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Wie geht es mit Kettler weiter? Heute soll wohl die Entscheidung fallen

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[Update 8.10 Uhr] Werl/Ense/Düsseldorf - Die Krise beim Freizeitartikel-Hersteller Kettler hat sich in den letzten Stunden und Tagen kontinuierlich zugespitzt. Am heutigen Freitag soll sich final entscheiden, ob und wie es mit dem Unternehmen weitergehen wird. Es geht auf der Suche nach einem Investor um eine dringend erforderliche Zwischenfinanzierung durch die Kettler-Stiftung. So viel steht fest: Sollte es keine Lösung geben, dann gehen bei Kettler die Lichter aus. Diese Drohkulisse steht weiter über allen Gesprächen, die die Verantwortlichen zu führen haben.

Am Donnerstagabend war der Gläubigerausschuss zusammengekommen, um über die Zukunft von Kettler zu beraten. Daran beteiligt waren die IG Metall, die Sparkasse Hochsauerland als Hauptgläubiger sowie die Bundesagentur für Arbeit und zwei weitere Unternehmen. Konkrete Ergebnisse sind bislang nicht bekannt geworden.

Es geht jetzt vor allem um eine Einigung des Unternehmens selbst mit der Heinz-Kettler-Stiftung. Deren Kuratoriumsvorsitzender Manfred Sauer habe "unter fadenscheinigen Gründen" die Teilnahme an einem Runden Tisch bei der Landesregierung in Düsseldorf abgesagt, so Matthias Kietzmann, Pressesprecher von Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

"Ich bin sehr enttäuscht, dass die Heinz-Kettler-Stiftung das Moderationsangebot meines Hauses nicht angenommen hat. Das Stiftungskuratorium hat sich hier konsequent verweigert", sagte Pinkwart (FDP) selbst.

720 Mitarbeiter sind betroffen

Die Verantwortlichen im Unternehmen seien nun gehalten, alternative Wege zu beschreiten. "Wir werden den Prozess eng begleiten und alles daran setzen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und den Beschäftigten und ihren Familien eine gute Perspektive zu eröffnen", sagte Pinkwart.

Dem Freizeitartikel-Hersteller Kettler mit Sitz in Ense-Parsit und einem Werk in Werl droht noch in dieser Woche das Aus, sollte es nicht gelingen, kurzfristig eine Zwischenfinanzierung sicherzustellen. Der Geschäftsbetrieb müsse dann schon an diesem Freitag eingestellt werden, 720 Mitarbeiter würden entlassen. 

Kettler-Sprecherin Stefanie Risse betonte nach dem geplatzten Runden Tisch: "Unabhängig von dieser Entwicklung arbeiten wir weiter an Lösungen." 

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Der Heinz-Kettler-Stiftung kommt nach Angaben des Ministeriums eine Schlüsselrolle bei den Rettungsbemühungen zu. Um jetzt überhaupt noch einen neuen Investor zu finden und damit den Erhalt des Unternehmens zu ermöglichen, sei "eine sofortige Entscheidung der Kettler-Stiftung über die Höhe des von ihr zu leistenden Beitrags zwingend erforderlich", hieß es im Ministerium. Von der Stiftung selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Galgenhumor und Resignation

Klar bleibt: Das Zeitfenster, das noch einen Spalt breit offen zu stehen scheint, wird sich kurzfristig schließen, wenn es keine zeitnahe Lösung gibt. In der Belegschaft wird die neue Entwicklung mit einer Mischung aus Galgenhumor und Resignation zur Kenntnis genommen.

„Wir bereiten uns unverändert auf das Schlimmste vor“, sagt der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Antonio Salerno. „Die meisten Kollegen haben die Hoffnung aufgegeben,“ ergänzt Salerno, der ankündigt, „die Freistellung der Kollegen vorzubereiten“. 

Anderes bleibt ihm in dieser Phase auch gar nicht übrig, denn gestern hatte die Geschäftsleitung bekanntlich angekündigt, umgehend den Geschäftsbetrieb einzustellen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlassen, falls „bis Ende der Woche keine Einigung und keine entsprechende Zwischenfinanzierung erfolgt“.

Kettler hatte bereits im Juli einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Ziel war eine Neuausrichtung mithilfe eines Luxemburger Investors. Der Investor warf allerdings das Handtuch, als die Heinz-Kettler-Stiftung nicht bereit war, seine Forderungen zu erfüllen. - eB/mit dpa-Material

Quelle: wa.de

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