Tag der nachhaltigen Unternehmen

„Alles falsch gemacht“: Wetterexperte mit hartem Urteil zum Kesselbrink in Bielefeld

In Zeiten der Erderwärmung müssen Städte „kühlend“ geplant werden – das sagt Experte Karsten Schwanke. Ein krasses Negativ-Beispiel sieht er in Bielefeld.

Bielefeld – Am 22. September fand der „Tag der nachhaltigen Unternehmen“ in Bielefeld statt. Vielmehr lud die Volksbank Bielefeld-Gütersloh gemeinsam mit der KlimaWoche Bielefeld e.V. zu der Diskussion ein, die coronabedingt online stattfand. Zu Gast war der TV-Wetterexperte und Klimaforscher Karsten Schwanke. Und dieser zeichnete ein düsteres Szenario. Auch an der städtebaulichen Planung in Bielefeld liess er kein gutes Haar, wie owl24.de* berichtet.

StadtBielefeld
Einwohnerzahl334.195
BundeslandNRW

Bielefeld: Kesselbrink kein klimafreundlicher Platz

Über den Kesselbrink, einen großen Platz mitten in Bielefeld, hat Schwanke nichts Gutes zu sagen. „Auf dem Platz hat man alles falsch gemacht“, stellt der Experte fest und bezieht sich dabei auf ein Zukunftsszenario in dem die Höchsttemperaturen in den Städten auf 45 Grad Celsius steigen können. In dieser Zukunft müssten Städte „grundsätzlich so geplant werden, dass sie kühlen“.

Dies sei beim Kesselbrink in Bielefeld nicht der Fall. Große Betonflächen und wenig Grün seien das Problem, wie unter anderem die NW schreibt. Bereits 2050 werden die Temperaturen in den Städten auf die genannten 45 Grad angestiegen sein. Bisherige Klima-Modelle hält Karsten Schwanke für nicht alarmierend genug: „Die Klima-Modelle rechnen zu zahm. Wahrscheinlich wird es eher schlimmer, als wir es uns vorstellen.“

Klimatechnisch ungenügend: Der Kesselbrink in Bielefeld.

Zu heiße Innenstädte – Wetterexperte mit konkretem Vorschlag für Bielefeld

Schwanke hat zwei wichtige Vorschläge, um den Hitze-Stress in Städten wie Bielefeld zukünftig zu reduzieren. Zum ersten sollten die Städteplaner auf ausreichende Begrünung achten. Pflanzen in den Städten haben eine kühlende Wirkung. Diese können sie jedoch nur entfalten, wenn sie ausreichend bewässert werden – auch im Sommer. Deshalb sollte man beim Bau öffentlicher Flachdach-Gebäude darauf achten, dass man von Beginn an eine Begrünung des Daches einplant. Diese müsse über eine mindestens 40 Zentimeter dicke Erdschicht verfügen, um ausreichend Regen aufnehmen und so Überschwemmungen verhindern zu können.

Auch für Privathäuser empfiehlt er sowohl eine Begrünung als auch Photovoltaikanlagen. Um die Luft zu verbessern und die Temperatur in den Städten so niedrig wie möglich zu halten, schlägt Schwanke auch sogenannte Frischluftschneisen vor, wie es sie bereits in mehreren Städten Deutschlands gibt. Dabei handelt es sich um unbebaute Flächen, die die Innenstädte mit frischer Luft versorgen. In Bielefeld* biete sich dafür besonders eine Schneise vom Teutoburger Wald herab an. (*Owl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/Oliver Berg/dpa, Collage: RUHR24.de

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