Corona-Impfungen

Astrazeneca-Impfstopp für unter 60-Jährige - Ältere können nun schneller geimpft werden

NRW hat am Dienstag die Astrazeneca-Impfungen für unter 60-Jährige gestoppt. Jetzt wurde die neue Altersbeschränkung bundesweit durchgesetzt. Jens Spahn spricht von einem Rückschlag.

Update vom 30. März, 22.03 Uhr: Die Pressekonferenz nach dem Krisengipfel, den Bundeskanzlerin Angela Merkel einberufen hat, nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) nahegelegt hatte, die Astrazeneca-Impfungen für Jüngere sofort zu stoppen, ist soeben beendet. Demnach will die Bundesregierung der Empfehlung folgen: Astrazeneca-Impfungen werden in Deutschland für unter 60-Jährige gestoppt. Zuvor waren bereits mehrere Kommunen und Bundesländer, darunter NRW, diesen Schritt gegangen. „Das heißt, dass die über 60-Jährigen schneller geimpft werden“, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte indes auf Anfrage klar, sich auch mit Astrazeneca impfen zu wollen, sobald sie an der Reihe ist.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,93 Millionen (2019)

Impfstopp mit Astrazeneca für unter 60-Jährige - Jens Spahn: „Rückschlag“

Jens Spahn sagte, die Bürger könnten sich darauf verlassen, dass in Deutschland zugelassene Impfstoffe „akribisch überwacht“ würden. „Andererseits ist es ohne Frage ein Rückschlag, dass bei einem unserer verfügbaren Impfstoffe in dieser Pandemie für eine bestimmte Altersgruppe offenbar ein erhöhtes Risiko besteht.“

Update vom 30. März, 18.36 Uhr: Nach das Land NRW den Impfstopp mit Astrazeneca für Frauen und Männer unter 60 Jahren verordnet an (Update 17.01 Uhr), hat auch die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlung für den Impfstoff geändert. Sie empfiehlt Astrazeneca nur noch Menschen ab 60 Jahren. Wie die Stiko am Dienstag mitteilte, wurde die Empfehlung „auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“ bei jüngeren Geimpften geändert. Zur Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben.

Astrazeneca: NRW stoppt Impfungen für unter 60-Jährige - so geht es jetzt weiter

Update vom 30. März, 17.01 Uhr: Die NRW-Landesregierung hat ab sofort angeordnet, dass kein Astrazeneca mehr an unter 60-jährige verimpft wird. Dies betrifft Männer wie Frauen. Die Stadt Hamm hat sofort eagiert und mitgeteilt, dass ab Donnerstag alle unter 60-Jährigen, die für Astrazeneca vorgesehen waren, mit Biontech oder Moderna versorgt werden. Auch der Märkische Kreis hat den Stopp der Astrazeneca-Impfungen umgesetzt. Das Land NRW hat entsprechende Lieferungen angekündigt. Ausgefallene Termine sollen umgehend nachgeholt werden. „Der weitere Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff wird Inhalt einer außerplanmäßigen Gesundheitsministerkonferenz am Abend sein“, teilte das NRW-Gesundheitsministerium mit.

Update vom 30. März, 16.11 Uhr: Für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca könnte sich die Altersempfehlung ändern. Das Präparat soll voraussichtlich nur noch für Menschen über 60 Jahre empfohlen werden. Das geht aus einem Beschlussentwurf der Stiko hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In dem Entwurf heißt es, basierend auf der momentanen Datenlage empfehle die Stiko „im Regelfall“ die Impfung mit Astrazeneca „nur Menschen im Alter >60 Jahre“. Der Einsatz unterhalb dieser Altersgrenze „bleibt indes nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich“, heißt es in dem Beschlussentwurf weiter.

[Erstmeldung] Hamm - Die Debatte um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca reißt nicht ab. Nachdem der Kreis Euskirchen am Montag vorerst einen Impfstopp mit dem Vakzin für Frauen unter 55 Jahre verhängt hat, haben sich fünf Uni-Kliniken in Nordrhein-Westfalen mit einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewandt. Der Grund: Sie halten das Thrombose-Risiko bei jüngeren Frauen nach der Corona-Impfung mit Astrazeneca für zu hoch. Derweil hat das Land Berlin die Impfungen mit dem Vakzin für Menschen unter 60 bereits ausgesetzt. (News zum Coronavirus)

Astrazeneca: Uni-Kliniken in NRW fordern Impfstopp für jüngere Frauen

Im Kreis Euskirchen hat eine 47-jährige Frau wenige Tage nach der Corona-Impfung mit Astrazeneca eine Sinusvenenthrombose erlitten und ist gestorben. Auch eine 28-Jährige war nach Angaben des Kreises nach der Impfung an einer solchen Thrombose erkrankt. Daraufhin hat der Kreis Euskirchen die Impfung von Frauen unter 55 Jahren mit Astrazeneca vorerst gestoppt. Auch der Kreis Heinsberg hat am Dienstag umgestellt und impft Frauen unter 55 Jahren nun ausnahmslos mit Biontech.

Jetzt haben sich die Leiter von fünf der sechs Uni-Kliniken in NRW für einen vorläufigen Stopp von Astrazeneca-Impfungen jüngerer Frauen ausgesprochen. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, heißt es in einem Schreiben an den Bundes- und Landesgesundheitsminister, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Uni-Kliniken in NRW fordern Astrazeneca-Impfstopp für jüngere Frauen und stellen Rechnung auf

In dem zweiseitigen Schreiben wird Bezug auf die bislang bekannten Verdachtsfälle von Thrombosen nach Astrazeneca-Impfungen genommen. Mitte März kam es nach Meldungen über Thrombosen und Todesfällen bundesweit zu einem Impfstopp mit Astrazeneca; drei Tage später wurde der Impfstoff aber als sicher eingestuft.

Die Experten der Uni-Kliniken in NRW stellen in ihrem Schreiben die Todesfälle durch Covid-19 bei 20- bis 29-jährigen Frauen den potenziellen lebensbedrohlichen Impfkomplikationen in der gleichen Altersgruppe gegenüber. Demnach würden - bei gleich bleibendem Infektionsgeschehen und Impfungen jenseits von Astrazeneca - statistisch zehn Frauen zwischen 20 und 29 an Corona sterben. Bei 75 könnte aber theoretisch eine lebensbedrohliche Impfkomplikation auftreten, so die Rechnung der Klinik-Chefs.

Uni-Kliniken in NRW fordern Astrazeneca-Impfstopp für jüngere Frauen - Sondersitzung der Minister

„Zusammenfassend muss man feststellen, dass am Beispiel der Gruppe der 20- bis 29-jährigen Frauen nach jetzigem Erkenntnisstand ein äußerst ungünstiges Nutzen/Risiko-Profil für den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffes vorliegt“, so die Uniklinik-Chefs in ihrem Brief. „Im Lichte dieser Überlegungen erscheint uns der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs bei jüngeren Frauen gegenwärtig nicht gerechtfertigt“, schreiben die Experten. Es bestehe daher „dringender Bedarf“, eine neue Impfempfehlung abzuleiten.

Bis Dienstagnachmittag wollen die Uni-Kliniken nach dpa-Informationen dem NRW-Gesundheitsministerium eine entsprechende Empfehlung vorlegen. Hintergrund ist eine Sondersitzung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, die sich laut Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstagabend zum Thema Astrazeneca zusammenschalten wollen. 

Die Uni-Klinik Köln empfiehlt unterdessen ihren weiblichen Angestellten unter 55 Jahren im Impfberatungsgespräch, „zumeist keine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff“, so ein Sprecher. Er bestätigte einen Bericht von Bild. „Wir enthalten niemanden den Impfstoff vor, der ihn auch nach entsprechender Aufklärung ausdrücklich wünscht“, ergänzte der Sprecher.

Debatte um Astrazeneca: Berlin setzt Corona-Impfungen für Menschen unter 60 aus

Das Land Berlin setzt die Corona-Impfungen mit Astrazeneca für Frauen und Männer unter 60 Jahren vorsorglich aus. Das gab Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag bekannt und verwies auf neue Daten über Nebenwirkungen. Sie bezeichnete dies als „Vorsichtsmaßnahme“. Entsprechende Termine in Impfzentren werden Kalayci zufolge erst einmal abgesagt. Das Land wolle nun die Beratungen auf Bundesebene und Stellungnahmen der Fachleute wie des Paul-Ehrlich-Instituts abwarten.

Auch die Kliniken Charité und Vivantes in der Hauptstadt stoppten bis auf Weiteres die Impfungen mit Verweis auf Fälle von Hirnvenenthrombosen in Deutschland. Die Aussetzung der Impfungen gilt bei den Kliniken für Frauen unter 55 Jahren. Das betrifft vor allem die eigene Belegschaft. 

Debatte um Astrazeneca: Karl Lauterbach spricht sich für Impfstopp aus

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädierte im Gespräch mit der Rheinischen Post ebenfalls für einen Impfstopp mit Astrazeneca für Menschen unter 55 Jahren. „Bislang sind wir von einem Risiko von deutlich weniger als eins zu 100.000 Fällen ausgegangen, bei denen eine oft tödliche Hirnvenenthrombose auftreten kann. Dieses Risiko scheint nach aktuellen Erkenntnissen für Jüngere, insbesondere Frauen, etwas höher zu sein“, sagte Lauterbach demzufolge.

Mit Blick auf bereits Geimpfte sagte er: „Wer jetzt bereits mit Astrazeneca geimpft wurde, hat nichts zu befürchten. Auch sollten sich Menschen, die über 55 Jahre alt sind, weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen. Das Risiko ist für die Gruppe dort extrem gering, der Nutzen der Impfung überwiegt massiv.“ (mit dpa-Material) - *come-on.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Alvaro Barrientos/dpa

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