Keine Hinweise auf technisches Versagen

Erster amtlicher Bericht zum Ballon-Unfall im Sauerland: So schildern die Passagiere das Unglück

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Der Absturz eines Heißluftballon bei Marsberg hatte Anfang Juni bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat jetzt - knapp drei Monate danach - einen ersten Zwischenbericht zum Unfall veröffentlicht. Während die Zeugen darin ausführlich schildern, wie sie das Unglück erlebt haben, hat der Pilot keine Aussage gemacht.

Bredelar – Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat ihren amtlichen Bericht für Juni veröffentlicht. Darin wird über Unfälle und Störungen beim Betrieb ziviler Luftfahrzeuge berichtet. Analysen und Ursachen der Unfälle werden allerdings erst im Untersuchungsbericht nach Abschluss der Untersuchung veröffentlicht. 

Im aktuellen Bericht geht es um den Heißluftballon-Unfall am 4. Juni im Bereich „Fettküche“ bei Bredelar. Bei einer gewerblichen Ballonfahrt, an der neben dem Piloten zehn Passagiere teilnahmen, überschlug sich der Korb bei einer Schleiflandung im abschüssigen Gelände. Dabei kam es an Bord des Ballons zu einem Brand. 

Laut den Angaben der Zeugen seien alle Passagiere und die Balloncrew wie vereinbart gegen 19 Uhr am Startplatz, dem Sonderlandeplatz Korbach, eingetroffen. Zu diesem Zeitpunkt habe noch nicht festgestanden, ob die Fahrt wegen der Windverhältnisse durchgeführt werden könne. Der Pilot habe erklärt, dass der Ballon aufgebaut werde, dabei aber die Entwicklung des Windes ständig beobachtet werden würde. Er habe außerdem gesagt, dass die Fahrt nicht durchgeführt werden würde, falls der Wind nicht nachlassen sollte. 

Die Zeugen gaben weiter an, dass sie im Rahmen der Start- beziehungsweise Fahrtvorbereitungen über das Verhalten während der Fahrt und bei der Landung unterwiesen worden seien. Der Pilot habe unter anderem Erklärungen zum Ballon abgegeben sowie auf das Verstauen von Brillen, Fotoapparaten und Mobiltelefonen hingewiesen und erklärt, wie sich alle Passagiere bei der Landung verhalten und im Korb festhalten sollen. 

Verlauf der Landung aus den Zeugenaussagen rekonstruiert

Laut den Zeugen habe der Pilot etwa um 20 Uhr die Entscheidung getroffen, die Fahrt durchzuführen und der Ballon sei gegen 20.15 Uhr gestartet. Die Fahrthöhe habe um die 200 bis 300 Meter über Grund betragen. Die Fahrt sei ruhig gewesen und es sei „nicht ständig rauf und runter gegangen“. 

Zur Landeentscheidung des Piloten gaben die Zeugen an, dass er im Bereich der Ortschaft Bredelar die Landung angekündigt habe und auch die Gründe für die Landeentscheidung, respektive die örtliche Hindernissituation, erläuterte. Der Begleitmannschaft im Verfolgerfahrzeug habe er per Funk seinen Standort und das Landegebiet mitgeteilt und erwähnt, dass der Wind „kernig“ sei. Außerdem habe er seine Passagiere nochmals auf das richtige Verhalten bei der Landung hingewiesen. 

Unglück in Marsberg: Heißluftballon im Sauerland abgestürzt - elf Verletzte

Aus den Angaben der Zeugen ließ sich folgender Verlauf der Landung rekonstruieren: Die Anfahrt zur Landung auf einer Wiese an einer Hügelkuppe sei eher flach gewesen. Beim ersten Aufsetzen im noch leicht ansteigenden Bereich der Kuppe sei der Korb in Fahrtrichtung gekippt und habe wieder geringfügig abgehoben. Anschließend sei der Korb weiter über die Wiese geschleift worden. Der Pilot habe dabei „die ganze Zeit an Leinen gezogen“. 

Hangabwärts durchbrach der Korb einen Zaun und habe sich anschließend „überschlagen“. Dabei sei der Brenner ausgelöst worden - ein großer Fehler, wie ein erfahrener Pilot nach dem Unfall im Gespräch mit unserer Redaktion sagte: "Das ist ein absolutes No Go. Bei jeder Ballonfahrt gilt der Grundsatz, dass die Pilotflamme kurz vor dem Aufsetzen erloschen sein muss."

Pilot macht keine Aussage

Der Korb sei, auf das Brennergestell gestützt, liegend zum Stillstand gekommen. Ein Helfer der Ballonmannschaft habe von außen den Korb ein Stück anheben können, so dass sich die Insassen aus dem Korb gegenseitig helfend befreien konnten. 

Bei dem Unfall wurden alle elf Insassen verletzt, davon erlitten sieben Personen schwere und vier Personen leichte Verletzungen. Zwei Verletzte schwebten zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Drei Rettungshubschrauber waren damals im Einsatz.

Der Pilot wollte gegenüber der BFU keine Aussage zum Unfallablauf machen. Das Unglück im Juni war bereits sein zweiter schwerer Unfall: Im August 2011 steuerte er in Niedersachsen einen Ballon, der ebenfalls bei der Landung verunglückte.

In dem Zwischenbericht heißt es über den Piloten: „Der 64-jährige Pilot besaß seit 1992 eine Pilotenlizenz für Freiballonführer und seit dem 21. November 2014 eine unbefristet gültige Pilotenlizenz. Sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis Klasse 2, ausgestellt am 23. Januar 2019, war bis zum 23. Februar 2020 gültig.“ 

Laut BFU ergab die Untersuchung des Ballons keine Hinweise auf technisches Versagen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurde infolge des Überschlagens des Korbes in der letzten Phase der Schleiflandung mindestens bei einem Brenner das Brennerventil ausgelöst. Der Abschlussbericht der BFU wird in etwa einem Jahr erwartet. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat nach dem Unfall die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen.

Quelle: wa.de

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