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Verurteilter Eslohe-Doppelmörder überraschend wieder auf freiem Fuß

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Von: Sebastian Schulz

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Hat der Eslohe-Doppelmörder eine weitere Frau umgebracht? Bei der Antwort-Suche waren die Ermittler schon sehr weit. Nun macht eine Leichenfolie alles komplizierter.

Eslohe/Frettermühle/Bonn - Fest steht nach einhelliger Rechtsauffassung, dass der 66 Jahre alte Mann im Jahr 1988 in Eslohe im Hochsauerlandkreis (NRW) zunächst die Unternehmerin Waltraud Padberg ermordete und danach ihren 15 Monate alten Enkel Patrick entführte. Der Fall sorgte nicht zuletzt wegen eines Appells der Familie an den Täter im Fernsehen bundesweit für Schlagzeilen. Aber auch Lösegeld half nichts: Auch den Enkel Patrick hatte der Täter, der seinerzeit ein Haus in Frettermühle (Gemeinde Finnentrop im Kreis Olpe) bewohnte, seinerzeit ermordet.

Verurteilter Eslohe-Doppelmörder überraschend wieder auf freiem Fuß

Seit April dieses Jahres besteht nun der konkrete Verdacht, dass dieser Mann eine weitere Frau auf dem Gewissen haben könnte: die Hotel-Erbin Claudia Otto, die im Jahr 1987 im Alter von 23 erdrosselt worden ist. Der Fall wurde nie aufgeklärt, bis Ermittler diesen sogenannten Cold Case mit modernen Untersuchungsmethoden noch einmal überprüft haben. Im April wurde der Tatverdächtige in Detmold festgenommen.

Im vergangenen Monat begann der Prozess, in dem der Angeklagte die Tat abstritt. Seine Karten standen dennoch schlecht - bis es vor wenigen Tagen neue Erkenntnisse gab, die dem Fall eine neue Wendung geben. Die entscheidenden Indizien in dem Mordfall, zwei DNA-Spuren des Angeklagten am Körper der Toten, seien nicht sachgerecht untersucht worden, hieß es nun vom Landgericht Bonn. 

Eslohe Serienmörder Mord Lohmar Patrick Padberg: So berichtete der Hundem-Lenne-Kurier im Jahr 1988. Jetzt besteht der Veracht, dass der Mann eine weitere Frau umgebracht hat.
So berichtete der Hundem-Lenne-Kurier im Jahr 1988. Jetzt besteht der Veracht, dass der Mann eine weitere Frau umgebracht hat. © SK-Repro

Bislang sei die Kammer durch Aktenvermerke der Polizei davon ausgegangen, dass die Leichenfolien vor der Untersuchung durch ein rechtsmedizinisches Institut ab 2017 nicht geöffnet wurden und eine nachträgliche Kontaminierung ausgeschlossen sei. Ein zuständiger Beamter des Landeskriminalamts (LKA) sagte nun jedoch aus, dass die Folien durch das LKA an vielen Stellen mit einem Skalpell eingeschnitten wurden, um Fasern zu entnehmen. Dies berge laut Kammer die Gefahr, dass verschiedene Spuren des Opfers und des Angeklagten miteinander vermischt sein könnten. 

Damit fehlt dem Gericht nun die Grundlage, den Prozess weiterzuführen. Weitere Untersuchungen sind nun angeordnet worden. Der Prozess wird dafür ausgesetzt - ebenso wie der Haftbefehl gegen den 66-Jährigen, der das Gericht nun überraschend freien Fußes verlassen durfte.

Seine Haftstrafe für den Doppelmord in Eslohe, die im Urteil als „lebenslang“ festgesetzt wurde, hat der 66-Jährige übrigens nach 32 Jahren Haft im Jahr 2020 abgesessen. Bis zur Festnahme im Fall Claudia Otto im April dieses Jahres war er schon einmal ein freier Mann.

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