Versuchte Einflussnahme auf Medien

Leserbrief-Posse um Kandidatur von Friedrich Merz: CDU-Kreischef mit Entschuldigung

Die CDU im Hochsauerlandkreis wollte vor der Kür ihres Kandidaten für die Bundestagswahl die örtlichen Medien beeinflussen: Die Partei forderte, dass keine Leserbriefe mehr zu der Abstimmung, bei der auch Friedrich Merz antritt, veröffentlicht werden.

Update vom 19. März, 21.58 Uhr: Nachdem er die Lokalzeitung „Westfalenpost“ aufgefordert hatte, keine Leserbriefe mehr zur Kampfkandidatur zwischen Friedrich Merz und seinem Kontrahenten im Hochsauerlandkreis abzudrucken, hat sich der CDU-Kreisvorsitzende Matthias Kerkhoff am Freitagabend dafür entschuldigt. „Eine Beeinflussung der Medien lag und liegt mir völlig fern“, sagte Kerkhoff der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte es heftigen Gegenwind in den Sozialen Medien gegeben. „Für mich ist die Freiheit der Presse eines der höchsten Güter unserer freien Gesellschaft. Dass meine Äußerung anders verstanden werden konnte, bedauere ich und bitte um Entschuldigung.“

NameFriedrich Merz
geboren11. November 1955 in Brilon
HeimatstadtArnsberg
Größe1,98 Meter
EhefrauCharlotte Merz

[Erstmeldung] Meschede (NRW) - Die angestrebte Bundestagskandidatur von Friedrich Merz hat in seiner sauerländischen Heimat für einen ungewöhnlichen Vorgang gesorgt: Der örtliche CDU-Kreischef forderte die Lokalzeitung „Westfalenpost“ schriftlich dazu auf, keine Leserbriefe mehr zu der Kampfabstimmung zwischen Friedrich Merz und dem amtierenden Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg zu veröffentlichen. Nach der Abstimmung am 17. April gebe es „ausreichend Gelegenheit für die Leserinnen und Leser sich zu äußern“.

Friedrich Merz: CDU will Leserbriefe zur Bundestags-Kandidatur stoppen

Wie die „Westfalenpost“ am Freitag selbst berichtete, erreichte der Brief des Chefs der CDU im Hochsauerlandkreis (HSK), Matthias Kerkhoff, mehrerere Lokalredaktionen der Zeitung. In dem Schreiben, das auch die SauerlandKurier*-Redaktion erreichte, heißt es mit Blick auf die Abstimmung im April: „Es handelt sich um ein innerparteiliches Verfahren und mein Wunsch ist, dass die Mitglieder und Delegierten der CDU sich unvoreingenommen ein Bild von den Bewerbern machen können und anschließend entscheiden.“
Weiter schreibt Kerkhoff: „In der jetzigen Phase bitte ich zu respektieren, dass es sich um eine innere Angelegenheit der CDU HSK handelt, die selbstverständlich redaktionell begleitet werden kann.“

Die Redaktion der „Westfalenpost“ betonte in ihrem Bericht am Freitag, dass man auch weiterhin Leserbriefe zur Wahl zwischen dem aktuellen Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg und seinem Herausforderer Friedrich Merz abdrucken werde, „nachdem diese der üblichen Prüfung unterzogen wurden.“ Ebenso wie die redaktionelle Berichterstattung seien Leserbriefe Teil der Meinungsbildung. „Dass im Vorfeld - auch von innerparteilichen - Kampfkandidaturen oder Kampfabstimmungen Medien Meinungsäußerungen zurückhalten, entspricht nicht unserem journalistischen Leitbild.“

Rund 480 CDU-Delegierte aus dem Hochsauerlandkreis sollen im April bei einer Versammlung im Stadion Große Wiese in Arnsberg-Hüsten entscheiden, ob sie Friedrich Merz oder Patrick Sensburg als Kandidat für die Bundestagswahl ins Rennen schicken. Verwaltungsexperte Sensburg, der 2009 die Nachfolge von Merz als Abgeordneter des Hochsauerlandkreises im Bundestag übernommen hatte, hatte seine Bewerbung bereits im Januar erklärt. Merz hatte Anfang März offiziell seinen Hut in den Ring geworfen. - dpa / *sauerlandkurier.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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