Fleischverwerter erneut betroffen

Corona-Ausbruch bei Westfleisch in Hamm: Hunderte in Quarantäne, Security im Einsatz

Corona-Massentestung Westfleisch Hamm 2020
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Schon im vergangenen Jahr gab es einen Massentest bei Westfleisch in Hamm.

Beim Fleischverwerter Westfleisch in Hamm gibt es in mehreren Abteilungen aktuell einen Ausbruch des Coronavirus. Es wird rigoros durchgegriffen, gibt aber auch Unterschiede zum jüngsten Großeinsatz in der Stadt.

Hamm - Bei 36 Beschäftigten war bis Mittwoch das Coronavirus nachgewiesen worden, mindestens zwei von ihnen tragen die britische Virusmutation in sich. Weil die vornehmlich aus Rumänien stammenden Arbeiter in wie Herter es sagte „nicht überschaubaren Wohnverhältnissen“ leben, seien inzwischen mehrere Wohnhäuser an drei Standorten im Stadtgebiet unter Quarantäne gestellt worden. 360 Personen - Kollegen, Familienmitglieder, Kinder - sind davon bislang betroffen. (News zum Coronavirus in Hamm)

„Ein so markantes Auf und Ab der Infektionszahlen ist auch für Hamm ungewöhnlich. Diese Schwankungen hängen mit einem Ausbruchsgeschehen bei Westfleisch in Uentrop zusammen“, sagte der Oberbürgermeister von Hamm, Marc Herter (SPD).

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.397 (2016)

In wie vielen Häusern die Infizierten und Kontaktpersonen an den drei Adressen leben, ist noch unklar. „Die haben wir noch nicht gezählt“, sagte Herter. Insbesondere, weil in einigen der Immobilien Gemeinschaftsräume und -küchen den Lebensmittelpunkt verschiedener Wohneinheiten bildeten, sei so rigoros vorgegangen worden.

„Die Situation die wir vorgefunden haben, ist uns wohlbekannt und entspricht derer, die wir schon vor drei Wochen feststellen mussten“, erklärte Herter weiter. Zuletzt war es Mitte Februar an vier Orten über das Stadtgebiet verteilt zu einem Großeinsatz von Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Polizei und Arbeitsschutz gekommen, um die Ausbreitung der britischen Virus-Variante einzudämmen.

Corona bei Westfleisch in Hamm: Täglich Schnelltests und PCR-Tests

Westfleisch führt seit dem Massenausbruch bei Tönnies im vergangenen Jahr und einer darauf folgenden Reihentestung der Westfleisch-Mitarbeiter in Hamm täglich PCR-Tests bei allen Beschäftigten durch. Über diesen Weg wurden in den zurückliegenden Monaten immer wieder Einzelfälle herausgefiltert, ein Ausbruch im Werk wurde verhindert. „Weil sich das Infektionsgeschehen jetzt verdichtet, sind wir als Stadt wieder dabei“, sagte Herter.

Für die negativ getesteten Mitarbeiter der betroffenen Abteilungen wurde eine Arbeitsquarantäne verhängt. Sie dürfen ihre Wohnung also nur für die Arbeit und den Weg dorthin verlassen. „Westfleisch überwacht eigenverantwortlich, dass das eingehalten wird“, erklärte Herter. Darüber hinaus werde neben dem täglichen PCR-Test nun auch ein Schnelltest durchgeführt, um sofort Klarheit über eine mögliche Infektion zu haben und nicht einen oder zwei Tage auf das Ergebnis warten zu müssen.

Corona bei Westfleisch in Hamm: Sicherheitsdienst überwacht Quarantäne

Westfleisch ist zudem für die Überwachung der Quarantäne an den drei Wohnstandorten zuständig (das UNternhemen ist überwiegend auch Mieter) und hat einen Sicherheitsdienst engagiert. Darüber hinaus ist der Fleischverwerter für die Versorgung der Mitarbeiter und ihrer Familien mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Gütern verantwortlich.

Die betroffenen Kinder - zu der Anzahl und besuchten Schulen und Kitas konnten noch keine Angaben gemacht werden - sind für die Quarantäne-Zeit vom Präsenzunterricht ausgeschlossen und dürfen nicht in die Kita gehen.

„Mit diesen Maßnahmen tun wir alles dafür und stellen sicher, dass von den Betroffenen und Kontaktpersonen niemand mehr auf der Straße zu finden sein wird“, sagte Herter. Das Infektionsgeschehen sei so als eingedämmt und blockiert zu bezeichnen.

Ob sich das Virus bei Westfleisch oder in den jeweiligen Wohngebäuden verbreitet hat, sei noch nicht abschließend geklärt. Über den Corona-Ausbruch bei Westfleisch in Hamm berichtet auch Ruhr24.de*.

Corona bei Westfleisch in Hamm: Stadt testet Kontaktpersonen nicht

Anders als beim Großeinsatz vor drei Wochen, in dessen Rahmen alle unter Quarantäne gestellten Personen getestet wurden, sind nun unterdessen keine routinemäßigen Tests der Kontaktpersonen vonseiten der Stadt geplant. „In diesem Fall liegen Arbeitgebertestungen vor. Das war im Februar nicht so. Es werden in den nächsten Tagen nur diejenigen getestet, die Symptome zeigen“, erklärte Stadtsprecher Detlef Burrichter.

Die Infektionsschutzmaßnahmen bei Westfleisch sind auch abseits des aktuellen Ausbruchsgeschehen hoch. Jeden Tag wird bei allen Mitarbeitern vor Schichtbeginn ein PCR-Test durchgeführt. Die Ergebnisse stehen meist am Folgetag fest. Weil so Infektionen erst mit leichter Verzögerung bekannt werden und das Virus begrenzt zirkulieren könnte, werden nun zusätzlich auch täglich Schnelltests durchgeführt – ebenfalls bei allen Mitarbeitern.

Corona bei Westfleisch in Hamm: Zerleger-Team primär betroffen

Bei den weit über 200.000 Tests, die seit dem vergangenen Sommer in Uentrop durchgeführt wurden, seien nur punktuell positive Fälle bekannt geworden. „Überwiegend handelte es sich dabei um Mitarbeiter, die wegen Urlaub oder Neueinstellung nicht im täglichen Testrhythmus waren“, teilte ein Sprecher mit.

Seit dem vergangenen Sommer habe der Konzern seine Mitarbeiter in verschiedene, unterschiedlich große Teams eingeteilt, die gemeinsam arbeiten, sich eine Wohnung teilen und auch gemeinsam den Arbeitsweg bestreiten. Der aktuelle Ausbruch beschränke sich weitgehend auf ein Zerleger-Team; die Ansteckungen sollen im privaten Umfeld stattgefunden haben. Zweimal wurde die britische Variante festgestellt, 34 Mal der Urtyp des Virus. *Ruhr24.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Corona in Hamm - auch das interessiert Leser aktuell:

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