Erstes Ortsschild auf Plattdeutsch - Aus Drensteinfurt wird Stewwert

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Drensteinfurt - Ortsschilder auf Hochdeutsch und Platt waren in NRW lange nicht erlaubt. Nun soll das erste Schild in doppelter Sprache aufgestellt werden. Gerade noch rechtzeitig, wie der Heimatverein betont. Aus Drensteinfurt im Kreis Warendorf wird Stewwert.

In Drensteinfurt (Kreis Warendorf) werden am Donnerstag die ersten Ortschilder mit einem plattdeutschen Namenszusatz in Nordrhein-Westfalen aufgestellt. Neben dem Namen wird dann auch der niederdeutsche Name "Stewwert" zu lesen sein.

"Dieser Name ist durchaus noch geläufig, er wird hier von den Einheimischen oft genutzt", sagte der Vorsitzende des Heimatvereins, Franz-Josef Naber. "Stewwert ist nicht nur ein plattdeutscher Ortsname, sondern ein Synonym für Heimat."

Vor mehreren Monaten waren die Schützen der Gemeinde auf die Idee gekommen, die im regionalen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung aufzugreifen - pünktlich zum 425-jährigen Bestehen des Bürgerschützenvereins Drensteinfurt. "Namenszusätze an den Ortseingangsschildern können die Identität mit der Kommune - und damit der Heimat insgesamt - stärken", sagte NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) vor der Feier in der westfälischen Gemeinde.

Bürgermeister Carsten Grawunder sieht zudem Vorteile für die Integration von Menschen, die nicht aus der Region stammen: "Drensteinfurt liegt im Speckgürtel Münsters, viele ziehen hier erst hin. Damit werden unsere Gäste integriert, durch den Ortsnamen haben sie zumindest einen Fuß in der Türe und man kommt ins Gespräch."

Insgesamt beherrschen rund acht Millionen Menschen in Deutschland die niederdeutsche Sprache. Vielen Menschen in NRW liege die Sprache sehr am Herzen, erklärte Sprachforscher Georg Cornelissen vom LVR-Institut für Landeskunde in Bonn. "Wenn es darum geht, den Dialekt auf diese Art ins Bewusstsein zu rufen, ist das prima."

Mundart-Namen woanders schon länger erlaubt

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg sind Mundartnamen auf Ortsschildern nach Ministeriumsangaben bereits seit Jahren erlaubt.

In NRW hat sich vor allem die Fachstelle für Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund seit Jahren für die Genehmigung der Ortsschilder mit plattdeutschem Zusatz eingesetzt. Sie werden genehmigt, wenn diese Namen sprachhistorisch in der Gemeinde verwurzelt sind.

Der plattdeutsche Name einer Stadt darf in kleinerer Schrift unter die hochdeutsche Bezeichnung gesetzt werden, entschied die CDU/FDP-Koalition im Dezember 2017. Die frühere schwarz-gelbe Landesregierung und zuletzt auch die rot-grüne Regierung hatten zweisprachige Ortsschilder lange abgelehnt und argumentiert, dass solche Schilder für Autofahrer schwerer zu lesen seien. Belege für derartige Einschränkungen sahen die Regierungsfraktionen nicht. - dpa/lnw

Quelle: wa.de

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