Alarmierender Trend

Corona in NRW: Inzidenz sinkt nach Ostern – aber ein Wert bereitet Sorgen

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in NRW erneut gesunken. Die Entwicklung nach Ostern ist allerdings kein Grund zur Freude. Der Corona-Schein trügt.

NRW – Seit dem 30. März sinkt der Inzidenzwert in NRW stetig. Lag er vor genau einer Woche noch bei 138,1, wies ihn das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen am Dienstag (6. April) mit 121,0 aus. Am Ostermontag (5. April) hatte die Kennziffer noch bei 123,9 gelegen, berichtet RUHR24*.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Corona in NRW: Inzidenzwert sinkt trotz übler Ostern-Prognose seit Tagen

Dabei hatte das Robert Koch-Institut (RKI) vor Wochen extrem hohe Inzidenz-Werte für die Woche nach Ostern* prognostiziert. Wegen der Ausbreitung der Mutation B.1.1.7 rechnete die Bundesbehörde damit, dass die täglichen Fallzahlen beim Coronavirus* ab der Kalenderwoche 14 in etwa auf das Niveau von Weihnachten 2020 ansteigen werden.

Bislang ist davon allerdings noch nichts zu sehen. Denn auch die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstagmorgen mit 123,0 nur knapp über dem Wert von NRW. Hat sich das RKI etwa vertan und die Corona-Situation ist in Deutschland längst nicht so schlimm, wie befürchtet? Im Gegenteil.

Coronavirus: Sieben-Tage-Inzidenz sinkt – Zahl der Intensiv-Patienten steigt nicht nur in NRW stetig an

Wer am langen Osterwochenende oder am Dienstag danach das Covid-19-Dashboard des RKI geöffnet hat, bekam zunächst einen Hinweis zu sehen. Weniger Menschen würden einen Arzt aufsuchen, weshalb weniger Proben genommen und untersucht werden. Entsprechend erreichten die Gesundheitsämter weniger Nachweise einer Infektion. Zudem könne es sein, dass nicht alle Ämter und Landesbehörden die Daten täglich an das RKI übermitteln.

Mit anderen Worten: Die Daten zum langen Osterwochenende sind nur begrenzt belastbar. Der gesunkene Inzidenzwert ist deshalb kein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. Erst die kommenden Tage werden zeigen, ob es an Ostern tatsächlich weniger Ansteckungen gegeben hat. Ein anderer Datensatz bereitet derweil schon jetzt Sorgen (mehr Corona-News aus NRW* auf RUHR24).

Die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensivstation nimmt seit Tagen zu.

Denn anders als der Inzidenzwert steigt die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle seit Tagen an. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervor, welches täglich die freien und belegten Betten in der Intensivmedizin in deutschen Krankenhäusern erfasst.

Intensivmediziner schlagen wegen steigender Zahl an Corona-Patienten auf Intensivstationen Alarm

Am Dienstag (6. April, 12 Uhr) wurden demnach 918 Patienten in Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen intensivmedizinisch behandelt. Am Ostermontag hatte der Wert noch bei 862 gelegen, Ostersonntag bei 838. Dieser besorgniserregende Trend ist kein exklusives NRW-Problem. In ganz Deutschland steigt die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle seit Tagen an.

Nicht zuletzt angesichts dieser Entwicklung forderte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) einen „Brücken-Lockdown“*. „Geschieht nichts, werden die Zahlen weiter erheblich zunehmen“, warnte der CDU-Politiker. Man dürfe sich von den niedrigen Werten während der Feiertage nicht täuschen lassen.

Gernot Marx (55), Präsident der Vereinigung der Intensivmediziner, unterstützte den Vorstoß von Armin Laschet. Die Lage sei sehr dramatisch, das Infektionsgeschehen müsse eingedämmt werden. Bereits Ende März forderte Marx einen harten Lockdown für zwei oder drei Wochen.

Corona: „Bei deutschlandweit mehr als 5.000 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation wird es kritisch“

„Wir rennen sehenden Auges ins Verderben“, warnte der 55-Jährige damals. Christian Karagiannidis, der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, stimmte dem zu. Bei deutschlandweit mehr als 5.000 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation werde es langsam wirklich kritisch.

Am Dienstag verzeichnete das DIVI-Intensivregister 4.340 Corona-Patienten auf Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern. Angesichts des zuletzt rasanten Wachstums ist es wohl nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis der Wert von 5.000 überschritten wird. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stefanie Loos/AFP-Pool

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