Diskussionen im Sauerland

Bürgermeister (59) bereits gegen Corona geimpft - so erklärt er das

Ein Bürgermeister aus dem Sauerland hat sich gegen Corona impfen lassen, obwohl er - zumindest auf den ersten Blick - nicht zur Gruppe der Impfberechtigten zählt. So erklärt der Politiker den Schritt.

Eslohe (NRW) - Die Impfstrategie in Deutschland steht in der Kritik. Vor allem wird bemängelt, dass es zu wenig Impfstoff gegen Corona gibt und dass die Terminvergabe für die Gruppe der Menschen über 80 Jahre zum Teil chaotisch verlief. (News zum Coronavirus)

StadtEslohe
Fläche113,4 km²
Postleitzahl59889
Vorwahl02973
BürgermeisterStephan Kersting (CDU)

In der Tat laufen die Impfungen gegen Corona bislang noch nicht so, wie sich alle Beteiligten das vorgestellt hatten. Wegen eines Lieferengpasses beim Impfstoff-Hersteller Biontech setzte das Land NRW sogar zeitweise die Erstimpfungen in Altenheimen aus, damit die vorhandenen Impfdosen für die Zweitimpfungen genutzt werden können, die nach Angaben der Ständigen Impfkommission (STIKO) innerhalb von maximal sechs Wochen nach dem ersten Impftermin vorgenommen werden sollen. Bund und Länder veranstalteten wegen der Probleme sogar einen Impfgipfel, um alle Schwierigkeiten auf den Tisch zu bringen.

Corona-Impfung: Bürgermeister von Eslohe bereits geimpft - so erklärt er das

Im Sauerland sorgt nun die Nachricht für Irritationen, dass ein Bürgermeister sich bereits gegen Corona impfen lassen hat - obwohl er auf den ersten Blick mit 59 Jahren und als Politiker nicht zur Gruppe der priorisierten Personen zählt. Auf den zweiten Blick hatte Stephan Kersting (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Eslohe im Hochsauerlandkreis (NRW) allerdings doch eine Berechtigung dazu.

Denn der 59-Jährige, der seit 2009 im 8000-Einwohner-Ort regiert, ist parallel zu seiner Tätigkeit als Bürgermeister auch Geschäftsführer des Seniorenheims „Störmanns Hof“, dessen Träger zu 100 Prozent die Gemeinde Eslohe ist. Auch Gemeindekämmerer Michael Nemeita gehört zur Geschäftsführung der Einrichtung - und ließ sich ebenfalls gegen Corona impfen*. „Die formale Berechtigung ergibt sich eben aus der Tätigkeit von Herrn Nemeita und meiner Person in Störmanns Hof“, erklärt Stephan Kersting.

Normalerweise habe der Bürgermeister eine Impfung gegen Corona zu einem so frühen Zeitpunkt abgelehnt, obwohl sie ihm als Geschäftsführer von „Störmanns Hof“ angeboten worden sei. Doch dann sei deutlich geworden, dass sich zur ersten Anmeldefrist für die Corona-Impfung in dem Seniorenheim, weniger als 40 Prozent der Mitarbeiter für eine Verabreichung des Impfstoffes bereit erklärt hätten. „Sehr unbefriedigend“, wie Bürgermeister Stephan Kersting meinte.

Eigene Corona-Impfung als Appell an die Mitarbeiter: Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting.

Corona-Impfung: Bürgermeister von Eslohe bereits geimpft - „Mitarbeitern die Angst nehmen“

Man habe daraufhin ergründet, dass viele Mitarbeiter eine „diffuse Angst“ vor Nebenwirkungen der Impfung gehabt hätten. Also habe Kersting einen Brief an die Beschäftigten gerichtet, in dem er zur Impfung gegen Corona aufruft. „Aufgrund der für mich doch enttäuschenden Anzahl von Einwilligungen zum Impfen haben sich Herr Nemeita und ich entschlossen mit ‘gutem Beispiel’ voranzugehen und uns als ‘Chefs’ von Störmanns Hof ebenfalls impfen zu lassen. Wir haben uns dazu entschlossen, um Sie eindringlich zu bitten, sich ebenfalls impfen zu lassen“, heißt es in dem Schreiben, das auch der Redaktion vorliegt.

Mit diesem Schritt wollte er den Mitarbeitern ihre Angst nehmen und zusätzliches Vertrauen aufbauen, erklärte der Bürgermeister von Eslohe. Dass das für Diskussionen sorgen könnte, sei ihm klar gewesen. Doch das nahm Kersting in Kauf - mit Erfolg: „Die Impfbereitschaft und die Anmeldungen stiegen innerhalb der kurzen Frist bis zum Anmeldungsende auf über 74 Prozent“, berichtete der CDU-Politiker, der sich darin bestätigt sieht, zumindest einem Teil der Belegschaft die Angst vor der Corona-Impfung genommen zu haben. - *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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