Gesellschafter am Zug

Flughafen Paderborn-Lippstadt: Keine Rettung ohne viele Entlassungen

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt steckt tief in der (Corona-) Krise, soll aber mit einem Sanierungskonzept gerettet werden.
+
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt steckt tief in der (Corona-) Krise, soll aber mit einem Sanierungskonzept gerettet werden.

Das Konzept zur Sanierung und Fortführung des Flughafens Paderborn-Lippstadt ist beschlossene Sache. Jetzt müssen die Anteilseigner die Mittel zur Verfügung stellen.

  • Der schwer angeschlagene Flughafen Paderborn-Lippstadt soll gerettet werden.
  • Dafür haben Aufsichtsrat und Gesellschafter ein Konzept beschlossen.
  • Die Freigabe der Mittel dafür soll von den Anteilseignern im Herbst beschlossen werden.

Paderborn/Lippstadt - Monat für Monat fährt der Flughafen Paderborn-Lippstadt aktuell vor allem wegen der Corona-Krise Verluste von 700.000 Euro ein - trotz hoher Kurzarbeitsquote. 

"Deshalb war umgehend ein Sanierungsmodell und Fortführungskonzept gefordert worden, das diese Zielsetzung dauerhaft und krisenbeständig sicherstellt", heißt es in einer Pressemitteilung im Anschluss an die Sitzungen von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung am Donnerstag (30. Juli). 

Das Wegbrechen nahezu aller Einnahmen habe die wirtschaftliche Situation so sehr verschärft, dass der Airport nun innerhalb des nächsten halben Jahres in allen Bereichen neu aufgestellt werden müsse.

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Kein Zusagen von Bund und Land

"Von Land und Bund haben wir bisher keine Zusagen erhalten. Alle Gesellschafter müssen jetzt zusammenstehen und diese Sanierungsphase durchstehen und finanzieren", betonte Paderborns Landrat Manfred Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH.

Das seitens der Geschäftsführung entwickelte Konzept, das von einem Hamburger Sachverständigen überprüft und für wirtschaftlich sinnvoll und notwendig befunden worden sei, sei nun in den Gremien des Flughafens vorgestellt worden.

Ziel sei es, den Flughafen Paderborn-Lippstadt als Verkehrsflughafen für Großflugzeuge weiterzuführen. "Ein wichtiger Hebel ist die Dimensionierung der vorhandenen, eigenen Abfertigungskapazitäten bis hin zu einer Größenordnung von 300.000 Flugpassagieren pro Jahr in Linien- und touristischen Verkehren.

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Liquidität muss bleiben

Diese Maßnahme erhöht die Krisenbeständigkeit des Flughafens, da auch bei einem starken Rückgang der Passagierzahlen und damit der Erlöse die Liquidität aufrechterhalten werden kann", heißt es.

Das Konzept beinhalte drei mögliche Szenarien für die Entwicklung des Jahresergebnisses (positiv, realistisch, negativ) nach durchgeführter Sanierung. In allen drei Fällen könne der Zuschuss der Gesellschafter auf 2,5 Millionen Euro pro Jahr begrenzt werden. 

Gleichzeitig könne der Flughafen in besseren Zeiten, bei steigender Nachfrage, durch den befristeten Zukauf von Personalressourcen seine eigene Abfertigungskapazität bis zum infrastrukturellen Limit des Flughafens erhöhen. 

Paderborns Landrat Manfred Müller betonte: "Die zukunftsfähige Neuausrichtung des Flughafens gelingt nur, wenn alle Gesellschafter in ost- und südwestfälischer Solidarität zusammenstehen."

"Die Sanierung und Fortführung erfordert jedoch, dass der Flughafen sich von einem erheblichen Teil seiner Mitarbeitenden trennen muss. Landrat Manfred Müller bezeichnete in den Gremien diesen Schritt als 'extrem bitter und schmerzlich'", heißt es im Pressestatement des Kreises Paderborn. Konkrete Zahlen werden nicht genannt.

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Das sind die Gesellschafter

Der ist mit einem Anteil von 56,38 Prozent Hauptgesellschafter des Paderborn Lippstadt Airports. Weitere Gesellschafter sind die Kreise Soest (12,26%), Gütersloh und Lippe (je 7,84%), Hochsauerlandkreis und Höxter (je 3,92%), die Stadt Bielefeld (5,88%) sowie die IHK Bielefeld (1,57%) und die IHK Detmold (0,39%).

In einem Schreiben habe der Paderborner Landrat Müller die Anteilseigner bereits gebeten, mitzuhelfen, möglichst vielen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben andere Arbeitsplätze anzubieten. Er kündigte eine Arbeitsgruppe in Kooperation mit der Arbeitsagentur an, um diese Beschäftigte wieder in Arbeit zu vermitteln.

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Krise verschärfte sich

Die Insolvenzen der touristischen Fluggesellschaften Air Berlin, Germania, Small Planet, die Insolvenz des Thomas-Cook-Konzerns im Herbst 2019 und die Konzentration weiterer Fluggesellschaften auf die größeren Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Hannover habe bereits zu Rückgängen geführt.

"Dann kam Corona und machte nicht nur dem Heimathafen einen dicken Strich durch die Rechnung. Durch den Wegfall des Flugbetriebs brachen die Einnahmen fast komplett weg. Erst seit kurzem, aufgrund der Urlaubszeit, ist eine leichte Belebung des Flugverkehrs zu verzeichnen. 

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Finanzspritze reicht nicht

Der Paderborner Kreistag hatte sich im Juni einstimmig für die Fortführung des Airports Paderborn Lippstadt auf 'Basis einer wirtschaftlich fundierten Umstrukturierung' ausgesprochen und mit einer Finanzspritze von bis zu 2,7 Millionen Euro unterstützt, um die Liquidität vorerst sicherzustellen. 

Dies geschieht durch Umwidmung von sowieso für die Verlustabdeckung bzw. Investitionen am Flughafen vorgesehene Mittel. Doch das wird nicht lange reichen", stellt der Kreis Paderborn klar.

Rettung des Flughafens Paderborn-Lippstadt: Entscheidungen im Herbst

Die Gesellschafter des Flughafens müssen jetzt die Umsetzung des Sanierungs- und Fortführungskonzeptes finanzieren, ohne das "der Flughafen diese schwere Corona-Krise nicht überstehen" könne. 

Die Mittel müssen die Kreistage der kommunalen Gesellschafter beschließen. "Dafür gibt es mehrere Optionen, die im Detail noch verhandelt werden müssen. Die Gremien tagen voraussichtlich Ende September, Anfang Oktober", heißt es weiter.

Paderborns Landrat Manfred Müller betonte noch einmal in den Gremien, dass "die zukunftsfähige Neuausrichtung des Flughafens nur gelingt, wenn alle Gesellschafter in ost- und südwestfälischer Solidarität zusammenstehen".

Das jetzt vorgelegte Konzept sichere die Zukunft des seit über 50 Jahre bestehenden Flughafens als Standortfaktor für Wirtschaft und Menschen der Region. - eB

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare