Am Freitagabend in Marl:

Grimme-Preise verliehen: Gala mit 71 Preisträgern

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Die Schauspieler Liv Lisa Fries (r) und Peter Kurth halten bei einem Empfang vor der Verleihung der 54. Grimme-Preise den Preis in der Kategorie "Fiktion" für "Babylon Berlin".

Marl - In Marl sind am Freitagabend die renommierten Grimme-Preise für deutsche Fernsehsendungen verliehen worden. Im Rahmen einer Gala wurden 71 Einzelpreisträger geehrt, so viele wie noch nie zuvor in der 54-jährigen Geschichte des Grimme-Preises.

"Wenn es den Grimme-Preis nicht schon geben würde, müsste man ihn erfinden", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). In Anspielung auf US-Präsident Donald Trump fügte der Landesvater an: "In einer Zeit, in der der Fake zur Realität zu werden scheine, ist die Auszeichnung von hochwertigen Fernsehproduktionen wichtiger denn je."

Laschet selbst erklärte, er sei ein begeisterter Fernsehzuschauer und sehe vor allem am späten Abend gerne noch ausgewählte Serien. Unter dem Gelächter des Marler Publikums erzählte er, dass er "Fernsehserien noch aufnehme".

Auf VHS-Kassetten, gestreamt werde im Hause Laschet nicht, auf die Mediatheken der Fernsehsender greife er ab und zu zurück. Traditionell zeigte bei der Grimme-Gala ein kurzer Trailer die Arbeit jedes Preisträgers, bevor die Akteure auf die Bühne gebeten werden. Die kurzen Einspieler waren humorvoll, eindrücklich, aufwühlend und machen oftmals betroffen. Bei fiktionalen Arbeiten genauso wie bei dokumentarischen.

Still wurde es im Marler Theater, als der Publikumspreis der Marler Gruppe übergeben wird. Ausgezeichnet wurde der Film "Eine unerhörte Frau" (ZDF/Arte). Er zeigt die wahre Geschichte einer Bäuerin, die gegen ignorante Ärzte für ihre kranke Tochter kämpft. Schauspielerin Rosalie Thomass konnte auf der Bühne die Tränen kaum unterdrücken, als Angelika Nachtmann, die sie im Film verkörpert, die Bühne betrat.

Die Moderatoren Joko Winterscheidt (l)und Klaas Heufer-Umlauf kommen zur Verleihung der 54. Grimme-Preise.

Nachtmann berichtete kurz, dass es ihrer Tochter inzwischen besser, aber noch nicht gut gehe. Auf der Grimme-Gala ging es im Minutentakt weiter. Atemloses Schweigen in Marl, als der Einspieler zu "Alles gut - Ankommen in Deutschland" (NDR/SWR) lief.

Filmemacherin Pia Lenz begleitet in ihrem Film über ein Jahr zwei Flüchtlingskinder. Die beiden Jungs sprechen schnell deutsch und möchten in die Schule gehen. Integration gelingt aber nur bedingt, auch weil der Familie die Abschiebung droht. Eindrückliche Szenen zeigten die große Einsamkeit der Flüchtlinge, begründet die Jury den Preis. Lenz stelle die Probleme des Ankommens in den Mittelpunkt und mache klar, dass Integration Hoffnung und Unterstützung der Gesellschaft brauche.

Aber auch humorvolle Momente kamen auf der Grimme-Gala nicht zu kurz. Für ihr "Gosling-Gate" konnten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Auszeichnung entgegen nehmen. Ihnen gelang es, für eine Ausgabe der Sendung "Circus HalliGalli" einen Doppelgänger von US-Schauspieler Ryan Gosling in die Verleihung der Goldenen Kamera zu schleusen.

Grimme-Preis für Jan Böhmermann

Die Jury attestierte eine "denkwürdige" Ausgabe, die "gleichermaßen packendes Unterhaltungsfernsehen im gewohnten Stil der Sendung wie auch bitterböse Medienkritik" liefert. Das Ziel sei eigentlich gar kein Preis, sondern nur der Spaß gewesen, scherzte Winterscheidt am Rande des roten Teppichs.

Zu den dritten Grimme-Ehren kam das "Neo Magazin Royale" (ZDFneo) für die Folge "Eier aus Stahl - Max Giesinger und die deutsche Industriemusik". Jan Böhmermann erklärt darin, wie das "durchkalkulierte Industrieprodukt" deutsche Popmusik zustande kommt. Die Folge gehört "zu den raren Unterhaltungshöhepunkten des Jahres 2017", urteilte die Jury. "Marl wird nie langweilig", bedankte sich Böhmermann beim Publikum.

Der Grimme-Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für deutsche Fernsehsendungen. Die Preise werden seit 1964 jährlich vom Grimme-Institut verliehen. - dpa

Quelle: wa.de

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