Sauerländer zum "Held der Straße" ausgezeichnet

"Der Fahrer war blutüberströmt": So erlebte Ersthelfer Herbert Hertwig einen schlimmen Unfall auf der A44

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Herbert Hertwig wurde nun zum "Held der Straße" ernannt. Er half einem Lkw-Fahrer, der nach einem Unfall auf der A44 in Lebensgefahr schwebte.

Schlimmer Unfall auf der A44 bei Werl: Ein Lkw kracht in ein Stauende, die Autobahn verwandelt sich in ein Trümmerfeld. Der Fahrer des Lkw wird in seiner Kabine eingeklemmt und schwebt in Lebensgefahr. In dieser schrecklichen Situation steht ihm Herbert Hertwig zur Seite. Er wurde jetzt zum "Held der Straße" ernannt.

Werl - Am 11. März dieses Jahres war Herbert Hertwig aus Olsberg gegen 9 Uhr am Morgen auf der A44 bei Werl unterwegs. Vor ihm bildete sich ein Stau - auf diesem Autobahnabschnitt alles andere als ungewöhnlich. Doch dann geschah etwas, was dem 62-Jährigen für immer im Kopf bleiben wird.

„Ich musste das Tempo immer weiter reduzieren, da kam von der rechten Spur dieser weiße Lkw wortwörtlich herangeflogen“, erinnert sich der Rentner. Der "heranfliegende" Lkw war von einem anderen Lastwagen aus den Niederlanden getroffen worden, der auf das Stauende aufgefahren war. Eine Kettenreaktion nahm ihren Lauf, in deren Folge ein weiterer Lkw und ein Kleintransporter in die Karambolage involviert wurden.

"Ich zog die Handbremse und machte mich sofort auf den Weg.."

Als der gelernte Schreiner realisiert hatte, was passiert war, zögerte er keine Sekunde: „Alle Fahrzeuge standen, ich zog die Handbremse und machte mich sofort auf den Weg zur Unfallstelle. Dort fiel mir ein umgekippter Kleintransporter auf, doch ich sah, dass der Fahrer okay war. Ich drehte mich um und dachte: ‚Wer braucht jetzt am meisten meine Hilfe?‘ Ich rannte zu dem stark deformierten Lkw.“ 

Der Fahrer des Lkw war schwer in seiner Kabine eingeklemmt worden.

Sofort war Herbert Hertwig klar, dass es nicht leicht werden würde, zu dem Verletzten vorzudringen: „Sowohl die Fahrer- als auch die Beifahrertür war nicht mehr aufzukriegen." Kurzerhand drang der Ersthelfer über den Motorraum zum Unfallopfer vor. „Mit dem Kopf voran bin ich da durch, das ging mit meiner schlanken Statur gerade so."

"Du brauchst dich um nichts kümmern - ich mache das!"

Dem Olsberger bot sich ein schlimmes Bild: „Der Fahrer sah wirklich schlecht aus, er war blutüberströmt, aber noch bei Bewusstsein und halbwegs ansprechbar. Ich fand in einer Tasche auf der Beifahrerseite etwas Wäsche. Mit dieser tupfte ich ihn ab, um zu schauen, ob er nicht etwa heftig aus einer Schlagader blutete. Das tat er nicht." Die Beine des Lkw-Fahrers konnte Hertwig nicht sehen - denn die waren schwer eingeklemmt. "Ich machte ihm laut klar: ‚Du brauchst dich um nichts zu kümmern, ich mache das! Was tut dir weh?‘“ 

Der Lkw-Fahrer gab seinem Ersthelfer zu verstehen, dass seine Beine sehr schmerzen würden und ihm kalt sei. „Es war tatsächlich sehr kalt an diesem Morgen. Ich fand in der Kabine einen Schlafsack, mit dem packte ich den Mann ein. Seine Rückenlehne konnte ich auch etwas zurückklappen. Ansonsten hielt ich ihn wach und versicherte ihm: ‚Alles gut, Hilfe ist alarmiert!‘“

"Wie sind Sie denn da reingekommen?"

Nach kurzer Zeit trafen die Einsatzkräfte ein, der Notarzt staunte nicht schlecht über den Ersthelfer: „Wie sind Sie denn da reingekommen?“, soll er laut Hertwig gefragt haben. Damit der Notarzt problemlos arbeiten konnte, bauten die Rettungskräfte der Feuerwehr schnell ein Gerüst für ihn auf. Von dort hatte er Sichtkontakt zum Verletzten. Dem Unfallopfer wurde ein Zugang gelegt. Um sein Schmerz-Empfinden zu betäuben, wurde ihm ein Schmerzmittel injiziert.

Mehrere Fahrzeuge waren in den Unfall verwickelt. Auf der A44 erstreckte sich ein großes Trümmerfeld.

Anschließend übernahm die Feuerwehr die technische Rettung des Patienten. Karsten Korte, Leiter der Feuerwehr Werl, betonte, dass Herbert Hertwig richtig gehandelt habe, als er sich entschloss, den Verletzten zu betreuen: "Als Ersthelfer kann man nichts falsch machen! Aber man sollte immer darauf achten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Wenn Personen beispielsweise eingeklemmt sind, ist es ratsam, Lkw-Fahrer anzusprechen, dass sie wegen der möglichen Brandgefahr Feuerlöscher, die sie in ihren Fahrzeugen mitführen müssen, bereitstellen sollen." 

Grundsätzlich sei es wichtig, dass überhaupt jemand anhält und den Notruf absetzt. "Dabei ist es wichtig, möglichst genaue Angaben zum Ort des Unfalls zu machen. Auf der Autobahn sind dabei die Fahrtrichtung und der Autobahnkilometer sehr wichtig. Im schlimmsten Fall ist die Ortsangabe so ungenau und die Rettungskräfte fahren in die falsche Richtung."

Dass es solche Fälle bereits im Kreis Soest gegeben hat, berichtete Karsten Korte in unserem großen Interview über die Arbeit der Feuerwehr auf der A44. Gemeinsam mit seinem Soester Kollegen Jürgen Wirth berichtete er über schlimme Erinnerungen an Unfälle und Erlebnisse, die sie bis heute zum Schmunzeln bringen.

Für seinen umsichtigen und selbstlosen Einsatz wurde Herbert Hertwig nun der Titel „Held der Straße“ des Monats November 2019 von Goodyear und dem Automobilclub von Deutschland (AvD) verliehen. 

Auch Albert Herbst ist regelmäßig auf der A44 unterwegs. Sie ist sein Arbeitsort. Sein Arbeitgeber: Die Autobahnpolizei. Auch er hat uns erzählt, was für ihn "Alltag" auf der Autobahn bedeutet.

Quelle: wa.de

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