Folgen der Flut-Katastrophe

Hochwasser in Erftstadt: Anwohner dürfen zurück ins Katastrophengebiet Blessem

Erftstadt wurde von der Hochwasser-Katastrophe in NRW hart getroffen. Die Schäden sind immens. Im Ortsteil Blessem herrscht Lebensgefahr. Die aktuelle Lage.

  • Die Stadt Erftstadt wurde besonders heftig von der Hochwasser-Katastrophe in NRW getroffen.
  • Im Ortsteil Blessem sind mehrere Häuser bei einem Erdrutsch eingestürzt.
  • Reparaturen auf den Autobahnen A1 und A61 wohl noch für Monate.

Update vom 22. Juli, 9.03 Uhr: Im Katastrophengebiet Erftstadt-Blessem dürfen einige Anwohner voraussichtlich schon von heute an dauerhaft in ihre Häuser zurück. Voraussetzung sei, dass die Standsicherheit der Gebäude gewährleistet ist, teilte Landrat Frank Rock mit. Dies werde ab dem Vormittag durch den Geologischen Dienst überprüft. Ist dies geschehen, müsse „den Blessemer Bürgern auch die Möglichkeit eröffnet werden, ihre Häuser und Wohnungen wieder dauerhaft zu betreten, insbesondere um Aufräumarbeiten zu leisten“, sagte Rock. Vor Ort sind Teams von Feuerwehr, Polizei und Psychologen.

Hochwasser in Erftstadt: Rhein-Erft-Kreis dementiert Gerüchte aus Katastrophengebiet

Update vom 21. Juli, 21.18 Uhr: Der Kreis Rhein-Erft dementiert Gerüchte in den Sozialen Medien, bei denen Fotos eines freigelegten Rohres im Stadtteil Blessem in Erftstadt mit dem Hinweis veröffentlicht wurden, an der Katastrophe sei der unterirdische Flusslauf schuld. Bei dem Rohr handle es sich laut Mitteilung des Kreises um einen Mischwasserkanal mit einem Durchmesser von 1,20 Metern. „Er gehört zur städtischen Kanalisation und dient der Wasserableitung“, heißt in der Mitteilung. Die Zuständigkeit liege bei der Stadt Erftstadt und der Bezirksregierung Köln. „Es handelt sich hier somit nicht um einen unterirdischen verrohrten Fluss.“

Update vom 21. Juli, 13.22 Uhr: Das sind gute Nachrichten: In dem massiv vom Hochwasser betroffenen Rhein-Erft-Kreis werden keine Menschen mehr wegen des Unwetters vermisst. Seit Dienstag seien fünf noch vermisste Menschen ermittelt worden, erklärte die Polizei. Damit sei nach den bisherigen Erkenntnissen im Kreisgebiet niemand durch die Katastrophe ums Leben gekommen, und es gebe keine weiteren Vermissten. „Die Menschen sind den Umständen entsprechend wohlauf“, sagte Polizeisprecher Thomas Held.

Hochwasser in Erftstadt: Keine Vermissten mehr im Rhein-Erft-Kreis

Die Kölner Polizei konnte nach intensiver Suche weitere in den Hochwassergebieten vermisste Menschen ausfindig machen. Seit Dienstag seien zehn Menschen ermittelt worden, vier würden weiter vermisst, sagte ein Sprecher. Zwei Vermisste stammten aus dem Rhein-Sieg-Kreis, zwei aus dem Kreis Euskirchen. Ein Polizeisprecher sagte, inzwischen seien die Handynetze wieder belastbarer, und die Lage sei übersichtlicher geworden. Aber die Suche nach Vermissten sei komplex. Dazu gehöre das Absuchen von Ufern und weggeschwemmten Autos, die Nachfrage im Wohnumfeld oder beim Arbeitgeber. Manchen Menschen hätten nicht gewusst, dass sie gesucht wurden.

Update vom 21. Juli, 12.55 Uhr: Die Bewohner des vom Hochwasser besonders stark betroffenen Ortsteil Blessem dürfen am Donnerstag in ihre Häuser zurückkehren - aber nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. „Aus jedem Haushalt darf nur eine Person zurück in den Ort“, sagte Margret Leder von der Stadtverwaltung Erftstadt dem Kölner Stadtanzeiger (Ksta). Noch ist die Gefahr vor Ort sehr groß, dass Erdmassen in die Kiesgrube nachrutschen können. Die Stadtverwaltung will die Bewohner persönlich erreichen, steht aber nach eigenen Angaben bereits mit einem Großteil der Menschen in Kontakt.

Hochwasser in Erftstadt: Viele Vermisste melden sich - Wohnungsangebote benötigt

Update vom 21. Juli, 7.07. Uhr: Noch immer hat der Rhein-Erft-Kreis kein Todesopfer zu beklagen. Das bestätigte Landrat Frank Rock noch einmal am Dienstag. Laut dem Kölner Stadtanzeiger (Ksta) sagte er, dass dies an ein Wunder grenze. Im Rhein-Erft-Kreis kam es in Folge des Hochwassers zu massiven Überflutungen und Schäden. Die Bewohner von Blessem, einen Ortsteil von Erftstadt, dürfen bis heute nicht in ihre Häuser zurück. Das Spendenaufkommen sei riesig, sagte Frank Rock laut dem Ksta. Sachspenden könnten nicht mehr aufgenommen werden. Es würden aber Wohnungsangebote benötigt.

Update vom 20. Juli, 16.02 Uhr: Knapp eine Woche nach dem Hochwasser im Rhein-Erft-Kreis werden dort noch fünf Menschen vermisst. Bei ihnen sei der Aufenthaltsort derzeit noch ungewiss, sagte Landrat Frank Rock auf einer Pressekonferenz des Kreises am Dienstag. Demnach habe die örtliche Personenauskunftsstelle schon viele Vermisstenfälle klären können. „Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf“, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Hochwasser in Erftstadt: Viele Anwohner dürfen in ihre Häuser zurück

Update vom 20. Juli, 11.32 Uhr: In dem von einem Erdrutsch betroffenen Ortsteil Blessem in Erfstadt sollen viele Anwohner in den kommenden Tagen zeitweise in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Es gebe aber eine Sicherheitszone von 100 Metern rund um die Kiesgrube und die entsprechende Abbruchkante, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. Diese dürfe nicht betreten werden, vor allem an der Abbruchkante bestehe weiter „akute Lebensgefahr“.

Für die Straßenzüge außerhalb dieses Radius plane die Stadt derzeit, Bewohner kurz in ihre Häuser und Wohnungen zu lassen, um ihr Hab und Gut zu sichern. Die Betroffenen sollten dabei begleitet werden und nicht alle zeitgleich nach Blessem gelassen werden. „Wir haben dies in enger Abstimmung mit den Fachleuten heute entschieden und können damit immerhin einem Teil der Bevölkerung eine erste, wichtige Perspektive bieten“, hatte Landrat Frank Rock am Montag gesagt.

Die Zahl der gesuchten Menschen in Erftstadt habe sich derweil weiter auf etwa ein Dutzend Fälle reduziert, wie ein Sprecher der Polizei am Dienstag sagte. „Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf“. Das Telefonnetz stabilisiere sich allmählich.

Einsatzkräfte pumpten zudem ein Regenrückhaltebecken an der überspülten Bundesstraße 265 aus, in dem zunächst noch Autos und Lastwagen befürchtet wurden. Dort wurden nach Abschluss der Arbeiten laut Angaben des Kreises von Dienstag aber weder Fahrzeuge noch Menschen entdeckt. In Blessem hatte ein gewaltiger Erdrutsch durch das Hochwasser in der vergangenen Woche Straßen und Häuser mitgerissen.

Hochwasser in Erftstadt: Lebensgefahr nach Erdrutsch - Autobahnen gesperrt

Update vom 19. Juli, 15.31 Uhr: Auf der überspülten Bundesstraße 265 bei Erftstadt sind alle vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden. Tote seien glücklicherweise dabei bislang nicht entdeckt worden, erklärte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. Allerdings gebe es noch ein Regenrückhaltebecken in der Nähe der Straße, das noch ausgepumpt werde.
Wie die Stadt Erftstadt auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, sollten aus dem Becken im Laufe des Montags noch fünf weitere Fahrzeuge geborgen werden. Die Stadt erklärte aber auch: „Glücklicherweise wurden dort keine Personen in den Fahrzeugen aufgefunden.“

Nach Angaben des Kreises wurden auch im besonders stark getroffenen Erftstädter Stadtteil Blessem bislang keine Todesopfer der Hochwasser-Katastrophe gefunden. 29 Menschen gelten aber noch als vermisst, sagte der Sprecher des Kreises.

Hochwasser in Erftstadt: Lebensgefahr nach Erdrutsch - Autobahnen gesperrt

[Erstmeldung] Erftstadt - In Erftstadt ist nichts mehr, wie es noch vor einer Woche war. Die Stadt im Rhein-Erft-Kreis (NRW) wurde von der Hochwasser-Katastrophe besonders hart getroffen. Die Aufräumarbeiten laufen, das Ausmaß der Zerstörung wird immer deutlicher.

Tausende Menschen haben alles verloren, was sie hatten. „Hier herrscht der absolute Ausnahmezustand“, sagt Erftstadts Bürgermeisterin Carolin Weitzel. Der einzige Trost liegt aktuell in der Tatsache, dass bis Montag noch keine Toten gefunden wurden - anders als im benachbarten Kreis Euskirchen, wo das Hochwasser zwei Dutzend Menschenleben kostete. Allerdings weiß man in Erftstadt, dass es jederzeit passieren kann.

Hochwasser in Erftstadt (NRW): Lebensgefahr aktuell in Blessem

Die Rückkehr zur Normalität in Erftstadt liegt wenige Tage nach dem Hochwasser in weiter Ferne. Das Aufräumen ist auch seit den frühen Morgenstunden des Montags wieder im vollen Gange. Besonders angespannt ist die Lage im Stadtteil Blessem, wo Fachleute die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Dort war durch der Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Es herrscht dort akute Lebensgefahr.

Zwar sei die Kiesgrube hinter Blessem weiträumig abgesperrt, sagte Bürgermeisterin Carolin Weitzel am Montag im WDR2-Morgenmagazin. „Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen ist jedoch jederzeit möglich.“ Die betroffenen Stadtteile würden permanent mit Drohnen überwacht.

Hochwasser in Erftstadt (NRW): Suche nach Vermissten - zum Glück noch keine Toten

Unter Hochdruck und Einsatz sämtlicher verfügbarer Ressourcen laufe auch die Suche nach Vermissten, berichtete die Bürgermeisterin. Im Einsatz mit den Rettungskräften vor Ort seien Roboter, Sonargeräte, Drohnen und Suchhunde. Schwerpunktmäßig würden jetzt Liegenschaften in Blessem und die Bundesstraße B265 untersucht. Dort liegen Autos wie riesiges Strandgut herum, zwischen und unter Lastwagen gedrückt. Die Bundeswehr hilft mit Panzern bei der Bergung.

„Die Überschwemmungen und Zerstörungen sind unvorstellbar. Deshalb konnten wir die Schäden bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig erfassen“, sagte Carolin Weitzel dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Das Ausmaß der Katastrophe macht es uns noch nicht möglich, alle Bereiche zu begehen. Häuser, Brücken, Straßen – alles muss noch geprüft werden.“ Wenigstens das: „Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend“, sagte Bürgermeisterin Carolin Weitzel. Am meisten gebraucht würden nun Geldspenden und möblierte Unterkünfte. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, für Betroffene zu spenden.

Hochwasser in Erftstadt (NRW): Sperrungen auf Autobahnen A1 und A61

Von Stunde zu Stunde wird immer deutlicher: Die Infrastruktur der 50.000-Einwohner-Stadt südwestlich von Köln muss wieder aufgebaut werden. Das gilt auch für Autobahnen. Nach der Unwetterkatastrophe müssen sich Autofahrer auf der A1 und der A61 im Süden Nordrhein-Westfalens noch monatelang auf Beeinträchtigungen einstellen. Bei Erftstadt und Swisttal hatten die Wassermassen Teile der Fahrbahn weggerissen.

Auf der B265 bei Erftstadt-Liblar stehen Autowracks. Die Suche nach Vermissten in der Hochwasser-Katastrophe geht weiter.

Bis auf Weiteres gelten Vollsperrungen auf der A1 zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth in der einen Fahrtrichtung und in der anderen Fahrtrichtung vom Kreuz Köln-West bis nach Erfttal. Die A61, die sich bei Erftstadt mit der A1 verbindet, ist in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim voll gesperrt. Grund für die Sperrungen sind nicht nur die beiden Abbruch-Stellen. An anderen Stellen der gesperrten Strecken ist noch unklar, ob der Untergrund instabil ist. „Es gibt noch viele Unterspülungen - in verschiedenen Abschnitten muss man damit rechnen, dass etwas nachrutscht oder wegbricht.“

Am Samstag machten sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Bild von den Folgen des Hochwasssers in Erftstadt. Dabei zog der Unionskanzlerkandidat großen Unmut auf sich. Ein Video von Laschets Patzer auf Twitter sorgte für heftige Reaktionen.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare