Mädchen (2) mit Whisky-Flasche schwer verletzt

Partyzug-Unglück in Kamen: Veranstalter zieht Konsequenzen

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Polizeiaktion im Partyzug in Greven

Nach dem Flaschenwurf aus einem Partyzug in Kamen, bei dem ein zweijähriges Kind lebensgefährlich verletzt worden ist, ist Anklage gegen einen 32-Jährigen aus Moers erhoben worden.

  • Bei einem Flaschenwurf aus einem Partyzug in Kamen wurde ein Kleinkind schwer verletzt.
  • Ein 32-Jähriger aus Moers meldete sich bei der Polizei.
  • Die Staatswanwaltschaft Dortmund hat Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben.

Update, 21. Januar, 12.25 Uhr: Dem 32-jährigen Mann, der am 1. November 2019 durch den Wurf einer Whisky-Flasche aus dem Fenster eines sogenannten Partyzuges ein zweijähriges Kind am Bahnhof in Kamen schwer verletzt hatte, wird in Kürze der Prozess gemacht. Wie sich auf Nachfrage unserer Redaktion heraus stellte, scheint ein Prozessbeginn vor Ende März, Anfang April unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund erhob gegen den Moerser nun Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung, wie der Pressesprecher der Behörde, Staatsanwalt Henner Kruse, auf Nachfrage mitteilte. Die Anklageschrift stammt von 8. Januar, weshalb die Akten noch nicht lange beim Amtsgericht in Kamen vorliegen. 

Angeklagter war mit Kegelclub auf Tour

Laut Anklageschrift hatte der Angeklagte zusammen mit Mitgliedern seines Kegelklubs im Rahmen einer Kegeltour im Sonderzug 1760 von Duisburg Hauptbahnhof mit dem Fahrtziel Norddeich-Mole gesessen. Gegen 10.42 Uhr habe der Mann bei der ungebremsten Durchfahrt des Zuges auf Gleis 2 des Kamener Bahnhofs eine vorher geleerte 0,7-Liter-Whisky-Flasche aus einem offen stehenden Fenster seines Zugabteils in dem Glauben geworfen, dass die Whisky-Flasche in einem Gebüsch landen würde. 

Laut Anklageschrift habe er nicht wahrgenommen, dass sich der Zug bereits in Höhe des Kamener Bahnhofs befand. Die von dem Angeklagten geworfenen Whisky-Flasche prallte daraufhin im Bereich des Kamener Bahnhofs zunächst gegen eine Betonwand oberhalb des Treppenaufgangs zu Gleis 2, wodurch die Flasche zersplitterte. Mehrere Glassplitter fielen anschließend in den Treppenaufgang und trafen die Zweijährige, die sich auf dem Arm ihres Vaters auf den unteren Treppenstufen des Aufgangs befand, am Kopf.

Diese Verletzungen erlitt das Mädchen:

Das kleine Mädchen erlitt neben einer Gehirnerschütterung ein offenes Schädel-Hirntrauma mit einem Bruch des Schädelknochens. 

Das verletzte Mädchen war in der Folgezeit sowohl im Evangelischen Krankenhaus als auch in der St.-Barbara-Klinik in Hamm operiert worden. Glück im Unglück: Mit bleibenden Schäden dürfte nicht zu rechnen sein.

Nach fatalem Flaschenwurf: Diese Konsequenzen zieht der Reiseveranstalter

Bernd Niemeyer, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Müller Touristik aus Münster, ist angesichts des fatalen Flaschenwurfs weiterhin einigermaßen fassungslos: „So einen Vorfall haben wir in 50 Jahren Unternehmensgeschichte noch nicht gehabt. 

Auf Basis welchen Zufalls dieses Unglück geschehen ist, ist schon unglaublich“, sagt der Geschäftsführer von Müller Touristik aus Münster. 

Flaschenwerfer stellt sich selbst

Mit Spannung wird auch Bernd Niemeyer den Prozess verfolgen. Als Veranstalter von sogenannten Partytouren waren die Mitarbeiter des Unternehmens ebenfalls geschockt gewesen. Man habe versucht, dazu beizutragen, dass der Vorfall möglichst schnell aufgeklärt wurde, sagt Niemeyer. „Wir haben die Polizei bei den Ermittlungsarbeiten stark unterstützt“, berichtet der Geschäftsführer. 

Der Zug war damals zunächst weiter gefahren und dann in Greven mehrere Stunden lang aufgehalten worden. Mit einem Großaufgebot war die Bundespolizei angerückt und hatte die Personalien der Fahrgäste aufgenommen. Auf der Rückfahrt des Partyzuges von der Nordsee zurück ins Ruhrgebiet zwei Tage später hatte sich der Flaschenwerfer dann der Polizei gestellt. 

Reiseveranstalter stockt Spende "signifikant auf"

Die spontane Spendenaktion der ebenfalls geschockten Fahrgäste, die noch während der Fahrt über 3500 Euro für die Familie des Mädchens sammelte, wurde vom Veranstalter ebenfalls unterstützt. Die Höhe der Aufstockung möchte Niemeyer nicht preisgeben, sagt nur: „Wir haben uns ordentlich beteiligt und den Betrag signifikant aufgestockt.“ 

Als wichtigste Konsequenz verhängte der Reiseveranstalter ein sofortiges „Glasverbot“ in den Partyzügen. Bereits vor dem Vorfall habe es laut Niemeyer keinen Ausschank von Getränken in Glasbehältern gegeben. Nun sei auch die Mitnahme von Glasflaschen an Bord untersagt worden. Darauf weise das Unternehmen jetzt auch schriftlich auf den ausgegebenen Reise-Vouchern ausdrücklich hin. 

Versiegelung der Zugfenster?

Eine Versiegelung der Zugfenster käme laut Niemeyer allerdings nicht in Frage. „Wir dürfen die Fenster nicht versiegeln. Die Deutsche Bahn setzt diese Züge auch noch ein. Sie dürften aufgrund von Sicherheitsgründen nicht dauerhaft verschlossen werden. „Es geht dabei sowohl um Fluchtwege als auch um die Klimatisierung“, sagt Niemeyer. Zudem entsprächen die Züge „den strengsten deutschen und europäischen Sicherheitsvorgaben“, so Niemeyer weiter.

Update 4. November, 16 Uhr: Der Verdächtige hat sich erneut, offenbar aus freien Stücken, bei der Polizei gemeldet. Er korrigierte, so die Formulierung der Polizei Dortmund, seine Aussage, die er zunächst getätigt hatte. "Er räumte ein, die Flasche, selbst unter Alkoholeinfluss stehend, unachtsam aus dem Fenster geworfen zu haben. Dass der zügig fahrende Zug sich in diesem Moment in Höhe eines Bahnhofes befunden habe, sei ihm nicht bewusst gewesen", erklärte Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt.

Zwischenzeitlich haben die Ermittler der eingesetzten Ermittlungskommission herausfinden können, dass die aus dem Zug geworfene Flasche das Mädchen glücklicherweise nicht direkt traf. Offensichtlich prallte die Flasche zunächst gegen ein Hindernis, von dort aus flog sie vermutlich mit verringerter Bewegungsenergie weiter und traf das Mädchen, welches sich dadurch schwere Verletzungen zuzog.

Update 4. November, 12.36 Uhr: Der 31-jährige Verdächtige, den die Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag ermittelt haben, spricht nach Angaben der Beamten von einem Versehen. Die Flasche, die das Mädchen aus einem Partyzug in Kamen getroffen hatte, sei aus dem Fenster gefallen, als er an seinem danebenliegenden Koffer hantiert habe, so der Mann gegenüber der Polizei. Die Polizei schaltete einen Gutachter ein, um zu überprüfen, ob der vom Tatverdächtigen angegebene Ablauf stimmen kann.

Der Verdächtige konnte aufgrund von Zeugenbefragungen ausfindig gemacht werden. Dieser Mann sei nach einer Vernehmung entlassen worden, heißt es in der Mitteilung vom Sonntagabend.

Zu dem tragischen Vorfall war es am Freitagmorgen gekommen. Ein kleines Mädchen wurde am Kamener Bahnhof plötzlich von einer Flasche getroffen, als der Vater mit dem Kleinkind auf dem Arm die Bahnhofstreppen zum Gleis hinaufging. Rettungskräfte brachten es ins Krankenhaus. Das Kleinkind ist nach einer OP außer Lebensgefahr.

Flasche aus Partyzug geworfen: Fahrlässige Körperverletzung

Die Flasche flog nach den ersten Erkenntnissen der Polizei aus einem Partyzug, der gerade den Bahnhof in Kamen durchfahren hatte. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Flasche aus dem Zug geworfen wurde, allerdings nicht gezielt auf einen Menschen. "Wir haben keinen Anhaltspunkt für ein gezieltes Werfen", erläuterte Henner Kruse, der Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Die Behörden ermitteln in dem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Der Partyzug fuhr am Freitag zunächst weiter, im etwa 65 Kilometer entfernten Greven wurde er gestoppt. Die Bundespolizei rückte mit einem Großaufgebot mit Beamten aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland an. Dutzende Polizisten nahmen die Personalien der Reisenden des Partyzuges auf. Die Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, wie ein Sprecher der Bundespolizei schilderte.

Flasche aus Partyzug geworfen: Zeuge zeigt Verständnis

"Ich habe vollstes Verständnis für die Polizei. Gut, dass sie den Täter finden wollen", sagt Dieter Nübling (57) der Bild-Zeitung. Er war demnach am Freitagmorgen mit seinem Kegelclub in Köln in den zehn Waggons umfassenden Zug eingestiegen. "Ich mache seit 30 Jahren solche Fahrten, aber das habe ich noch nie erlebt. Hoffentlich kriegen sie den", sagte Norbert Rumbach (59) der Bild. Der Zug konnte dem Medienbericht zufolge nach der Überprüfung am Freitagabend Richtung Norden weiterfahren - ohne eine Festnahme.

Eine Reisegruppe aus Hamm, die sich in dem Zug befand, hatte von dem Vorfall zunächst nichts mitbekommen. Der Zug hatte Kamen nach ihrer Schilderung relativ langsam passiert und sei dann weitergefahren. Der Halt in Greven kam dann überraschend, berichten Teilnehmer der Fahrt im Gespräch mit unserer Zeitung

Flasche aus Partyzug geworfen: Veranstalter sichert Unterstützung zu

Der Veranstalter Müller-Touristik will die Behörden bei der Aufklärung unterstützen. "Die ermittelnden Behörden haben unsere volle Unterstützung und erhalten von uns alle Informationen, die sie benötigen", erklärte der Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG in Münster, Bernd Niemeyer, in einer schriftlichen Stellungnahme am Samstag. Das Unternehmen verurteile die Tat zutiefst und wünsche dem Mädchen eine baldige und vollkommene Genesung.

An Bord des Partyzugs, der am Freitag in Köln mit rund 500 Personen gestartet und Norddeich Mole als Ziel gehabt habe, sind nach Angaben des Veranstalters verschiedene einzelne Gruppen gewesen. Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben. Grundsätzlich sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. "Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht." Einige Fenster könnten - wie auch in alten ICs (Intercity-Zügen) - während der Fahrt geöffnet werden.

Lesen Sie auch: Im Bahnhof Kamen von Flasche getroffen: Mädchen (2) außer Lebensgefahr

Quelle: wa.de

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