Mehr als 100 Helfer aus ganz NRW vor Ort

24-Stunden-Übung im Kohlehafen: Großaufgebot des THW am Gersteinwerk in Stockum

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Sogenannte Pufferbecken sorgen dafür, dass das Wasser auf dem Weg seine Durchflussgeschwindigkeit behält.

[Update] Stockum - Über 100 Helfer des THW aus ganz Nordrhein-Westfalen absolvierten bis Samstagabend eine Großübung im ehemaligen Kohlehafen des Gersteinwerks in Stockum. 24 Stunden lang inszenierten die THW-Kräfte ein Szenario, in dem die Wasserversorgung für die Kühltürme des Kraftwerks sichergestellt werden muss.

Aufgrund der langanhaltenden Dürre ist der Pegel der Lippe gesunken. Treibgut aus dem Wasser ist in die Ansaugpumpen des Kraftwerkes gelangt und hat diese vollständig zerstört. Ein großes Problem, denn die Pumpen versorgen die Kühltürme mit Wasser. Das Kraftwerk musste vom Netz gehen, tausende Anwohner sind ohne Strom. Die Instandsetzungsarbeiten dauern noch länger an. Die Feuerwehren aus Hamm und Werne fordern das Technische Hilfswerk (THW) an.

So lautete das Szenario der Großübung "Wasserschlacht 2019", die am Freitagabend um 18 Uhr im ehemaligen Kohlehafen des Gersteinwerks in Stockum begann und bis Samstag, 18 Uhr, andauerte. Mit dabei waren nicht nur alle Helfer des THW-Ortsverbandes Werne, sondern auch Kräfte aus Hamm (Zugtrupp), Kamen/Bergkamen (Fachgruppe Wassergefahren), Dortmund, Dinslaken, Bochum, Gronau, Gütersloh und Gladbeck-Dorsten. 

Der Auftrag der 120 Helfer: Die Wasserversorgung für die Kühltürme muss sichergestellt werden. Dazu mussten die Männer und Frauen Wasser aus dem Datteln-Hamm-Kanal zu den Kühltürmen befördern. Hier war eine längere Förderstrecke mit mehreren Pumpen erforderlich. Hinzu kam die Sicherstellung der Stromversorgung für die Hafenanlage des Kraftwerks sowie der Aufbau und das Betreiben eines Bereitstellungsraum für die Helfer für die Tage. 

Auf dem Gelände des Werner Ortsverbandes am Südring befand sich die Führungsstelle. Hier koordinierte Übungsleiter Patrick Mersch vom Werner THW und sein Stellvertreter Tim Ramin (Kamen/Bergkamen) den Einsatz. "Wir wollen alles wissen: Wo befinden sich wann welche Personen und Fahrzeuge, wie hoch sind die Pumpleistungen", erklärte Ramin. Alles wurde genau dokumentiert. 

Patrick Mersch (rechts) und Tim Ramin leiteten die Übung. Sie koordinierten alles von der Führungsstelle in Werne.

Wie bei einem realen Einsatz mussten die Helfer Ruhezeiten haben. Wer die Nacht über an der Einsatzstelle war, hatte sich am Samstagmorgen erst einmal ausgeruht. Die Helfer aus ganz Nordrhein-Westfalen übernachteten in der Fahrzeughalle und im Unterrichtsraum des Werner THW. 

Auch die Verpflegung wurde von einem Einsatztrupp des THW übernommen - wie es bei einem echten mehrtägigen Einsatz auch der Fall wäre. Die Fachgruppe Logistik aus Dortmund übernahm diesen Teil der unzähligen Aufgaben. In einem großen Zelt auf dem Gelände der Führungsstelle stärkten sich die Helfer in ihren Ruhezeiten. 

Ziel: Bis zu 50.000 Liter/Minute befördern

Zurück im ehemaligen Kohlehafen: Die Einsatzübung war speziell auf die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen ausgerichtet. Vor Ort waren vier Pumpen bis 5000 Liter/Minute, eine Pumpe des Ortsverbandes Dinslaken mit 15.000 Liter/Minute und drei elektronisch Tauchpumpen. "Das Ziel ist es, mit den Pumpen an die 50.000 Liter in der Minute zu befördern", so Ramin. 

Das Übungsgelände war in drei Einsatzabschnitte unterteilt. Auf der einen Seite des Hafenbeckens befand sich die Entnahmestelle, auf der anderen Seite - knapp ein Kilometer weiter - wurde das Wasser wieder zurück ins Becken geleitet. Es handelte sich ja immer noch nur um eine Übung. 

Mehrere Kilometer Schlauch wurden rund um das Hafenbecken des ehemaligen Kohlehafens am Gersteinwerk verlegt.

Auf dem Weg passierte das, was für die THW-Helfer so wichtig ist, zu üben: Mithilfe von Auffangbecken und verschiedenen Pumpen die Durchflussgeschwindigkeit des Wassers aufrechterhalten und als Team mit mehreren Ortsverbänden zusammenarbeiten. So, wie es viele THW-Helfer im vergangenen Jahr beim Moorbrand bei Meppen im Emsland machen mussten - auch die Kräfte aus Werne.

Der Moorbrand ist nämlich Anlass für die Großübung, erklärt Jörg Prochnow, Pressebeauftragter beim THW in Werne. "Wir haben damals genau das gemacht: eine Pumpstrecke über fünf, sechs Kilometer aufgebaut." Von Pufferbecken bis Pufferbecken beförderten die Einsatzkräfte 20.000 Liter Wasser die Minute, um der Feuerwehr Löschwasser zur Verfügung zu stellen

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