Coronavirus in NRW

Yoga, Minecraft und Mau Mau: So völlig anders läuft's in diesen Zeiten in der Studenten-WG

+
Entspannung und Entschleunigung gibt es morgens während der gemeinsamen Yoga-Stunde.

In einer Dortmunder Studenten-WG hat sich der Alltag wegen des Coronavirus grundlegend geändert.

  • Die Coronavirus-Pandemie beeinflusst alle Menschen in NRW massiv.
  • Der Alltag ist ein anderer geworden als noch vor wenigen Wochen.
  • Unser Redaktion belegt das exemplarisch mit dieser Studenten-WG.

+++ Hier geht es zum Coronavirus-Newsticker für NRW +++

+++ Das steckt hinter der Studie in Gangelt im Kreis Heinsberg +++

+++ Kontaktverbot - was verboten und was noch erlaubt ist +++

+++ Bußgeldkatalog im Überblick - hier wird es teuer +++

Dortmund – Dass es selbst eine Pandemie in dieser Wohngemeinschaft schwer haben würde, zeigt sich schon an der Wohnungstür. Hier hängt ein gelbes Warnschild wie man es von Baustellen kennt, wo meist darauf hingewiesen wird, dass Eltern für ihre Kinder haften. Auf diesem Schild hier steht: „Wenn Dein Immunsystem diese WG schafft, dann überlebst Du auch einen Atomkrieg.“

Tatsächlich hat diese WG im Dortmunder Union-Viertel schon einiges gesehen, sie existiert seit 2005 mit unregelmäßig wechselnden Bewohnern. Gerrit holt einen Umschlag mit Postkarten und Fotos hervor und sagt: „Die Ehemaligen, die hier schon einmal gewohnt haben, schicken noch regelmäßig Briefe und Karten an diese Adresse. Wir wissen oft gar nicht, wer das ist.“ 

Aktuell leben unter anderen die Studenten Celine, Gerrit und Thilo in der WG. Seit die Technische Universität Dortmund am 16. März für den normalen Betrieb die Pforten schloss, hocken sie hierin der vierten Etage zusammen.

Coronavirus in NRW: "Natürlich gehört das Zocken auch dazu"

Celine studiert Raumplanung und hat „glücklicherweise“ noch genug für die Uni zu tun. „Ich war zuletzt nicht so fleißig“, sagt sie und lacht. Gerrit und Thilo sitzen als Informatiker oft vor dem Computer.

+++ Alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus in NRW gibt es hier im News-Ticker +++

Gerrit arbeitet nebenbei als Mitarbeiter an der TU und kann diesen Job auch aus dem Homeoffice erledigen. Ebenso wie Thilo, der gerade an seinem Bachelor sitzt und nebenher bei einer IT-Firma arbeitet.

„Natürlich gehört das Zocken auch dazu“, gibt Gerrit zu. Beim Online-Spielen hätte man zumindest „ein bisschen Kontakt zur Außenwelt“. Mittlerweile werden auch die alten Games wieder ausgekramt: Minecraft oder Animal Crossing.

Coronavirus in NRW: Wie einst die TV-Aerobic mit Jane Fonda

Auch Simulationen feiern in der WG gerade ein Comeback: Spiele wie „Die Sims“, das 2000 veröffentlicht wurde und in dem in vergleichsweise simplen Grafiken das reale Leben simuliert wird. „Man hat ja jetzt Zeit“, sagt Gerrit.

Celine hat sich in der Küche bereits die Haare schneiden lassen.

Der Informatiker hat gerne eine gewisse Struktur in seinem Alltag. „Ich drohe sonst zu versacken“, sagt er. Eine regelmäßige Zielsetzung sei für ihn deshalb wichtig. „Deshalb ist das Yoga auch ganz gut, da muss ich dann mitmachen“, so der 22-Jährige, der an seinem Master-Studium arbeitet. 

Alle zwei Tage trifft sich die Gruppe morgens im Wohnzimmer zur Yoga-Stunde. Ein Beamer wirft dann ein Yoga-Tutorial auf die riesige Leinwand im Wohnzimmer. Es sieht dann in der WG ein wenig so aus wie bei den TV-Aerobic-Kursen in den 1980er Jahren, als Jane Fonda im Röhren-Fernsehen die Übungen in ihren quietschbunten, engen Einteilern vorturnte.

Coronavirus in NRW: beeinflusst den Alltag immens

„Vor allem die Abende haben sich geändert“, sagt Celine. Es werde nun regelmäßig zusammen gekocht. „Und auch viel aufwendiger als sonst“, sagt Thilo. Wobei die Menü-Zusammenstellung oft nicht leicht falle, denn vom Alles-Esser bis zum Veganer sei in dieser WG alles dabei.

Zudem spiele man sehr oft zusammen Brett- oder Kartenspiele. Am Wochenende haben sie am Küchentisch Mau-Mau gespielt. Und sogar eine Freundin per Skype zugeschaltet, die zur Zeit allein in ihrer Wohnung in Dortmund-Huckarde sitzt. „Der Laptop stand auf dem Tisch. So hat sie uns und wir haben sie gesehen“, sagt Celine. 

Coronavirus in NRW: Mehr Kontakt zur Familie als sonst

Die 21-Jährige hat Erfahrungen mit Fernbeziehungen, ihre Familie lebt in Baden-Württemberg. Sie hat in den vergangenen Tagen festgestellt: „Es ist schon kurios: Aber ich habe derzeit mehr Kontakt mit meiner Familie als in normalen Zeiten. Wir telefonieren oder skypen fast täglich.“ 

Gerrit, dessen Familie geografisch quasi um die Ecke in Fröndenberg wohnt, sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen würde, meine Eltern derzeit nicht sehen zu können. Aber da mein Vater zuletzt eine Operation hatte, fahre ich sie derzeit nicht besuchen.“ 

Deshalb skypt auch er. Die gemeinsamen Aktionen stärken die Gemeinschaft und sorgen dafür, dass es laut Celine bislang „tatsächlich zu keinen Konflikten gekommen ist“. „Bis jetzt klappt es gut“, sagt Thilo. „Solange wir noch nach draußen gehen können, wird es wohl kein Problem“, sagt Celine.

Coronavirus in NRW: Haareschneiden in der Küche

Gerrit ergänzt: „Und solange das Internet funktioniert.“ Celine hat sich sogar vor kurzem von einer Mitbewohnerin in der Küche die Haare schneiden lassen und trägt jetzt eine verwuschelte Kurzhaar-Frisur. Auch Themenabende finden immer wieder statt. Neulich habe man Tarot-Karten gelegt, erzählt Celine.

Thilo hat zudem eine gewisse Entschleunigung bei sich festgestellt und weiß diese zu würdigen. „Es ist gerade ein guter Moment für mich, darüber nachzudenken, wie viel man im Alltag eigentlich braucht: Muss ich oft verreisen? Muss ich jeden Abend ausgehen? Oder reicht nicht auch ein Leben, dass ein bisschen entschleunigt ist?“

Nach über zwei Wochen wird die Zeit dennoch so langsam lang. Immerhin: Ein Vater hat versprochen, demnächst eine alte Carrera-Bahn vorbei zu bringen. „Das wäre cool“, sagt Gerrit.

Coronavirus in NRW: Unsere Servicestücke auf einen Blick

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare