Am frühen Donnerstagmorgen

Verdacht auf Clankriminalität: Vier Männer nach Razzia festgenommen

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Mehrere Stunden lang durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei das Gelände eines Autohändlers an der Schlagbaumer Straße. 

Gemeinsamer Schlag des LKA NRW, der Polizei Düsseldorf und der Polizei Wuppertal. Auslöser war die Entführung eines niederländischen Autohändlers.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ein gemeinsamer Schlag gegen Clankriminalität ist Donnerstag am frühen Morgen den Kräften eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei Düsseldorf und Wuppertal gelungen. Über mehrere Stunden durchsuchten die Beamten elf Objekte, darunter Firmen und Privatwohnungen in Solingen, Wuppertal, Essen, Düsseldorf und Bielefeld. Vier Männer im Alter von 24, 30, 32 und 57 Jahren wurden dabei festgenommen. Gegen sie lagen Haftbefehle wegen des Verdachts auf erpresserischen Menschenraub, gefährliche Körperverletzung und Betrug vor. Die Federführung hatten die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das Landeskriminalamt (LKA) NRW.

Auslöser der Ermittlungen war die gewaltsame Entführung eines niederländischen Autohändlers im Jahr 2017, wie solinger-tageblatt.de* berichtet. Der Mann fiel auf ein Angebot der Beschuldigten herein, einen angeblich hochwertigen Pkw kaufen zu können. Der Händler hatte bereits eine Anzahlung in fünfstelliger Höhe für das Auto geleistet. Statt aber, wie geplant, das Fahrzeug in Empfang nehmen zu können, verschleppten ihn die Beschuldigten vom vereinbarten Übergabeort in den Niederlanden nach Solingen, um weiteres Geld von ihm zu erpressen.

„Kriminelle Clans sind vielfältig aufgestellt.“
André Faßbender, LKA NRW

Dabei wandten sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft massive körperliche Gewalt an, schlugen und stachen auf das Opfer mit einem Messer ein und machten so erneut Beute. Der Niederländer, der sich einen ganzen Tag lang in der Gewalt seiner Peiniger befand, hatte unmittelbar nach dem Vorfall Strafanzeige erstattet. Alle Tatverdächtigen sind einem türkisch-arabisch-stämmigen Familienclan zuzurechnen. Generell wird auch Solingen von einigen kriminellen Clans als Rückzugsort genutzt.

Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Männer über Schusswaffen verfügen, erfolgten die Festnahmen durch Spezialeinheiten sowie Beamte einer im vergangenen Jahr gegründeten „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ (BFE) der Bereitschaftspolizei. Diese ist den Hundertschaften angegliedert und ihre Kräfte sind speziell darauf geschult, Beweismaterial zu sichern und zu dokumentieren – sowie mutmaßliche Straftäter festzunehmen.

Bei ihren Einsätzen stellten die Beamten unter anderem sechs Fahrzeuge sicher – darunter hochpreisige Autos wie einen Porsche Panamera, einen BMW X5 und einen Mercedes AMG. Diverse Datenträger, Mobiltelefone, eine zweistellige Kilogrammmenge unversteuerter Wasserpfeifentabak sowie Bargeld wurden außerdem beschlagnahmt. Einsatzort in Solingen war das Gelände eines Autohändlers an der Schlagbaumer Straße. Dort waren die Beamten bis in die späten Morgenstunden im Einsatz und ließen mehrere Fahrzeuge abschleppen.

„Die Beschuldigten haben sich widerstandslos festnehmen lassen“, berichtet André Faßbender, Sprecher des LKA NRW. Bei der Bekämpfung von Clankriminalität setzten die Strafverfolgungsbehörden auf einen „ganzheitlichen Ansatz“. Somit werden die Ermittlungen schwerpunktmäßig von der neu gegründeten „Task Force NRW“ geführt, die sich aus Beamten des LKA, der Steuerfahndung und der Justiz zusammensetzt.

Durch diese Strategie der Nadelstiche wolle man die Organisierte Kriminalität auf unterschiedlichen Ebenen angreifen. „Kriminelle Familienclans sind vielfältig aufgestellt“, begründet Faßbender diese Strategie. „Von Betrugsmaschen über Drogenhandel umfassen die Aktivitäten alles, womit man Geld machen kann.“ Die umfangreichen Ermittlungen dauern an.

Clankriminalität im Städtedreieck

Im Jahr 2018 wurden laut dem Lagebild Clankriminalität des LKA NRW 136 Straftaten von 88 Tatverdächtigen mit Clan-Zugehörigkeit im Städtedreieck verübt. Zahlen für das vergangene Jahr wurden noch nicht veröffentlicht. Zahlreiche Tatverdächtige wohnen laut Polizeiangaben im Bergischen Land. Auch Solingen diene ihnen zum Teil als Rückzugsort für kriminelle Aktivitäten.

Bei einer Razzia in Shisha Bars in Gelsenkirchen fanden Zoll und Polizei in der vergangenen Woche schlimme Zustände vor.

*solinger-tageblatt.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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