Bundesregierung lässt Risiken von AKW Tihange 2 prüfen

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Die Bundesregierung will mögliche Folgen eines Unfalls im umstrittenen belgischen Atomkraftwerk Tihange 2 für die grenznahe Region in Deutschland jetzt doch selbst untersuchen lassen.

Essen - Die Bundesregierung will mögliche Folgen eines Unfalls im umstrittenen belgischen Atomkraftwerk Tihange 2 für die grenznahe Region in Deutschland jetzt doch selbst untersuchen lassen.

Die Regierung habe die belgische Atomaufsicht gebeten, Daten für das AKW zur Verfügung zu stellen, heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Mittwoch) vorliegt. Auf Grundlage dieser Daten solle dann das Bundesamt für Strahlenschutz beauftragt werden, eigene Ausbreitungsrechnungen durchzuführen.

Die Ergebnisse sollten in bilateralen Gremien mit Belgien diskutiert werden, beteiligt würden auch die Bundesländer Rheinland-Pfalz, das Saarland und Nordrhein-Westfalen, hieß es weiter. Dabei gehe es etwa um die Frage, ob die Planungszonen für Notfallmaßnahmen und die Evakuierung nach einem schweren AKW-Unfall ausreichen.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, sagte den Funke-Zeitungen: "Vom zuständigen Bundesumweltministerium gerade jenes Landes, dass wegen des Risikos den Atomausstieg beschlossen hat, erwarte ich, dass es den Gefahren dieser Zeitbombe auf den Grund geht." Sie kritisierte zugleich, dass die Regierung eine von der Städteregion Aachen in Auftrag gegebene Studie als unzureichend bezeichnet hatte. Kotting-Uhl beklagte, dass die Regierung die Studie "abgekanzelt" habe, und erklärte: "Dann macht es bitte selbst besser, aber macht endlich."

Die Studie der Universität für Bodenkultur in Wien kam zu dem Ergebnis, dass ein Versagen des Reaktordruckbehälters in Tihange zu einer großräumigen und schweren Strahlenbelastung in der deutschen Grenzregion führen würde. Bei bestimmten Wetterlagen sei mit einer vergleichbaren Situation wie in der 20-Kilometer-Sperrzone rund um das japanische Atomkraftwerk Fukushima zu rechnen. Die Bundesregierung erklärte aber, sie sehe in der Untersuchung keine Basis für Konsequenzen bei der Katastrophenschutzplanung.

Das AKW Tihange liegt etwa 70 Kilometer südwestlich von Aachen. In dem 40 Jahre alten Kraftwerk nahe Lüttich gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Störfälle. - dpa

Quelle: wa.de

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