Tiere leben in freier Natur

Begegnung mit Wisenten: Das rät der Trägerverein Wanderern und Spaziergängern

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Sauerland - Das angekündigte schöne Wetter wird an den Ostertagen viele Menschen in die Natur locken. Am Rothaarsteig werden Wanderer und Spaziergänger auch eventuell auf die frei lebende Wisentherde treffen. Wie man sich in so einem Fall verhalten sollte, dazu hat der Trägerverein nun Hinweise zusammengestellt.

"Wisente sind friedliebend – aber es bleiben Wildtiere. Begegnen Sie den Königen der Wälder deshalb bitte mit Respekt", appelliert Kaja Heising, Wissenschaftliche Koordinatorin des Wisent-Artenschutzprojektes im Rothaargebirge, an Osterspaziergänger. "Es liegt in erster Linie an den Menschen, mögliche Konfliktsituationen mit frei lebenden Wisenten zu vermeiden oder zu verhindern." 

Die Meteorologen sagen es voraus: Das Osterwetter soll schön werden. Dann zieht es zahlreiche Menschen in die Natur und insbesondere in die Wälder und auf die Wanderwege. Dort könne es dann auch passieren, dass sie freilebenden Wisenten begegnen, wie der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein e.V. mitteilt. Denn seit ziemlich genau sechs Jahren lebt eine etwa 20-köpfige Wisent-Gruppe frei im Rothaargebirge. "Aber: Wisente sind keine Streicheltiere", heißt es.

"Wer Selfies macht, setzt sich Risiken aus" 

Normalerweise hätten Wisente kein Interesse an Menschen und hielten Abstand zu den Zweibeinern. Das sollten umgekehrt aber auch die Menschen tun. "Wer sich dennoch den Wisenten nähert, um Fotos oder Selfies mit den Tieren zu machen, wer sie mit Futter lockt oder sie in die Enge drängt oder ihnen Rückzugswege abschneidet, setzt sich und die Tiere möglichen Risiken aus", betont Kaja Heising. 

In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass sich Menschen so nah wie möglich an Wisente angepirscht haben. Das schade auch dem Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung der Wisente, weil die Tiere so ihre natürliche Fluchtauslösedistanz und die Scheu vor Menschen verlieren könnten, so der Trägerverein. 

Außerdem sei es möglich, dass Wisentkühe im jetzt beginnenden Frühjahr schon Kälbchen bekommen und diese schützen und verteidigen. Das sei bei anderen Wildtieren, zum Beispiel Wildschweinen, nicht anders. Neben dem Einhalten eines gebührenden Abstandes sei deshalb zu beachten: "Hunde in jedem Falle vorschriftsmäßig anleinen und im Konfliktfall ableinen und keine hektischen Bewegungen vollführen", erklärt der Trägerverein.

Empfindliche Ordnungsgelder sind möglich

"Dazu passt, dass gerade das österreichische Tourismusministerium ähnliche Regeln für Wanderer im Umgang mit Almvieh veröffentlicht hat. Anlass war eine tödliche Kuhattacke auf eine Frau, die ihren Hund mitgeführt hatte", heißt es weiter. Auch wenn es im Rothaargebirge keine schweren Unfälle mit Wisenten gegeben hat, gelte für Wisente grundsätzlich das Gleiche. Detaillierte Verhaltensregeln gibt es unter anderem auf der Internetseite des Wisent-Vereins.

"Außerdem – und das ist die rechtliche Seite – ist es aus arten- und naturschutzrechtlichen Gründen verboten, Wildtieren wie Wisente absichtlich aufzusuchen, ihnen nachzustellen oder sie zu füttern. Das kann mit empfindlichen Ordnungsgeldern belegt werden", warnen die Verantwortlichen. 

Der Wisent-Verein freue sich über das Interesse an der gefährdeten Tierart. Dafür habe er eigens ein Besucherareal – die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ – eingerichtet. Dort können Besucher die Tiere aus der Nähe und völlig risikolos betrachten und das Ganze mit einer Wanderung durch das naturbelassene Areal und einem Besuch in der "Wisent-Hütte" kombinieren.

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Quelle: wa.de

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