Corona-Pandemie

Corona: Impf-Hammer in NRW - Land gibt 400.000 Astrazeneca-Dosen frei

NRW stoppt teilweise die Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. Wie soll es jetzt weitergehen? Am Mittwoch (31. März) hat sich dazu Karl-Josef Laumann geäußert.

Update, Mittwoch (31. März), 12 Uhr: Düsseldorf - Nach dem Stopp der Corona-Impfungen mit Astrazeneca für unter 60-Jährige in Nordrhein-Westfalen will das Land nun die frei gewordenen Impfdosen allen über 60-Jährigen in NRW anbieten. Damit kommt diese Bevölkerungsgruppe – unabhängig vom Beruf oder der Priorität – deutlich früher zum Zuge, als geplant.

NRW gibt 400.000 Corona-Impfungen von Astrazeneca für Menschen über 60 Jahre frei

Es gehe zunächst um 400.000 Astrazeneca-Impfdosen, teilte NRW-Gesundheitsminister Minister Laumann in einer Pressekonferenz am Mittwoch (31. März) mit. Ab Samstag (3. April) sollen die Termin-Plattformen der Kassenärztlichen Vereinigungen in NRW dafür freigeschaltet werden. Die Impfungen sollen in den Impfzentren in NRW stattfinden. Laumann bat vorab um Verständnis, sollten die Plattformen aufgrund des hohen Andrangs nicht reibungslos laufen.

Für Menschen über 60 Jahre wird der Impfstoff von Astrazeneca weiterhin uneingeschränkt empfohlen. In dieser Gruppe sind bislang keine Auffälligkeiten was Thrombosen betrifft bekannt geworden.

NRW: Corona-Impfzentren sollen länger öffnen und mehr Impfstraßen bieten

Damit es aufgrund des Astrazeneca-Impfstopps für unter 60-Jährige nicht zu einer grundsätzlichen Verzögerung der Corona-Impfungen in NRW kommt, sollen die Impfzentren in den kommenden Tagen ihre Öffnungszeiten ausweiten, kündigte Laumann an. Auch weitere Impfstraßen in den Zentren sollten öffnen.

Ab Dienstag nach Ostern sollen dann erstmals Menschen im Alter 79 bis 80 gegen Corona geimpft werden. Außerdem steigen im April auch die Hausarztpraxen in NRW ins Impfen gegen Corona ein. Laumann geht deshalb vorerst nicht von einer Verzögerung aller Corona-Impfungen im Land aus. Das Land erwarte im April ohnehin weitere 1,5 Millionen Impfstoffdosen der Firmen Biontech und Moderna.

Biontech und Moderna statt Astrazeneca: Land NRW ändert Impfplan für manche Berufsgruppen

Unter 60-jährige Menschen aus Berufsgruppen (etwa Lehrer oder Polizisten), die eigentlich mit dem Impfstoff von Astrazeneca hätten geimpft werden sollen, sollen in NRW nun mit zurückgestellten Impfdosen der Firmen Biontech und Moderna gegen das Coronavirus geimpft werden, sagte Laumann.

Wie es mit Menschen weitergeht, die unter 60 Jahre alt sind und bereits eine erste Astrazeneca-Impfung bekommen haben, soll Ende April entschieden werden, wenn dem Land Studien zu der Angelegenheit vorliegen.

Astrazeneca-Impfungen in NRW: Land ändert Anti-Corona-Pläne

Erstmeldung, Mittwoch (31. März), 9.18 Uhr: Düsseldorf – Astrazeneca: Diese elf Buchstaben lösen inzwischen bei vielen Menschen in NRW Unbehagen aus. Dabei hilft die Corona-Impfung des schwedisch-britischen Konzerns im Kampf gegen Covid-19 – und das soll auch weiterhin so bleiben. Nach schweren, aber seltenen Thrombose-Fällen ändert das Bundesland nun dennoch seine Impf-Strategie. RUHR24* erklärt, wie es jetzt weitergeht.

Corona-Inzidenz in NRW130,7 (Stand: 31. März)
Aktuell infizierte Personen45.600
Bislang Verstorbene14.194

Corona in NRW: Stopp von Astrazeneca-Impfungen für unter 60-Jährige

So setzt Nordrhein-Westfalen die Impfungen mit dem Impfstoff der Firma Astrazeneca für unter 60-Jährige vorläufig aus. Zuvor hatten fünf der sechs Uni-Kliniken in NRW in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und Landesgesundheitsminister auf einen vorläufigen Stopp der Impfungen für jüngere Frauen gedrungen. Das Risiko weiterer Todesfälle sei für die Altersgruppe zwischen 20 und 29 zu hoch.

Damit ändert sich die Impf-Strategie in NRW grundlegend. Denn kurz nach der Zulassung des Wirkstoffs hatte NRW zunächst nur Menschen unter 65 mit Astrazeneca geimpft, da es keine ausreichenden Daten zu Nebenwirkungen bei der Gruppe „Ü60“ gegeben hatte.

Astrazeneca in NRW: Menschen ab 60 sollen Corona-Impfstoff weiterhin bekommen

Inzwischen hat sich die Lage grundlegend geändert. Zur Wirkung des Astrazeneca-Impfstoffs für ältere Menschen gibt es genug Erkenntnisse. Er gilt in dieser Altersgruppe als sicher.

Für die Gruppe der unter 60-Jährigen gibt es inzwischen aber Zweifel. Die sind so groß, dass sich die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Dienstag (30. März) dazu entschieden hatte, die Impfung mit Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige zu empfehlen.

Astrazeneca: Mehrere Todesfälle in NRW nach Corona-Impfung

Zuvor waren vor allem bei Menschen unter 60 in sehr seltenen Fällen vier bis 16 Tage nach der Impfung sehr schwere thromboembolische Nebenwirkungen aufgetreten. In Deutschland sind laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekannt. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut berichtete.

Auch in NRW war es vermutlich deshalb zu Todesfällen gekommen – etwa bei einer Frau (47) aus Euskirchen*. Auch eine 28 Jahre alte Frau aus Bonn war nach der Impfung im Kreis Euskirchen an einer solchen Thrombose erkrankt. Sie befindet sich laut Kreis „in einem stabilen Zustand und wird in einer Spezialklinik versorgt“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Essen (NRW): Mann stirbt nach Impfung mit Corona-Impfstoff von Astrazeneca

Im Universitätsklinikum Essen war am vergangenen Mittwoch ein 36 Jahre alter Mann gestorben, der zuvor im Kreis Kleve mit Astrazeneca geimpft worden war. Er war mehrere Tage nach der Impfung ins Uniklinikum Essen gebracht worden. Dort sei er „an den Folgen thromboembolischer Komplikationen“ gestorben, erklärte die Klinik. Ein Zusammenhang zur vorausgegangenen Impfung mit Astrazeneca sei möglich. Die Untersuchung des Todesfalls laufe.

Was heißt die Entscheidung der Stiko nun für NRW? Das Land betont, dass die Impfkampagne fortgesetzt werden soll. Von den Astrazeneca-Vorfällen sind Impfungen mit den Wirkstoffen von Moderna und Biontech unberührt.

Corona: Biontech und Moderna statt Astrazeneca-Impfung für unter 60-Jährige in NRW

Wer unter 60 Jahre alt ist und mit Astrazeneca hätte geimpft werden sollte, bekommt ab dem 1. April den Impfstoff von Biontech oder Moderna*. Ausgefallene Termine sollen umgehend nachgeholt werden, verspricht die Landesregierung. Über das weitere Vorgehen mit Astrazeneca will NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch (31. März) in einer Pressekonferenz informieren (RUHR24 berichtet in Form von Updates in diesem Text).

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will nun flexibler mit dem Impfstoff von Astrazeneca umgehen .

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte indes bei NTV an, im Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca mehr Flexibilität an den Tag legen zu wollen. Den Impfstoff müsse man „auch den Hausärzten geben, denn die haben eine besondere Vertrauensbeziehung zu ihren Patienten, die können dann auch beurteilen, ist es angemessen oder ist es zu gefährlich“.

Den Impfstopp für unter 60-Jährige bezeichnete Laschet bei NTV als „ärgerlichen Vorgang“. Er gab jedoch an, dass viele ältere Menschen nach wie vor bereit seien, sich mit Astrazeneca impfen lassen zu wollen.

Wohl keine zweite Impfung mit Astrazeneca für unter 60-Jährige in NRW

Unklar ist bislang, was mit jüngeren Menschen passiert, die bereits eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben und auf die Folgeimpfung warten. Die Ständige Impfkommission will dazu bis Ende April eine ergänzende Empfehlung ausgeben.

Da die Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff Anfang Februar begonnen wurde, sind bei einem empfohlenen Impfabstand von 12 Wochen die ersten Zweitimpfungen Anfang Mai vorgesehen (hier mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24.de lesen).

Unterdessen glaubt der nordrhein-westfälische SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass die Entscheidung über den Astrazeneca-Impfstoff in NRW keine großen Auswirkungen auf die Impfkampagne haben werde. „Ich glaube, dass wir nach einer kurzen Delle tatsächlich das Impftempo wieder erreichen werden“, sagte Lauterbach im ZDF. Es ginge ja kein Impfstoff verloren, so Lauterbach, dieser werde nun nur anders eingesetzt. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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