1. SauerlandKurier
  2. Nordrhein-Westfalen

Großer Stellenabbau bei Kostal: IG Metall reagiert auf Pläne

Erstellt:

Von: Thomas Machatzke

Kommentare

Fabian Ferber (IG Metall)
Die IG Metall (hier Fabian Ferber) hat mit großer Bestürzung auf die Nachricht des geplanten Stellenabbaus bei der Firma Kostal in Lüdenscheid reagiert und bezieht deutlich Stellung. © Jakob Salzmann/come-on.de

Die IG Metall hat mit großer Bestürzung auf die Nachricht des geplanten Stellenabbaus bei der Firma Kostal in Lüdenscheid reagiert und bezieht deutlich Stellung.

Lüdenscheid - Am Mittwoch hat die Kostal-Gruppe in Lüdenscheid angekündigt, die Produktion im Bereich der „Automobil-Elektrik“ in Deutschland bis Ende 2024 einstellen zu wollen. Damit würde Kostal nur noch in den Bereichen „Kontakt Systeme“ und „Industrie-Elektrik“ in der Region Arbeitsplätze in der Produktion vorhalten, die traditionelle Produktion in der Automobilzulieferung würde nur noch im Ausland stattfinden.

UnternehmenKostal
HauptsitzLüdenscheid
GründerLeopold Kostal

Massiver Stellenabbau: IG Metall reagiert auf Kostal-Pläne

Verbunden mit dem Aufbau der „Kostal Business Services“ in Ungarn, einer zentralen Einheit für unternehmensinterne Dienstleistungen, will die Unternehmensgruppe mehr als ein Viertel der heimischen Arbeitsplätze abbauen. Hierzu erklärt Fabian Ferber, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis und zuständiger Gewerkschaftssekretär für den deutschen sowie den europäischen Kostal-Betriebsrat:

„Der geplante Arbeitsplatz-Abbau wäre ein schwerer Schlag für die ohnehin gebeutelte Industrieregion. Die Fertigung im Bereich der Automobil-Elektrik bei Kostal gehört zur DNA der heimischen Industrieregion. Über Generationen hinweg haben Menschen aller Herkunft und Bildungsgeschichte hier die Möglichkeit gefunden, ihr Leben über ihre Arbeit selbstbestimmt zu gestalten.

Kostal: IG Metall reagiert auf Streichungspläne

Der komplette Wegfall der Produktion in dem Sektor würde unwiderruflich sein. Betriebsrat und IG Metall werden deswegen gemeinsam mit den vom Betriebsrat beauftragten Partnern nach Vorlage aller hierfür notwendigen Unterlagen durch die Kostal-Gruppe alles dafür tun, dass dieser angekündigte Einschnitt verhindert werden kann. Schon vor einiger Zeit hat der Betriebsrat die Rechtsanwaltskanzlei silberberger.lorenz aus Düsseldorf sowie die Unternehmensberatung PCG aus Essen beauftragt, die Beschäftigtenvertretung in Zeiten des industriellen Wandels zu begleiten.

Wir werden auf unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betriebs- und Aufsichtsräten bei den Automobilherstellern zugehen. Der Wegfall der Produktion in der Zulieferbranche muss gestoppt werden. Es drohen ein Kompetenzverlust und in der Folge auch der Verlust weiterer Arbeitsplätze für die gesamte deutsche Autoindustrie sowie die schleichende De-Industrialisierung in Südwestfalen. Insbesondere in der Autoindustrie standen in den letzten zwei Jahren mehrfach wegen gebrochener Lieferketten die Bänder still. Durch die Stilllegung der Fertigung werden Lieferketten noch unsicherer.

Der Arbeitgeber muss nun die notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen, damit alle Maßnahmen diskutiert werden können, die Arbeitsplätze erhalten.

Fabian Ferber (IG Metall)

Die beabsichtigte Eröffnung des Kostal Business Centers in Ungarn und auch der übrige branchenweite Prozess der Aus- und Verlagerung von Jobs nach Osteuropa zeigt, dass nicht nur Kolleginnen und Kollegen in der Produktion betroffen sind.

Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat erst spät über das Vorhaben informiert, konkrete Zeitschienen und Maßnahmenvorschläge liegen noch nicht auf dem Tisch. Hierbei ist unnötig Zeit verloren gegangen. Dennoch wollen wir jede Minute nutzen, um von einem anderen Konzept zu überzeugen, wie uns das schon in anderen Unternehmen der Region gelungen ist. Der Arbeitgeber muss nun die notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen, damit alle Maßnahmen diskutiert werden können, die Arbeitsplätze erhalten. Dazu gehören ganz sicher auch freie Plätze in den anderen Unternehmensbereichen, die Weiterbildung von Beschäftigten und tarifpolitische Möglichkeiten, die einen Aufbau einer emissionsarmen Fertigung unterstützen könnten.

Fabian Ferber (IG Metall): „Wegfall der Produktion in der Zulieferbranche muss gestoppt werden

Eine Platzierung möglicher neuer Aufträge an den heimischen Standorten sei aufgrund der Einkaufspolitik der Hersteller kaum möglich, heißt es. Wir werden dies in unseren Gesprächen mit Politik und Unternehmen aufgreifen. Die internationalen Konflikte wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Erfahrungen der Corona-Pandemie und die Knappheit von Ressourcen zeigen, wie fragil Lieferketten geworden sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Expansion deutscher Unternehmen in Regionen, in denen Rechtsstaatlichkeit und demokratische Bewegungen verhindert beziehungsweise verboten werden, zu keinem Wandel geführt haben. Deswegen muss es auch in der Industrie zu einem Umdenken kommen.

Der vom geplanten Produktionsschluss unabhängige Schritt der Kostal-Gruppe, Dienstleistungen nach Ungarn zu verlagern, ist angesichts der Äußerungen der Orban-Administration gegen die ukrainische Führung und der bekannten fragwürdigen Praktiken gegen demokratische Bewegungen und Mitbestimmung, nicht nachzuvollziehen.“

Auch interessant

Kommentare