1. SauerlandKurier
  2. Nordrhein-Westfalen

Statt Geburtstagsständchen und Neujahrssekt: Angriff mit Messer, weil Motorsäge streikt

Erstellt:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

Bereits auf der Treppe zum Rönk’ser Treff gab die Motorsäge eines 51-jährigen Finnentropers den Geist auf, der daraufhin mit einem Messer auf den Wirt zusteuerte, aber schließlich überwältigt werden konnte.
Bereits auf der Treppe zum Rönk’ser Treff, einer kleinen Gaststätte in Finnentrop-Rönkhausen, gab die Motorsäge eines 51-jährigen Mannes den Geist auf, der daraufhin mit einem Messer auf den Wirt zusteuerte, aber schließlich überwältigt werden konnte. © Dickopf

In der Silvesternacht war in Finnentrop-Rönkhausen ein Mann mit Kettensäge und Messer auf den Lebensgefährten seiner Ex-Frau losgegangen. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Finnentrop - Der Fall eines 51-jährigen Finnentropers, der in der Silvesternacht mit einer Motorsäge und einem Messer in der Hand eine Gaststätte in Rönkhausen betrat, sorgte landesweit für Schlagzeilen. Ein Blutbad konnte durch das beherzte Eingreifen des Wirtes, auf den es der Mann abgesehen hatte, sowie durch weitere Gäste abgewendet werden.

KreisOlpe
Fläche712km²
Einwohner133.362 (31. Dez. 2020)

Mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse in dem Fall, wie Tabea Schneider, Dezernentin der Staatsanwaltschaft Siegen, auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. So werde gegen den tatverdächtigen 51-Jährigen auch „wegen weiterer Delikte im unmittelbaren Vorfeld der Tat ermittelt.“ In dem Zusammenhang bestätigte Tabea Schneider auf Anfrage, dass der derzeit in Untersuchungshaft sitzende Finnentroper mit einem Auto zum Tatort fuhr.

In Schlangenlinien soll der Finnentroper unmittelbar vor der Tat die B236 befahren haben.
In Schlangenlinien soll der Finnentroper unmittelbar vor der Tat die B236 befahren haben. © Dickopf

Finnentrop-Rönkhausen: Täter fährt in Schlangenlinien zum Tatort gefahren

Nach unseren Informationen war der 51-Jährige zuvor schon aufgefallen, als er die B 236 von Lenhausen kommend in Richtung Kreisverkehr Rönkhausen befuhr. Dabei soll der Fahrer die Bundesstraße in Schlangenlinien befahren haben, wobei er mehrfach nur knapp eine Kollision mit den am Fahrbahnrand abgestellten Autos verhinderte. Ob der mit einem Messer und einer Motorsäge bewaffnete Mann alkoholisiert oder durch Drogenkonsum beeinträchtigt war, ließ die Dezernentin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch offen, da das Ergebnis der Blutuntersuchung noch ausstehe.

Der 51-Jährige soll gegen 23.55 Uhr mit der Motorsäge und einem Messer in der Hand aus dem Auto gestiegen sein. Auf der Treppe vor dem Rönk’ser Treff soll der Mann dann ins Straucheln geraten sein und die laufende Motorsäge ging aus.

Angriff in Finnentrop-Rönkhausen: Auch Ex-Frau unter den Gästen

Versuche, die Motorsäge direkt vor dem Eingang erneut zu starten, scheiterten und der Mann betrat die Gaststätte mit einem langen Messer in der Hand. Inmitten der geschlossenen und knapp zehnköpfigen Gesellschaft, unter der sich auch die Exfrau des Täters befand, steuerte der 51-Jährige mit einer Art Küchenmesser zielgerichtet auf den 61-jährigen Wirt zu, der eigentlich zum Jahreswechsel auf seinen 62. Geburtstag anstoßen wollte. Stattdessen sah er sich mit seinem ehemaligen Freund konfrontiert, der früher in der Kneipe ausgeholfen hatte und nun mit dem Messer auf ihn zulief.

Geistesgegenwärtig konnte der Wirt die Hand des Angreifers mit dem Messer fixieren. Zu Hilfe kam ihm in dem Moment ein Gast, der den Angreifer von hinten fixierte.

Mit einer Kettensäge und einem Messer hat ein 51 Jahre alter Mann eine Gaststätte im Kreis Olpe gestürmt.
Mit einer Kettensäge und einem Messer hat ein 51 Jahre alter Mann eine Gaststätte im Kreis Olpe gestürmt. © Georg Dickopf

Schlag mit Flasche auf Kopf bricht den Widerstand

Der Wirt, der mit der Exfrau des Angreifers liiert ist und deshalb auch im Visier des 51-jährigen Finnentropers stand, soll dem Angreifer mit einer Flasche eine Platzwunde am Kopf zugefügt haben. Damit war der Widerstand des 51-Jährigen endgültig gebrochen. Bis zum sehr schnellen Eintreffen der Polizei konnten die Gäste, die unmittelbar nach dem Vorfall die Polizei alarmiert hatten, den Angreifer fixieren.

Polizeivernehmungen statt Geburtstags- und Silvesterparty

Statt auf das neue Jahr und den Geburtstag des Wirtes anzustoßen, wimmelte es in der Gaststätte kurz nach Mitternacht vor Polizeibeamten, Rettungssanitätern, Partygästen und Schaulustigen. Statt einer Party standen nun Zeugenbefragungen und Vernehmungen an. Wie durch ein Wunder gab es neben dem Angreifer, der eine Platzwunde erlitt, nur oberflächlich verletzte Gäste.

Gegen den Hauptbeschuldigten wurde nach den Angaben von Tabea Schneider am 2. Januar Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erstattet. Ihm werde jetzt die Möglichkeit des rechtlichen Gehörs gewährt, sagte Schneider. Bislang habe sich der 51-Jährige nicht zur Tat geäußert.

Auch interessant

Kommentare