Unglück in Marsberg

Heißluftballon im Sauerland abgestürzt: Sechs Verletzte im Krankenhaus - Mann noch in kritischem Zustand

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Zwei Rettungshubschrauber landeten an der Unglücksstelle.

[Update] Bei einem schweren Unfall mit einem Heißluftballon sind am Dienstagabend in Marsberg im Hochsauerlandkreis elf Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Ein Mann ist immer noch in einem kritischen Zustand, fünf Personen sind noch im Krankenhaus.

Marsberg - Gegen 21.10 Uhr ging der Notruf am Dienstagabend bei der Polizei ein. Etwa 200 Meter neben der B7, im Bereich der Gaststätte "Fettküche", kam es kurz vor der Landung zu dem Unglück. "Aus bislang ungeklärter Ursache kam der Heißluftballon kurz vor dem Boden ins Trudeln und stürzte ab. Nach dem Aufprall überschlug sich der Ballon mehrfach", erklärte die Polizei. Ein Sprecher der Feuerwehr Marsberg schilderte: "Nach dem Aufprall ist ein Feuer entstanden. Drei Personen erlitten Brandverletzungen." Nach dem Aufprall habe der Brenner zeitweise quer gelegen und so den Korb in Brand gesetzt.

Alle elf Personen, die sich im Ballonkorb befanden, wurden verletzt. Zwei von ihnen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Drei Personen wurden leicht, vier schwer verletzt.  Die Verletzungen der Insassen stammten sowohl vom Aufprall als auch vom Feuer. Drei Rettungshubschrauber landeten an der Unfallstelle. Weitere Umstände des Zwischenfalls wurden zunächst noch nicht bekannt. Um kurz nach Mitternacht war der Einsatz vor Ort beendet.

Heißluftballon im Sauerland abgestürzt: Die Fotos

Unglück in Marsberg: Heißluftballon im Sauerland abgestürzt - elf Verletzte

Wie genau es zu dem Unglück kam, ist nun Bestandteil der Ermittlungen von Polizei und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Im Ballon waren zehn Gäste im Alter zwischen 22 und 59 Jahren. Die vier Männer und sechs Frauen waren Teil einer Reisegruppe, ergänzte Polizeisprecher Sebastian Held am Mittwochmorgen. Der Ballon war gegen 19 Uhr in Korbach gestartet. Nach etwa zwei Stunden Fahrt in Richtung Norden hatte der Fahrer zur Landung angesetzt, die bei Marsberg-Bredelar stattfinden solle.

Alle Insassen kommen aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg. Ein 52-jähriger Mann und eine 51-jährige Frau, beide aus Korbach, wurden lebensgefährlich verletzt. Wie die Polizei am Mittwochvormittag erklärte, sei die Frau mittlerweile stabil. Der Mann aus Korbach befindet sich aber auch am Donnerstag noch in einem kritischen Zustand. Fünf weitere Personen seien noch in Kliniken in NRW oder Hessen in Behandlung, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag - darunter auch der 63-jährige Pilot des Ballons.

Experten sind vor Ort

Am Mittwochvormittag waren Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen und der Bezirksregierung Münster im Sauerland, sagte Held. Neben der Unglücksstelle in Marsberg nahmen sie den in Olsberg gelagerten Ballon in Augenschein, der anschließend für weitere Untersuchungen zur BFU nach Braunschweig gebracht wurde. 

Parallel laufen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen, also unter anderem Befragungen der Unfallbeteiligten. "Wir erhoffen uns davon genauere Erkenntnisse", berichtete Held. Allerdings gestalte sich die Befragung zeitaufwendig: Alle Verletzten werden in unterschiedlichen Krankenhäusern versorgt. Die anderen Betroffenen seien wieder daheim in Hessen und würden von den dortigen Beamten befragt. Es brauche Zeit, um alle Angaben auszuwerten, hieß es bei der Polizei im Hochsauerlandkreis.

Das sagt die BFU

Germout Freitag, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, konnte im Gespräch mit unserer Redaktion noch nicht auf weitere Einzelheiten des Unfalls eingehen und verwies auf die Ermittlungen vor Ort. "Die Kollegen nehmen die Unfallstelle und den Ballon in Augenschein. Den Ballon werden sie mitnehmen und bei uns in Braunschweig genauer untersuchen."

Neben den technischen und meteorologischen Bedingungen wird auch der Pilot von den Ermittlern genau unter die Lupe genommen. "In sechs bis acht Wochen" sei mit einem ersten Unfallbericht der BFU zu rechnen. Der Abschlussbericht werde, so die Erfahrungen aus anderen Fällen der Vergangenheit, etwa ein Jahr in Anspruch nehmen.

Staatsanwaltschaft prüft Anfangsverdacht

Auch die Staatsanwaltschaft Arnsberg wartet nun die Ergebnisse der Flugunfall-Ermittler ab. "Im Moment wird ein Anfangsverdacht geprüft", erklärte Oberstaatsanwalt  Thomas Poggel. 

Es geht unter anderem um die Frage, ob der Ballon mit Blick auf die Wetterlage starten durfte.

Der Ballon

Bei dem Unglücks-Ballon handelt es sich mit 32 Metern Höhe, 22 Metern Durchmesser und einem Volumen von 6000 Kubikmetern um einen besonders großen Luftriesen, in dem eine entsprechend große Anzahl an Gästen gefahren werden kann. Seine maximale Startmasse liegt bei 1,6 Tonnen. 

Der kommerzielle Ballonfahrt-Anbieter, unter dessen Verantwortung der Ballon am Himmel war, bezeichnet ihn als den "größten Nordhessen".

Weiterer Unfall im August 2015

Vor knapp vier Jahren hatte es im Stadtgebiet Marsberg bereits einen Unfall mit einem Heißluftballon gegeben. Am 1. August 2015 war der Ballon eines 44-jährigen Piloten im Ortsteil Westheim nach dem Aufsetzen durch starke Windböen umgekippt und nach vorne gezogen worden. 

"Dabei stürzte ein 75-jähriger Mitfahrer aus dem Korb und geriet im weiteren Verlauf darunter", berichtete die Polizei damals. Der Mann wurde dabei schwer verletzt und wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. 

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Quelle: wa.de

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