Viele Parteifreunde gegen ihn

Vor CDU-Parteitag: Warum Friedrich Merz nervt

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Friedrich Merz

Das Präsidium und der Bundesvorstand kommen am Donnerstag vor dem CDU-Bundesparteitag zusammen. Friedrich Merz ist nicht dabei. In den wichtigen Gremien der Partei ist er nicht dabei. Merz hat Parteifreunde gegen sich, viele sind genervt.

Leipzig – Wenn am Donnerstagnachmittag im Steigenberger Grandhotel in Leipzig zunächst das Präsidium und dann der Bundesvorstand zu Sitzungen vor dem CDU-Bundesparteitag zusammenkommen, ist er nicht dabei: Friedrich Merz. Der Sauerländer bestimmt als möglicher Putschist gegen die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer zwar die Schlagzeilen vor dem am Freitag beginnenden Parteitag, doch in den wichtigen Gremien der Partei arbeitet der 64-Jährige nicht mit. Nicht nur deshalb hat der als Kanzlerkandidat gehandelte Merz Parteifreunde gegen sich. 

„Das nervt nur noch“, sagt Oliver Wittke über das Auftreten des früheren Unionsfraktionschefs. Wittke ist Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Ruhr. Weite Teile der Mitglieder im Ruhrgebiet könnten, so Wittke, Merz’ Kommentare von der Tribüne nicht mehr hören. Als grottenschlecht hatte Merz das Erscheinungsbild der gesamten Bundesregierung bezeichnet. Dennis Radtke, Europa-Abgeordneter der CDU für das Ruhrgebiet, machte auf Twitter seinem Unmut über den Sauerländer Luft: „Oppositionsführer? Ein-Mann-APO? Schlechter Verlierer? In jedem Fall schadet es massiv der Partei.“ 

Wittke, selbst Parlamentarischer Staatssekretär in Berlin, findet die Kritik an der Regierung inhaltlich falsch. Noch mehr ärgert ihn aber, dass Merz nicht mitspiele, sondern nur von der Seitenlinie aus reinrufe. Nach der knappen Niederlage im vergangenen Jahr gegen Kramp-Karrenbauer hätte Wittke es logisch gefunden, wenn Merz einen anderen wichtigen Posten übernommen hätte. Für den Fast-Parteivorsitzenden hätte man durchaus einen weiteren Stellvertreterposten schafen können. Doch Merz habe sich verweigert. 

Comeback: Das ist Friedrich Merz

Das nehmen selbst Christdemokraten im Sauerland Friedrich Merz übel. Hier träumen viele Unionsmitglieder von einem Kanzler Merz, aber längst nicht alle. Beim Bezirksparteitag der CDU Südwestfalen in Siegen Anfang der Woche schlug ein Mitglied Merz als Beisitzer im Vorstand vor. Doch der war gar nicht da. „Schade, dann könnte er mal sehen, wie Gremienarbeit funktioniert“, lautete der spöttische Kommentar des Antragstellers. 

Etwas wohlwollender blickt Klaus Kaiser auf das Agieren des Mannes, der für die eine Hälfte der Partei ein Hoffnungsträger, für die andere Hälfte lediglich ein Egoist ist. Kein Wunder, Kaiser ist Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Südwestfalen und kommt wie Merz aus Arnsberg. Ja, Merz polarisiere, aber es werde auch viel in dessen Äußerungen hinein interpretiert. Zur Frage der nächsten CDU-Kanzlerkandidatur sagt Kaiser im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es geht nicht um die Karriereplanung eines Einzelnen, sondern darum, was das Beste für Deutschland und das Beste für die CDU ist.“ 

Personalfrage steht derzeit nicht an

Bei diesem Thema äußern sich Kaiser und Wittke unterschiedlich. „Selbstverständlich“ habe, so Wittke, Kramp-Karrenbauer als Parteichefin das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur. Der Sauerländer Kaiser sieht das etwas anders. Ja, formal sei das so. Er sagt aber auch: „Wir werden das zu gegebener Zeit in Ruhe überlegen.“ 

Hier sind sich dann beide Christdemokraten wieder einig, nämlich: Für beide steht die Personalfrage derzeit nicht an. Die CDU dürfe nicht denselben Fehler wie die SPD machen und nur übers Personal streiten. Und: Wittke und Kaiser sehen auf dem Parteitag keine Mehrheit für den Antrag der Jungen Union für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten. 

Sie erwarten einen undramatischen Parteitag, bei dem es um Sachfragen gehen werde. Einen Putsch werde es nicht geben. „Die CDU ist nicht die SPD. Hier wird keiner in lafontainscher Manier eine flammende Rede halten und dann ist alles anders“, sagt Wittke. Er spielt damit auf den Sturz des SPD-Vorsitzenden Scharping durch Oskar Lafontaine auf einem Parteitag vor 24 Jahren an.

Friedrich Merz hält sich im Gespräch. In einem Interview deutet er mögliche Kanzler-Ambitionen an - und kritisiert den Zustand von AKKs CDU. Diese gerät vor dem Parteitag immer weiter unter Druck.

Quelle: wa.de

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