Schuljahr beginnt am 18. August

Schulstart in NRW trotz Corona: Das ist der aktuelle Plan für nach den Ferien

An den Schulen in NRW soll nach den Sommerferien uneingeschränkter Präsenzunterricht stattfinden. Das Schulministerium setzt auch im neuen Schuljahr auf das Prinzip Hoffnung.

Düsseldorf – Zwischen steigenden Corona-Zahlen und unterschiedlichen Meinungen hinsichtlich der Impfung von Kindern und Jugendlichen* neigen sich die Sommerferien in NRW allmählich dem Ende. Wenn am 18. August das neue Schuljahr beginnt, sollen möglichst wenig Corona-Regeln den Schulbetrieb beeinträchtigen, berichtet RUHR24*. Doch wie lange geht das gut?

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Schule in NRW: Landesregierung setzt nach den Ferien am 18. August auf Präsenzunterricht

Am 30. Juni verschickte das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen* eine Schulmail mit dem Titel „Rahmenbedingungen für den Start in das neue Schuljahr 2021/2022“. Der Tenor ist deutlich: Ein so kräftezehrendes Schuljahr, wie das zurückliegende, soll es im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht noch einmal geben.

Man wolle das neue Schuljahr so beginnen, wie das vergangene beendet wurde: mit Präsenzunterricht für alle Schüler. Obwohl die Corona-Zahlen in Deutschland und NRW seit Wochen steigen, hat sich an den Plänen bislang nichts geändert. An den grundsätzlichen Regeln soll an den Schulen in NRW* nach den Ferien festgehalten werden.

Schule in NRW: Weiter zwei Corona-Tests pro Woche – Lockerungen für zwei Fächer

Das heißt konkret: Der Unterricht findet in allen Fächern in vollem Umfang und in Präsenz statt, die Hygiene-Regeln an den Schulen gelten weiterhin. Unverändert sind im neuen Schuljahr auch die zwei Corona-Tests pro Woche. Wer vollständig geimpft ist, wird davon befreit. An Grund- und Förderschulen sowie weiteren Schulen mit Primarstufe werden statt der Antigen-Tests die PCR-basierten Lolli-Tests eingesetzt*.

Im Innenbereich der Schulen muss auch im neuen Schuljahr eine medizinische Maske getragen werden, im Freien ist das nicht erforderlich. Das Schulministerium will die Notwendigkeit der Maskenpflicht nach den Sommerferien aber erneut prüfen. Einschulungen können wie gewohnt stattfinden. Laut Schulministerium werden im Schuljahr 2021/22 rund 166.000 Kinder in NRW eingeschult.

Rund 166.000 Kinder werden in NRW eingeschult. Bleiben sie von strengen Corona-Regeln verschont?

Gelockert werden sollen die Regeln für den Sport- und Musikunterricht. Schrittweise soll in beiden Fächern wieder die Umsetzung der Lehrpläne in Gänze ermöglicht werden, heißt es vom Schulministerium. Der Sportunterricht soll wieder regulär stattfinden – draußen ohne, in der Halle bei Nicht-Einhaltung der Mindestabstände zunächst mit Maske.

NRW: „Ankommen nach Ferien“ Motto an den Schulen – Corona-Aufarbeitung im Mittelpunkt

Ähnlich sehen die Pläne für den Musikunterricht aus. Singen und das Musizieren mit Blasinstrumenten soll zunächst im Freien wieder möglich sein. Im Innenraum sind jeweils die Corona-Regeln des Land- oder Stadtkreises verbindlich. Für den Sport- und Musikunterricht galten im vergangenen Schuljahr strengere Vorgaben, als für andere Fächer (mehr News zu Corona in NRW* bei RUHR24).

Neu ist an den NRW-Schulen im kommenden Schuljahr zudem, dass in den ersten Wochen nicht ausschließlich der Unterricht im Vordergrund stehen soll. „Ankommen nach den Ferien“ lautet das Motto, welches das Schulministerium unter der Leitung von Yvonne Gebauer (FDP) für die Zeit nach dem Schulstart ausruft.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will den Fokus nach Ferien nicht auf die Leistungsüberprüfung legen.

In den ersten Tagen sollen drei Dinge im Mittelpunkt stehen: die „emotionale und psychosoziale Unterstützung der einzelnen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die Förderung des sozialen Miteinanders sowie die Entwicklung der Lernfreude“. Den Schulen werden für die Gestaltung dieser Zeit Freiräume ermöglicht. Klar ist nur: „Leistungsüberprüfungen sollen in dieser Zeit so weit wie möglich vermieden werden.“

Schule in NRW: Prinzip Hoffnung dominiert – große Sorge in anderen Bundesländern

Das NRW-Schulministerium schlägt etwa Team-Building-Maßnahmen oder Maßnahmen im Bereich des Sports, um auf den Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie zu reagieren, vor. Die Schulen sollen letztlich aber selbst entscheiden, welche Maßnahmen und welcher Zeitrahmen des „Ankommens nach Corona“ für sie und ihre Schüler sinnvoll sind.

Fraglich ist allerdings, wie lange die Schüler nach dem „Ankommen“ in den Schulen in NRW bleiben können. Denn in puncto Corona hat sich seit der Schulmail vom 30. Juni einiges getan. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile bei 24,5 (Stand: 2. August) und nicht mehr bei 6,0 wie noch am 30. Juni. Alarmierend ist der Wert noch nicht, doch die Sommerferien enden erst in zwei Wochen und die Urlaubssaison ist längst nicht vorbei.

In Schleswig-Holstein sind die Ferien bereits vorbei. Der Unterricht findet mit Maske statt.

In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hat das neue Schuljahr bereits begonnen. In Brandenburg geht es eine Woche eher los als in NRW. Dort kritisierte Rene Mertens, Sprecher des Landeselternrats, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die unzureichende Vorbereitung an den Schulen. „Die Probleme wurden erkannt, Lösungen dafür wurden nicht ausreichend gefunden. Es agiert immer noch das Prinzip Hoffnung, dass die Infektionszahlen nicht wieder steigen.“

Schulstart nach den Ferien in NRW: Sind Impfungen für Kinder und Jugendliche die Lösung?

Laut Mertens sei eine gezielte Unterstützung mit Blick auf die „massiven Lernrückstände“ ausgeblieben. Zudem kritisierte er die Posse um den Einsatz von Luftfilteranlagen an den Schulen*. In NRW unterscheiden sich die Vorzeichen nicht allzu sehr von denen in Brandenburg. Auch hier agiert das Prinzip Hoffnung. Das Wort fällt sogar bereits im zweiten Satz der Schulmail.

Etwas mehr als nur Hoffnung könnte die Impfung von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bieten. Sie könnten den Schulstart sicherer gestalten. Die Politik, wie etwa Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), drängt darauf schon länger. Im ARD-Morgenmagazin sagte er am Montagmorgen (2. August), dass die Impfung in dieser Altersgruppe überhaupt nicht so risikoreich sei, wie viele befürchten.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hält sich mit einer Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche bislang aber zurück und bekräftigte diesen Entschluss. „Wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben“, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens dem Radiosender NDR Info.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten am Montag unter anderem genau darüber. Eine Beschlussfassung der Gesundheitsministerkonferenz wird für den späten Nachmittag erwartet. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/AFP-Pool

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