieten die Journalisten Tobias Blasius und Moritz Küpper in ihrer 2020 erschienenen Biografie über Armin Laschet. Der Ministerpräsident stamme womöglich direkt von Karl dem Großen ab. Der Kaiser lebte im 8. und 9. Jahrhundert und hatte seine Hauptresidenz in Aachen. Er war einer der wichtigsten Herrscher des Mittelalters und galt schon damals als Vater Europas.

Laut Biografie von Armin Laschet könnte seine Familie eine direkte Verbindung zu Karl dem Großen haben. Laschet ist ein großer Bewunderer des damaligen Kaisers und hat sogar eine Büste des mächtigen Herrschers in seinem Büro. In seiner Biografie heißt es: „Als gebürtiger Aachener möchte man von Karl dem Großem abstammen, und die Wahrscheinlichkeit ist gegeben.“

Armin Laschet: Seine Karriere in der CDU

Eine Gemeinsamkeit mit Karl dem Großen hat Armin Laschet: Der Aachener ist ein Machtmensch. Bereits 1979 trat er als 18-Jähriger in die CDU ein. Es folgte eine eindrucksvolle Karriere.

  • 1989: Armin Laschet zieht für die CDU in den Stadtrat Aachen ein und bleibt dort bis 2004 Mitglied
  • 1994: Armin Laschet zieht in den Bundestag ein, verliert das Mandat aber wieder im Jahr 1998
  • 1999: Armin Laschet wird zum Europaabgeordneten gewählt
  • 2005: Armin Laschet wird unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration in NRW. Seine Amtszeit endet 2010, als die SPD die Landtagswahl gewinnt
  • 2012: Armin Laschet wird Vorsitzender CDU in NRW und im gleichen Jahr stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU
  • 2017: Armin Laschet wird Ministerpräsident, nachdem die CDU die Landtagswahl in NRW gewinnt
Armin Laschet wurde 2017 zum Ministerpräsidenten in NRW gewählt.

Armin Laschet: Ministerpräsident in NRW

Als Armin Laschet im Jahr 2017 Ministerpräsident in NRW wurde, war es quasi eine Wahl im zweiten Anlauf. Laschet war 2005 Minister unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers geworden. Die CDU unterlag allerdings bei der Landtagswahl 2010. Die SPD bekam mit Spitzenkandidatin Hannelore Kraft die meisten Stimmen. Gemeinsam mit den Grünen bildeten sie eine Regierung.

Im Anschluss an die Wahlniederlage suchte die CDU einen neuen Vorsitzenden in NRW. Zur Wahl standen Armin Laschet und Norbert Röttgen. Mit knapp 55 Prozent der Stimmen setzte sich Röttgen in der Abstimmung durch. Der führte die CDU zur nächsten Landtagswahl im Jahr 2012 in NRW. Röttgen scheiterte mit einem katastrophalen Ergebnis und trat als Vorsitzender der NRW-CDU zurück. Armin Laschet war über die Landesliste in den Landtag eingezogen und wurde anschließend Parteivorsitzender sowie Fraktionsvorsitzender im NRW-Landtag.

Als Zwischenkandidat führte Armin Laschet die CDU dann in die Landtagswahl 2017. SPD und Grüne verloren ihre Mehrheit. Die CDU als stärkste Partei ging ein Bündnis mit der FDP ein. Armin Laschet wurde am 27. Juni 2017 zum Ministerpräsidenten in NRW gewählt.

Armin Laschet: Liberal mit Schwerpunkt Sicherheit und Bildung

Armin Laschet gilt in der CDU als liberal. Viele politische Beobachter sind sich sicher, dass Laschet bei der Suche nach Koalitionspartnern wenig dogmatisch ist. Eine schwarz-grüne Koalition sei mit Laschet ebenso möglich wie eine Große Koalition. Bei der AfD vertritt Laschet dagegen eine ganz klar ablehnende Meinung. Während seiner Zeit als Integrationsminister wurde oft als „Türken-Armin“ über ihn gespottet. Laschet betonte immer wieder, dass religiöse und kulturelle Vielfalt keine Last, sondern eine Chance für NRW sei.

Mit der Wahl zum Ministerpräsidenten setzte Laschet klar auf einen Schwerpunkt beim Thema Innere Sicherheit. In einer Regierungserklärung sprach er von einer „Null-Toleranz-Linie“ gegenüber denjenigen, die das Asylrecht missbrauchen. Das Polizeigesetz seiner Regierung wurde zum „Musterpolizeigesetz“ für den Bund. Hier ging es unter anderem um mehr Rechte für die Polizei und das „Predictive Policing“, also die vorhersagende Polizeiarbeit.

Ebenso hebt Armin Laschet das Thema Bildung hervor. Er selbst stammt aus einer Familie, bei der Bildung ein Schlüssel war. Sein Vater hatte seine berufliche Karriere als Bergmann begonnen und qualifizierte sich weiter zum Lehrer. „Aufstieg durch Bildung“ müsse möglich sein in NRW. Zudem kehrte NRW unter der CDU-FDP-Regierung zum G9-Abitur zurück.

Armin Laschet: Kontroverse um Handeln in der Corona-Krise

In der Corona-Krise hat Armin Laschet viel Kritik einstecken müssen. Zu Beginn der Krise galt der NRW-Ministerpräsident als zu „lasch“, vor allem im direkten Vergleich mit seinem Ministerpräsidentenkollegen Markus Söder (CSU). Auch dem Bayern werden Kanzler-Ambitionen nachgesagt, im Kampf um den CDU-Parteivorsitz ist Söder aber keine Gefahr für Armin Laschet. Später wurde vor allem die Schulpolitik der Laschet-Regierung im Zusammenhang mit der Coronakrise zum Mittelpunkt der Kritik. Einen Vorstoß seiner Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zum Wiederbeginn des Grundschulunterrichts nach dem ersten Lockdown kassierte Armin Laschet höchstpersönlich. Im Angesicht der zweiten Welle ist Laschet strikter Verfechter des Präsenzunterrichts.

Überhaupt wandelt sich Armin Laschet im Verlauf der Pandemie vom Abwäger zum strengen Mahner. Als Bund und Länder im November die Regeln bis Weihnachten verschärfen, wird der NRW-Ministerpräsident nicht müde, die Notwendigkeit der Maßnahmen zu unterstreichen. Dabei ist die Wortwahl des CDU-Politikers mitunter ungeschickt; so erntet er Kopfschütteln und Häme, als er den Menschen voraussagt, das kommende Weihnachtsfest könnte womöglich das härteste Weihnachten werden, dass die Nachkriegsgeneration je erlebt habe.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer und Ministerpräsident Armin Laschet wurden wegen ihrer Politik in der Corona-Krise stark kritisiert.

Armin Laschet: Strategiewechsel im Angesicht der zweiten Welle

Armin Laschet ist neben Markus Söder der Ministerpräsident, der augenscheinlich großen Einfluss auf die Marschroute in der Krise nimmt. Entscheidet sich hier die K-Frage? Dass das Handeln der Chefs des größten (Bayern) und des bevölkerungsreichsten Bundeslandes (NRW) besonders Gewicht hat, scheint auf der Hand zu liegen. Dass es hier auch um seine politische Zukunft geht, ebenso. Doch sahen Kritiker hier in der ersten Welle den Hauptgrund für Laschets (zu?) zögerliches Vorgehen unter dem Eindruck der ersten Welle. Mit steigenden Zahlen im Herbst änderte Armin Laschet seine Strategie, schwenkte bei den Verhandlungen mit der Kanzlerin weitgehend auf den Merkel-/Söder-Kurs um - obwohl er sich noch vehement dafür einsetzte, die Gastronomie offen zu halten.

Dass er in der Krise viel Zustimmung verloren hat, weiß Armin Laschet. Nach eigenem Bekunden gibt der Politiker nicht viel auf Umfragen. Er führt gern an, dass er einst, vor der Landtagswahl 2017, als der Underdog gehandelt wurde, der gegen eine Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen niemals siegen könnte. Er gewann die Wahl.

Armin Laschet: Parteitag der CDU im Januar

Wegen der Corona-Pandemie war der ursprünglich schon für den November 2020 geplante CDU-Parteitag auf Januar 2021 verschoben. Vor allem Armin Laschets Konkurrent Friedrich Merz hatte die Verschiebung zunächst heftig kritisiert. Unterstützung erhält Laschet von Jens Spahn. Der amtierende Bundesgesundheitsminister hat sich in der Corona-Krise eine Attitüde des Hardliners erarbeitet, der hart durchgreifen kann.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini

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