Covid-19

"Hygienische Sauerei": Mediziner warnen in Corona-Zeiten vor Einmalhandschuhen

Jeder versucht, sich derzeit so gut es geht vor dem Coronavirus zu schützen. Doch sind alle Maßnahmen sinnvoll? Jetzt warnen Mediziner vor der Benutzung von Einmalhandschuhen.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist hochansteckend.
  • Viele Menschen versuchen, sich mit Einmalhandschuhen zu schützen.
  • Doch Experten raten davon ab.

NRW – In den Einkaufsregalen vieler Drogerien sind sie seit Wochen ausverkauft: Einmalhandschuhe. Um sich vor dem hochansteckenden Coronavirus-Sars-CoV-2 zu schützen, greifen viele Menschen in NRW und ganz Deutschland zu dem angeblichen Schutz gegen das Virus. Ob beim Einkaufen im Supermarkt, beim Bäcker oder gar beim Spazierengehen. Doch was bringen diese Handschuhe wirklich?

Coronavirus: Einmalhandschuhe erhöhen die Ansteckungsgefahr

Rein gar nichts – sagt Dr. Marc Hanefeld, Allgemeinmediziner aus Bremervörde. Auf Twitter wetterte er jetzt scharf gegen die Benutzung der beliebten Einmalhandschuhe zum angeblichen Schutz vor dem Coronavirus. Es sei sogar viel gefährlicher, sie zu tragen, als auf sie zu verzichten. "Das ist eine hygienische Sauerei großen Ausmaßes", ist sich Hanefeld sicher, wie msl24.de* berichtet. 

Der Grund: "Medizinische Handschuhe sind porös. Und unter Alltagsgebrauch werden sie noch poröser. Im medizinischen Alltag sind sie zur Reduktion größerer Verunreinigungen, zum Beispiel durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten gedacht." Durch das Tragen der Einmalhandschuhe würden weder Träger, noch der Patient/Berührte geschützt. Stattdessen würden sie das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sogar noch erhöhen.

"Es bringt nichts": Arzt rät vor Einmalhandschuhen als Coronavirus-Schutz ab 

"Unter dem Handschuh vermehren sich Bakterien mit Freude, in der feucht-warmen Kammer. Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen. Herzlichen Glückwunsch!", so Hanefeld, der vor klaren Worten nicht zurückschreckt: "Man rennt nicht mit Gummihandschuhen durch die Gegend, es sei denn, man möchte eine Hygiene-Sau sein. Fertig. Kann das bitte mal in die Köpfe?". In dieselbe Kerbe schlägt auch Lungenarzt Dr. Jens Mathews. Er bezeichnet gegenüber dem SWR die Einmalhandschuhe als "Keimschleuder" für das Coronavirus.

Der Handschuh habe in kürzester Zeit viel mehr Bakterien an der Oberfläche angesammelt als die frisch gewachsene Hand. Sobald man sich mit dem Einmalhandschuh ans Gesicht, das Handy oder die Tasche gefasst habe, seien die Keime bereits im großen Maße verteilt. Ein Schutz gegen das Coronavirus sei dies daher nicht.

"Es bringt nichts, den ganzen Tag mit Einmalhandschuhen herumzulaufen", lautet Mathews' Ratschlag. Das Land NRW ist von der Ausbreitung des Coronavirus Sars-Cov-2 am stärksten betroffen. Über die Lage rund um Covid-19 im Bundesland und im Münsterland wird aktuell berichtet.

*Msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Während das öffentliche und kulturelle Leben momentan stillsteht, gibt es gute Nachrichten für Filmfans: In Münster soll wegen der Coronavirus-Krise bald ein Autokino eröffnen. Seit einigen Wochen findet auch kein Unterricht statt. NRW-Familienminister Joachim Stamp hält eine normale Rückkehr in Kitas und Schulen aufgrund der Coronavirus-Pandemie für ausgeschlossen.

Autofahrer freut es: Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Preise für Benzin und Diesel stark gesunken. Ab dem 4. Mai wird es weitere Lockerungen geben: Dann sollen Friseure wieder öffnen, die wegen des Coronavirus wochenlang schließen mussten.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Mariscal/POOL EFE/dpa

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