Vermummte Beamte am Justizvollzugskrankenhaus und in Ostbüren

Explosion samt Feuerball: Polizei-Spezialeinheiten zur Übung auch in Fröndenberg

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Das LAFP ist eine von drei Landesoberbehörden der Polizei NRW, unmittelbar dem Innenministerium nachgeordnet und auch für die polizeiliche Fortbildung verantwortlich.

Blaulicht, rasante Fahrt vermummter Beamter in fünf Fahrzeugen, Dienstwaffen im Anschlag, dazu eine Explosion samt Feuerball: Es waren Szenen wie in der RTL-Actionserie "Alarm für Cobra 11", die sich am Mittwochmorgen in Fröndenberg im Kreis Unna zwischen Justizvollzugskrankenhaus und Ostbüren abspielten. Jetzt ist klar: Es war eine Übung von Spezialeinheiten der Polizei.

Fröndenberg - Mittwochmorgen, 9.53 Uhr: Mit hohem Tempo rast eine Kolonne - vorne ein Streifenwagen, dahinter vier zivile Fahrzeuge mit aufgesetztem Blaulicht - vom Justizvollzugskrankenhaus (JVK) in Fröndenberg los. 

Durch die beiden Ortsteile Hohenheide und Ostbüren geht es zurück in Richtung B1 - Autos und Lastwagen fahren rechts an den Straßenrand und lassen die Wagen mit Nummernschildern aus Düsseldorf, Bielefeld und Heinsberg staunend passieren.

Kurze Zeit zuvor waren die fünf Einsatzfahrzeuge der Polizei den umgekehrten Weg zum JVK gefahren.

Kolonne stoppt, Beamte stürzen aus Autos

Auf der Ostbürener Straße stoppt dann plötzlich die Kolonne, allesamt mit Sturmhauben vermummte Beamte stürzen aus den Autos, ein Knall ist zu hören und ein Feuerball zu sehen.

200 Meter vom Szenario entfernt hat einer der "Begleitbeamten" sein Fahrzeug quer auf die Straße gestellt. "Keine Sorge, nur eine Übung der Polizei. Gleich geht's weiter", sagt der Beamte, der eigens zur länger werdenden Autoschlange gekommen ist, um aufzuklären.

Rentner will durch die Absperrung fahren

Ein Rentner bekommt nichts davon mit, fährt über die Gegenfahrbahn einfach an den wartenden Fahrzeugen vorbei und will auch den quer gestellten zivilen Polizeiwagen passieren - bis der Beamte ihm sehr deutlich zu verstehen gibt, dass er warten muss.

Nach vier Minuten ist das Spektakel dann auch schon wieder vorbei und die Ostbürener Straße frei. Am Straßenrand qualmt noch der zur Explosion gebrachte Feuertopf.

Was steckte konkret hinter dem Szenario? 

Polizeihauptkommissar Victor Ocansey, Pressesprecher des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW, bestätigte auf Anfrage, dass am Mittwochmorgen die Übung von Spezialeinheiten in Fröndenberg stattfand.

"Im Einsatzfall muss jeder Handgriff unserer Polizistinnen und Polizisten, gerade auch bei unseren Spezialeinheiten, die heute im Raum Fröndenberg trainiert haben, sitzen – oftmals zählt dabei jede Sekunde. Insofern bedarf es ebenso adäquater Trainingsörtlichkeiten. 

Trainingsareale werden abgesperrt und gesichert

Die polizeilichen Fortbildungsmaßnahmen erfolgen stets unter möglichst realistischen Bedingungen, in unseren polizeilichen Bildungs- und Trainingszentren in ganz NRW, aber auch außerhalb. 

Das Trainingsareal wird immer vor Beginn des Trainingsszenarios abgesperrt und gesichert. Für die Anwohnerinnen und Anwohner oder sonstigen Verkehrsteilnehmer bzw. Passanten besteht zu keinem Zeitpunkt Grund zur Sorge – die Sicherheit aller Beteiligten, aber auch der Polizeikräfte stehen dabei stets an erster Stelle. 

Bei unseren Fortbildungsmaßnahmen kann es schon mal vereinzelt zu Knall- und Explosionsgeräuschen kommen, die aber keineswegs den Kern der Trainingsszenarien ausmachen", heißt es in der Stellungnahme Ocanseys.

Kreispolizeibehörden werden vorab informiert

"Die Polizei in NRW bereitet sich auch auf schwierigste Einsätze gezielt unter andere in einsatztaktischer Hinsicht professionell vor. Das LAFP Polizei NRW führt seit vielen Jahren in diversen Regionen von NRW solche Fortbildungsmaßnahmen durch, so auch heute mit Spezialeinheiten unter anderem im Raum Fröndenberg", so der Pressesprecher.

Wenn solche Maßnahme im öffentlichen Verkehrsraum - wie am Mittwoch in Fröndenberg - stattfinden, werde stets die örtliche Polizeibehörde vorab informiert, damit diese auf Nachfrage Auskunft erteilen kann.

Konkrete Trainingsinhalte bleiben unbekannt

Tatsächlich konnte die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna am Morgen direkt auf die Übung verweisen, als unsere Redaktion vom Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg aus die entsprechende Anfrage stellte.

Transparenz sei gerade in diesem Themenfeld besonders wichtig, erläuterte abschließend Victor Ocansey vom LAFP. Dabei sei es eine wesentliche Herausforderung, sicherzustellen, dass Einsatztaktiken vertraulich bleiben und keinesfalls in falsche Hände gerieten. Daher sei es nicht möglich, zu konkreten Trainingsinhalten und insbesondere zu den Spezialeinheiten nähere Auskünfte zu erteilen.

Quelle: wa.de

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