Zwischen Wut und Trauer

Plastik-Müll im Futter: Tragende Kuh stirbt kurz vor der Geburt - emotionaler Appell von Landwirten

Scharfe Plastikteile im Futter sorgten dafür, dass Kuh Rispe vom Hof Kühn in Arnsberg-Uentrop kurz vor der Geburt ihres dritten Kalbs starb.
+
Scharfe Plastikteile im Futter sorgten dafür, dass Kuh Rispe vom Hof Kühn in Arnsberg-Uentrop kurz vor der Geburt ihres dritten Kalbs starb.

Eine Kuh stirbt im Sauerland durch scharfe Plastikteile im Futter. Ihre Besitzer machen ihrer Trauer und Wut bei Facebook Luft - und richten einen emotionalen Appell an alle, die ihren Müll in der Natur entsorgen.

Arnsberg (NRW) - Wilhelm Kühn ist sauer. „Da platzt dir auch mal der Kragen“, sagt der 37-jährige Landwirt, der gemeinsam mit seiner Frau Lucia den Hof Kühn in Uentrop, einem 300 Einwohner zählenden Ortsteil der Stadt Arnsberg im Sauerland, betreibt. Etwa 80 Kühe produzieren dort frische „Ruhrtal-Milch“.

Warum Kühn so sauer ist? Seit Sonntag zählt ein Tier weniger zu seinen „Mitarbeitern“. Kuh Rispe, die wenige Tage vor der Geburt ihres dritten Kalbs stand, ist plötzlich gestorben. Sie habe unbewusst scharfe Plastikteile gefressen, die ihr so schwere innere Verletzungen zugefügt hätten, dass sie daran verendet sei, wie der Uentroper im Gespräch mit sauerlandkurier.de* berichtet.

Arnsberg (NRW): Kuh stirbt durch Plastik im Futter - Landwirt geschockt

Er habe am Sonntag gemerkt, dass es Rispe schlecht gehe. „Und dann ging es ganz schnell“, erzählt der immer noch geschockte Landwirt. „Du stehst da und kannst dem Tier nicht helfen.“ Die Teile seien im Futter gelandet, weil Unverbesserliche ihren Müll zuvor auf den Weideflächen des Betriebs im „Alten Feld“ in Arnsberg hinterlassen hätten. Dieser würde beim Mähen klein gehäckselt und so scharfkantig in den Futtertrog gelangen. Als Wilhelm Kühn nach dem Tod der Kuh das verbliebene Futter im Trog mit den Händen durchsucht, findet er gleich mehrere Plastikteile: Deckel von Brotaufstrich-Verpackungen oder leere Trinkpäckchen - für seine Tiere eine tödliche Gefahr.

Metallische Gegenstände werden beim Ernteverfahren und Mischen des Futters durch Metalldetektor und Magneten entfernt“, erklärt der 37-Jährige. Mit den Plastikteilen oder auch Glasscherben sei das allerdings mit so einem Verfahren nicht möglich - ebenso wenig, das gesamte Futter per Hand auf Fremdkörper zu kontrollieren. Zwar würden die Kühe im Laufe der Zeit lernen, das Futter zu selektieren, doch nicht immer würden ihnen die Fremdkörper auffallen. „Und durch das Wiederkäuen wandern sie dann hin und her und können schwere innere Verletzungen verursachen“, schildert Kühn.

Rispe sei nicht die erste Kuh auf dem Hof in Uentrop, die durch Fremdkörper im Futter zu Schaden gekommen ist. „Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man so etwas nicht mehr einfach so hinnehmen kann“, macht der 37-Jährige deutlich. Daher haben er und seine Frau Lucia den Tod der Kuh auf der Facebook-Seite von „Ruhrtal-Milch“ öffentlich gemacht. „Unsere Gefühle schwanken gerade zwischen Wut, Trauer, Hilflosigkeit und Enttäuschung“, schreiben die Kühns dort - verbunden mit einem emotionalen Appell: „Bitte entsorgt euren Müll ordnungsgemäß und nicht in der Natur!“ Auch Fotos der nachträglich gefundenen Plastikteile und der toten Rispe haben sie dem Posting hinzugefügt.

Arnsberg (NRW): Kuh stirbt durch Plastik im Futter - Facebook-Nutzer sauer

Damit scheinen Wilhelm und Lucia Kühn einen Nerv getroffen zu haben: Der Beitrag wurde fast 600 Mal bei Facebook geteilt (Stand 5. Januar, 10.30 Uhr) und zahlreiche Nutzer machen ihrem Ärger über den Vorfall in den Kommentaren Luft. Die Landwirte aus Uentrop hoffen, dass sie mit ihrem Posting dafür sorgen, dass der ein oder andere sein Handeln in Zukunft überdenkt und seinen Müll eben nicht in der Natur entsorgt. Schon im Frühjahr hatten beispielsweise die Stadt Arnsberg und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) darauf hingewiesen, dass insbesondere durch den Corona-Lockdown die Vermüllung der Natur weiter zugenommen habe*. Auch im Wald seien vermehrt Müllablagen zu erkennen, berichtet Wilheim Kühn.

„Plastik bleibt für die Ewigkeit in der Umwelt, das wird nicht abgebaut“, macht er deutlich. Als Landwirt müsse er beispielsweise nachweisen, wo Silofolien und andere Abfälle fachgerecht entsorgt werden. „Und dann entsorgen andere ihren Müll einfach auf den Futterflächen“, zeigt sich der 37-Jährige fassungslos. Für Rispe und ihr ungeborenes Kalb kommt der Appell zu spät, für sie bedeuteten Plastikteile im Futter den Tod. Aber vielleicht retten die Uentroper Landwirte damit das Leben vieler weiterer Tiere. - *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare