Tobias Feckinghaus geht von "Anschlag" durch Neider aus

Gülle vergiftet Neyetalsperre: Angeklagter Landwirt bestreitet Schuld

+
Tobias Feckinghaus (links) und sein Anwalt Wilfried Steinhage warten im Landgericht Hagen auf den Beginn des Prozesses. Der Angeklagte wurde auf Anweisung des Gerichts unkenntlich gemacht.

[Update: 16.48 Uhr] Halver/Hagen - Überraschend verlief die Vernehmung des Landwirts Tobias Feckinghaus zum Auftakt des Gülle-Prozesses im Landgericht Hagen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten einen besonders schweren Fall von Gewässerverunreinigung vor.

In der Nacht zum 18. März 2015 soll er aus einem Behälter auf seinem Hof in Halver-Kotten mindestens 1,6 Millionen Liter Gülle in den Neye-Bach und die Neye-Talsperre abgelassen haben. Sein Mandant beziehe sich auf eine Erklärung aus dem April 2016, erklärte Rechtsanwalt Wilfried Steinhage. In ihr habe er versichert, dass er den Schieber an dem Behälter nicht aufgedreht habe. Die Tat sei vielmehr „ein Anschlag auf seinen Betrieb“ gewesen. „Darüber hinaus wird er sich nicht äußern.“ 

Tatsächlich plauderte Tobias Feckinghaus dann aber mehr als zwei Stunden über den schwunghaften Handel mit Gülle, verschiedene Qualitäten von Kuh- und Schweinedung und landwirtschaftliche Sparmodelle auf der Grundlage von tierischer Gülle, die den Einsatz mineralischer Dünger ersparen könne. 

Erhebliche persönliche Probleme

Lange Zeit habe er auf die Expansion seines Betriebes gesetzt, landwirtschaftliche Betriebe mit Güllebehältern nach dem Ausscheiden der vormaligen Betreiber weitergeführt und sein Geschäftsmodell so immer weiter ausgedehnt. Erhebliche persönliche Probleme und die Geschichte mit der katastrophalen Verschmutzung der Neye hätten die geschäftliche Expansion im Bereich Gülle-Handel beendet. 

Auch die Milchviehhaltung warf wegen des Preisverfalls für Milchprodukte nicht mehr viel ab. „Die Kinder waren mir wichtiger als die Kühe“, sagte der Angeklagte. Nach einer Lehrstunde in Sachen Gülle-Handel, Verwertung und Ausbringtechnik, die eine Ahnung von seinen komplexen Geschäftsmodellen vermittelte, nahm der Angeklagte dann auch selbst Stellung zu den strafrechtlichen Vorwürfen. 

Systematische Überwachung des Hofes?

Beide von ihm als mögliche Täter genannten Personen „kommen infrage oder auch nicht. Beide haben Ambitionen, so etwas zu machen“, sagte Feckinghaus und bezichtigte einen der Zeugen der systematischen Überwachung seines Hofes: „Was hat der Mann für einen Grund, den ganzen Tag meinen Hof mit einem Fernglas zu beobachten?“ 

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hakte mit dem Hinweis auf die Nutzung des durch den Märkischen Kreis noch nicht genehmigten Güllebehälters nach: „Sie wissen, das Ding ist nicht dicht. Warum haben Sie im Februar 2015 neue Gülle in den Behälter gefüllt?“ 

Der Unternehmer, der den Behälter gebaut hatte, habe ihm versichert, dass das "Ding nunmehr dicht sei“, beteuerte der Angeklagte. Darauf habe er sich verlassen: „Ich bin Landwirt und kein Betonbauer.“ 

20.000 Euro Zwangsgeld

Der Vorsitzende Richter Andreas Behrens hielt dem Angeklagten vor, dass ihm wenige Tage nach der Tat ein Zwangsgeld des Märkischen Kreises in Höhe von 20.000 Euro wegen der Nutzung des Behälters drohte. „Ich hatte überhaupt keinen Druck. Ich hatte noch vier Tage Zeit“, erwiderte der Angeklagte. „Die 5500 Kubikmeter hätte ich in zweieinhalb bis drei Tagen verteilt.“ 

Noch nicht geklärt wurde am ersten Verhandlungstag der Sinn einer Kurznachricht in der Tatnacht. Um 1.46 Uhr verständigte sich der Angeklagte mit einem Mitarbeiter darüber, dass er gerade seinen Rundgang gemacht habe und „ob alles läuft“. 

Eine Kuh habe geschrien und bald darauf gekalbt, begründete Tobias Feckinghaus sein nächtliches Wachsein. Erst gegen 6.30 Uhr habe er die Gülle „am Betrieb plätschern gehört“ und daraufhin sofort die Feuerwehr alarmiert. „Da war der Schock groß, dass zweieinhalb Meter (Füllniveau im Güllebehälter) fehlten.“ 

Der Prozess wird am Mittwoch ab neun Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt.

Hier finden Sie mehr zum Thema.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare