Weltweites Entsetzen

Burbach: Misshandlungen in Flüchtlingsunterkunft - Wachdienst-Mitarbeiter und Betreuer verurteilt

Ein Junge schließt ein Tor zum Flüchtlingsheim der ehemaligen Siegerland-Kaserne am 29.09.2014 in Burbach (Nordrhein-Westfalen).
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Der „Fall Burbach“ hatte weltweit für Entsetzen gesorgt: Jetzt sind Wachleute und Betreuer der Flüchtlingsunterkunft wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung zu Geldstrafen verurteilt worden. (Symbolfoto)

Das „System Burbach“ mit Gewalt und Schikane gegen Geflüchtete in einer Notunterkunft hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Am Mittwoch wurden Urteile gegen Wachdienst-Mitarbeiter und einen Betreuer gesprochen.

Siegen - Mit Geldstrafen für die verbliebenen vier Angeklagten ist am Mittwoch in Siegen (NRW) der Mammutprozess um die Misshandlung von Geflüchteten in einer Notunterkunft bei Burbach im Siegerland zu Ende gegangen.

Das Landgericht Siegen verurteilte die drei Mitarbeiter eines Wachdienstes und einen Betreuer wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung. Sie sollen mehrfach Bewohner eingesperrt haben, um sie für geringfügige Verstöße gegen die Hausordnung zu bestrafen. Das Gericht verhängte Geldstrafen zwischen 900 und 3500 Euro. Mildernd legte das Gericht unter anderem zugrunde, dass die Angeklagten im Umgang mit den teilweise psychisch erkrankten Bewohnern nicht geschult waren. 

Flüchtlingsunterkunft in Burbach: Vorfälle sorgen für Entsetzen - Wachleute demütigen Flüchtlinge

Die Vorfälle waren 2014 ans Licht gekommen, nachdem Bilder aus der Einrichtung weltweit Entsetzen ausgelöst hatten. Zu sehen waren unter anderem Wachleute, die einen Geflüchteten demütigen, indem sie ihn zwingen, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen. Das über Monate etablierte „System Burbach“ arbeitete dem Gericht zufolge mit Schikane und Gewalt. Wachpersonal und Sozialbetreuer der Landeseinrichtung hatten immer wieder Bewohner eingesperrt, gequält und geschlagen.

Diese „Strafmaßnahmen“ etwa bei Verstößen gegen die Hausordnung erfolgten häufig in einem sogenannten „Problemzimmer“.
Zweieinhalb Jahre dauerte das Verfahren. Bei Prozessbeginn Ende 2018 waren 38 Personen - darunter Wachpersonal, sogenannte Sozialbetreuer und auch die Heimleitung - unter anderem wegen Freiheitsberaubung und auch Nötigung angeklagt worden. Der frühere Heimleiter erhielt eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten.

Flüchtlingsunterkunft in Burbach: Weitere abgetrennte Fälle vor Gericht

Es sei schwierig gewesen, in diesem langen, fast unübersehbaren Verfahren die Wahrheit zu finden, sagte Richterin Elfriede Dreisbach in ihrer Urteilsbegründung am Mittwoch. Viele der Zeugen seien „nicht mehr aufzutreiben gewesen“ oder hätten sich nicht erinnern können. Die vier Angeklagten, die bis zuletzt auf ihr Urteil warten mussten, seien allesamt in diese Situation „reingeschlittert“. Keiner von ihnen wäre auf die Aufgabe vorbereitet gewesen, geflüchtete, zum Teil traumatisierte und auch psychisch kranke Menschen zu betreuen.

Die Einrichtung von „Problemzimmern“ sei zunächst ein Versuch gewesen, „der Situation Herr zu werden“. Sie wurde dann aber zu Sanktionen etwa bei Verstößen gegen die Hausordnung genutzt. Dass diese Maßnahmen zuweilen drastisch ausfielen, hätten die vier Angeklagten eingestanden und deutlich bereut. Strafschärfend berücksichtigte die Kammer dagegen, dass Menschen, die in Deutschland Schutz suchen wollten, durch das Verhalten der Angeklagten weiter enorm psychisch belastet worden seien.

Im Anschluss an das nun abgeschlossene große Verfahren müssen weitere, abgetrennte Fälle verhandelt werden.

Lesen Sie hier unsere bisherige Berichterstattung zum Prozess in Burbach. - dpa

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